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Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk

Der NDR hat Ärger mit seinen freien Mitarbeitern

Der NDR-Sendeturm in Hannover – Foto: Imago

Das Beste am Norden? Wohl eher nicht, wenn es nach den freien Mitarbeitern des NDR in Niedersachsen geht. Die beklagen sich in einem offenen Brief über die Sparmaßnahmen des Norddeutschen Rundfunks. Der streitet die Vorwürfe ab.

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In dem Brief, der mit dem 15. Januar datiert ist, sehen die freien Mitarbeiter, die laut eigenen Angaben „nahezu alle“ Beiträge produzieren, die der NDR ausstrahlt, die „journalistische Qualität des Norddeutschen Rundfunks in Gefahr“. Grund dafür seien die Sparmaßnahmen, die die „drastische Reduzierung“ ihrer Honorare beinhalte. So verdienen etwa die Freien im Bereich Fernsehen seit November „je nach Auftrag zwischen 10 bis 50 Prozent weniger“. Eine Sprecherin des NDR sagte dazu auf Anfrage von MEEDIA: „Die genannten Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar. Aktuelle Themenlagen, wie zum Beispiel die Corona-Pandemie, verschieben im Sinne des Informationsauftrags die Programmschwerpunkte sowie auch themenbezogen deren Ausspielwege. Hierdurch können sich Honorarverlagerungen ergeben. Generelle Honorarkürzungen stehen nicht zu Debatte.“ Es werde also nicht auf Kosten der freien Mitarbeiter gespart.

In dem offenen Brief steht weiter, es sei ein „Crossmedialer Baukasten“ eingeführt worden – „ein neues Honorarsystem, das keine tarifliche Grundlage“ habe.

Hauptproblem: Der „Crossmediale Baukasten“ des NDR

Dieser soll die zukünftige Honorargrundlage für eine „groß angelegte Umstrukturierung im NDR“ sein. Diese Umstrukturierung sehe vor, dass die freien Mitarbeiter tagesaktuell crossmedial für Hörfunk, Fernsehen und Online arbeiten. Bezahlt werden sollen sie dafür laut offenem Brief allerdings schlechter als zuvor: „Dass der Norddeutsche Rundfunk den ‚Crossmedialen Baukasten‘ ab 01.01.2021 einseitig und ohne Tarifvertrag einführen und durchdrücken will, das wollen wir nicht mitmachen“, schreiben die freien Mitarbeiter. Die Führungsspitze habe zugegeben, dass dieses System Geld sparen solle, „da der NDR sonst bald zahlungsunfähig sei“.

Zu besagtem „Crossmedialen Baukasten“ sagt die NDR-Sprecherin: „Crossmediale Arbeit ist in modernen Medienunternehmen Gegenwart und Zukunft journalistischer Berichterstattung. Frei Mitarbeitende müssen dementsprechend crossmedial honoriert werden.“ Trotz längerer Verhandlungen sei es nicht zu einer Einigung gekommen. Die Geschäftsleitung des NDR habe deswegen beschlossen, die Honorierungssysteme im Rahmen einer Pilotphase von zwei Jahren ab dem 1. November 2020 zunächst einseitig einzuführen, um betrieblichen Alltag und geltende Honorierungssysteme in Einklang zu bringen. Die Aussage, dass der NDR andernfalls zahlungsunfähig sei, ist für die Sprecherin „nicht nachvollziehbar und geradezu abstrus“.

Liste für „crossmediale Verweigerer“

Der offene Brief beschreibt außerdem, dass es keine Konzepte gebe, die freien Mitarbeiter aus Hörfunk auf Fernsehen umzuschulen und andersherum. Was es allerdings gebe, sei eine „Anweisung der Leitung“ an feste Mitarbeiter, zumindest „in einer Redaktion“, eine Liste zu erstellen, auf der „crossmediale Verweigerer“ erfasst würden. Letzteres streitet die NDR-Sprecherin ab. Sie sagt weiter, dass „umfangreiche crossmediale Schulungsprogramme im gesamten NDR“ existieren würden, die fortlaufend weiterentwickelt würden. Der NDR zahle freien Mitarbeitenden die Teilnahme an deren Seminaren. 

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