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Pressedatenbank wird geschlossen

G+J-Betriebsrat fürchtet Imageschaden durch Sparkurs beim „Stern“

Das Führungsteam für den "Stern": Frank Thomsen, Publisher, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier in der Chefredaktion (v.l.)

Der Stellenabbau bei Gruner + Jahr geht weiter. Nachdem der „Stern“ die Politik- und Wirtschaftsredaktion in Hamburg schließt, will das Magazinhaus nun auch seine Pressedatenbank dichtmachen. Auch der Betriebsrat lehnt inzwischen die Maßnahmen des Verlags ab. Damit wächst der Druck auf Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel.

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Die Sparrunde beim Hamburger Magazinhaus Gruner + Jahr zieht weitere Kreise. Erst wollen die beiden „Stern“-Chefredakteure Florian Gless und Anne-Beeke Gretemeier die Politik- und Wirtschaftsredaktion des in Hamburg schließen und die Berichterstattung hierzu unter Leitung des Capital-Chefredakteurs Horst von Buttlar in Berlin bündeln (MEEDIA berichtete). Betroffen hiervon sind 17 Redakteure, die sich nun auf einen neuen Job in Berlin bewerben dürfen. Gegen die Maßnahme wehrt sich nun der „Stern“-Beirat. Er fordert, die „Stern“-Spitze auf, von Buttlar nicht in die Chefredaktion zu berufen. Kommt es nicht dazu, könnte es wohl zum Streik in der Redaktion kommen. Dies dementiert ein Sprecher von Gruner + Jahr: „Die Redaktion droht weiterhin nicht mit Streik“.

Jetzt hat der Sparkurs beim „Stern“ weitere negative Auswirkungen. So soll Pressedatenbank, die seit Jahren für Journalisten wichtigste Recherchequelle, zum Jahresende geschlossen werden. Betroffen hiervon sind zehn Mitarbeiter. Mit der Maßnahme entlastet das Magazin seinen Kostenblock offenbar um eine Million Euro jährlich, der für die Dienstleistung hausintern einen entsprechenden Beitrag zahlen musste. Fragen von MEEDIA hinzu ließ die Öffentlichkeitsarbeit unbeantwortet. Sie bestätigt aber, dass die Pressedatenbank geschlossen werden soll. 

Frank Thomsen, Publisher News und Wissen bei Gruner + Jahr: „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, weil wir damit die Arbeit von Kolleg*innen beenden, die ohne Frage einen hervorragenden Job machen. Doch im Sinne einer Modernisierung unserer Arbeit und unternehmerisch erscheint uns der Schritt zwingend: Der Betrieb der eigenen Pressedatenbank erforderte trotz vieler Einsparungen in den vergangenen Jahren immer noch sehr hohe Mittel – und gleichzeitig verändern sich Recherche und Informationsarchitektur durch die Digitalisierung deutlich.“ Von der Veränderung seien etwa zehn Kolleginnen und Kollegen betroffen. Es würden nun Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen, auch über Alterstelzeit und Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten, heißt es bei G+J.

Zugleich soll die Recherchemöglichkeiten aller Journalisten neu ausgerichtet werden. So will G+J stattdessen zum 1. März ein „Quality Board“ schaffen, um die Informationsbeschaffung neu zu organisieren. Danach solle die G+J-Pressedatenbank zum Jahresende durch einen Informations-Marktplatz ersetzt werden. „Am 1. März nimmt das neu formierte Quality Board seine Arbeit auf, die gemeinsame Abteilung aller Schluss- und Verifikationsredakteur*innen der CoIs News und Wissen und der ehemaligen Abteilung Content Services. Ein Teil davon ist die Informationsbeschaffung“, so G+J. An die Stelle der hauseigenen Pressedatenbank würden neue Angebote treten, die einen „schnellen Zugriff auf Informationen und Pressearchive gewährleisten“ sollen.

Zum neuen „Marktplatz der Informationen“ werden Digitalzugänge zu Datenbanken mit Presseartikeln internationaler, nationaler und regionaler Printmedien ebenso zählen wie Zugänge zu wichtigen Digitalarchiven geschaffen. „Das hauseigene Archiv mit sämtlichen G+J-Magazinen wird fortgeführt. Daneben stehen für G+J-Redakteur*innen auch weiter Rechercheexperten bereit, die bei komplizierten und aufwändigen Recherchen unterstützen“, heißt es bei der Hamburger Bertelsmann-Verlagstochter.

Update: Auch der Betriebsrat lehnt inzwischen die Maßnahmen der Stern-Spitze ab und fordert sie auf, diese zurückzunehmen: “ Davon abgesehen, dass es eine Zumutung ist, dass sich Journalist*innen, die teilweise seit Jahrzehnten beim Stern sind, sich nun bewerben müssen als seien sie Anfänger, ist dies eine Zäsur in der mehr als 70jährigen Historie des Stern – mithin die härteste, einschneidendste und für die Redakteursschaft schlimmste. Der Redaktionsbeirat des Stern hat die Maßnahme in einem Brief an die Chefredaktion aufs Schärfste verurteilt. Auch der Betriebsrat hat die Geschäftsführung eindringlich vor der Umsetzung der Pläne gewarnt. Sie können das Image der Marke Stern beschädigen. Sie erzeugen schon jetzt Negativ-Schlagzeilen über den Stern und Gruner + Jahr. Und sie erzeugen massive Sorgen und Ängste in der Belegschaft – weit über die Stern-Redaktion hinaus. Es droht zudem der Verlust von Arbeitsplätzen beim Stern in Hamburg und Berlin“, heißt es in einer Stellungnahme der Arbeitnehmervertretung.

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