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Claudia Fischer-Appelt

Ich war jung und (b)rauchte das Geld

Claudia Fischer-Appelt – Foto: Karl Anders / MEEDIA

Ohne Moos nix los! Das gilt vor allem für die wilde Studentenzeit. Doch Promotionjobs können so ihre Tücken haben, wenn man sich so null mit einem Produkt identifizieren kann …

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Meine Kommilitonin Michi bestritt ihren Lebensunterhalt mit Promotionjobs: Von Enthaarungscreme über Bacardi bis hin zu Scheiblettenkäse – nichts war ihr zu geschmacklos. Irgendwann fragte sie, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr Promotions für Schwarzer Krauser Drehtabak zu machen. Nun, jeder hat ja ein Laster, und gerade zu Studienzeiten hatte ich vielleicht sogar mehrere – Rauchen gehörte allerdings nie dazu. Allein beim Gedanken daran, tagtäglich acht bis zehn Stunden lang mit einem Bauchladen voller Stopftabak durch die Bremer Innenstadt zu laufen, bekam ich gelbe Fingernägel. Als meine Freundin mir erzählte, was für eine fette Provision sie in den Semesterferien bei der Martin Brinkmann AG abkassiert hatte, verrauchten meine Bedenken.

Vor dem Personalchef konnte ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen: „Wahnsinn, dass alle noch rauchen …“ Mit meiner Analyse schien ich komplett daneben zu liegen. „Die ganze intellektuelle Elite raucht. Günter Grass raucht, und der raucht nur Schwarzer Krauser No. 1, immer schon, der hat die Renaissance der Selbstgedrehten in den Siebzigern mit angefeuert!“ Ich blieb skeptisch: „Seh‘ ich denn aus wie Günter Grass?“ Der Kettenraucher: „Nein, aber du siehst aus wie eine schwarze Krause!“ Ich schluckte meine Empörung runter, jetzt wollte ich den Job erst recht! 

Teil der Bewerbung war, dass wir eine Zigarette drehen und rauchen mussten. Das Drehen bekam ich irgendwie hin. Dann ging es ans Eingemachte, und ich erinnerte mich unweigerlich an die Worte des großen James Dean: „Wenn du eine Zigarette rauchst, dann rauche sie.“ Ich nahm einen tiefen Zug und musste entsetzlich husten, dabei landete auch noch Asche auf meinem Bein und brannte mir ein Loch in die Nylonstrumpfhose. Nicht umsonst: Den Job habe ich bekommen, es war eine großartige Zeit. Wir haben das abenteuerliche Nachtleben in Berlin nach dem Mauerfall erlebt, immer eine selbstgedrehte Schwarzer Krauser No. 1 hinterm Ohr. Zur Raucherin bin ich nie geworden, aber alle anderen Laster habe ich mir bewahrt, und dafür steh ich mit meinem Namen!

Claudia Fischer-Appelt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Hamburger Kreativagentur Karl Anders.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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