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Gastbeitrag

Mehr Mobile trotz Ausgangsverbot

Niko Thielsch, VP Customer Success bei Adjust

Niko Thielsch, VP Customer Success bei Adjust – Foto: Adjust

Welche Wirkung hat die Pandemie auf Mobile Marketing? Wie sehr leidet die Branche unter Apples verschärftem Datenschutz. Gastautor Niko Thielsch analysiert für MEEDIA die Mobile Trends.

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Die weltweite Corona-Pandemie hat nicht nur die weltweite Wirtschaft ins Wanken gebracht, sondern war auch in vielen Ländern ein Beschleuniger der Digitalisierung. Obwohl oder gerade weil die Mobilität der Menschen sank und sich viele Unternehmen erstmals mit dem Konzept Home-Office auseinandergesetzt haben, hat sich eine Produktgattung während der Pandemie als äußerst widerstandsfähig erwiesen: Mobile-Apps.

Daten von Adjust haben gezeigt, dass die Zahl der Sessions und Installationen vieler Apps im Jahr 2020 überdurchschnittlich zugenommen hat, insbesondere für Apps der Kategorien Gaming, Business und Lieferdienste (Essen & Trinken). Wer das Haus nicht verlassen konnte, griff verstärkt auf das Smartphone als Unterhaltungsmedium zurück.

Voller Hoffnung blickt die gesamte Wirtschaft nun auf 2021. Es wird ein Jahr, in dem viele Unternehmen mit voller Kraft wieder durchstarten. Die Learnings aus Lockdown und Social Distancing werden die Unternehmen mitnehmen.

1. Dieses Jahr werden Unternehmen verstärkt in Apps investieren

Neben vielen staatlichen Institutionen, die Apps zur Nachverfolgung von COVID-Infektionsketten entwickelt haben, hat 2020 uns sehr deutlich gezeigt, welchen Mehrwert Apps sowohl Marken als auch Verbrauchern bieten können. 

2021 steht zu erwarten, dass immer mehr Unternehmen in Apps investieren, um sie zu ihrem wichtigsten Kanal zur Kundeninteraktion auszubauen. Denn nur so können traditionelle Marken langfristig mit ihren mobile-zentrierten Konkurrenten mithalten. Für die Marketing-Departments wird es dieses Jahr vor allem darum gehen, die gewonnen Nutzer auch langfristig zu halten. Mit der sich am Horizont anbahnenden Rückkehr zum Alltag, gilt es für Unternehmen auch zukünftig ihren Kunden relevante Themen zu liefern.

Hier steht die zentrale Frage im Raum, welchen zusätzlichen Mehrwert Apps bieten können. 2020 hat gezeigt: Es lohnt sich, die Bedürfnisse der Nutzer insbesondere in schweren Zeiten in den Mittelpunkt zu stellen. Unternehmen sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie sich in die Lage ihrer Kunden versetzen können. Oftmals sind es nämlich die kleinen Dinge, die dazu beitragen können, das Leben ihrer Kunden bequemer und zeitgleich sicherer zu machen.

2. TV goes mobile. Warum Marken Over the top (OTT) als Kanal nicht länger ignorieren dürfen!

Auch letztes Jahr sind, zum Teil durch die Pandemie befeuert, die Umsätze von Video-Streaming wieder enorm gewachsen. Prognosen zeigen, dass der Höhepunkt noch lange nicht erreicht ist: Bis 2024 soll der Branchenumsatz weltweit auf 30,4 Milliarden US-Dollar steigen. Damit bietet OTT (Digitale Streaming-Dienste die klassische Sendestrukturen wie Kabel, Satellit oder terrestrische Ausstrahlung umgehen, die Red.) für viele Marken enorme Chancen, die bisher weitgehend ungenutzt geblieben sind.

Im OTT-Mix sind Smartphones ein wichtiger Bestandteil, egal ob im Wohnzimmer oder unterwegs. Wie aktuelle Erhebungen von Adjust zeigen, streamen insbesondere jüngere Verbraucher vor allem auf ihrem Smartphone.

Mit den wachsenden Werbeausgaben auf OTT stellt sich für 2021 allerdings auch die Frage nach der Transparenz: Wie kann die Performance gemessen und Budgets effizient eingesetzt werden? Selbst Unternehmen, die große Summen in OTT investieren, haben häufig nur begrenzte Möglichkeit, den Erfolg der Kampagnen nachzuvollziehen.

3. Marketing Automatisierung bringt mehr Kreativität und Personalisierung

Marketing Automation erreicht auch das Mobile Marketing und beschleunigt die Prozesse. Sie hat das Potenzial, die gesamte Branche zu revolutionieren. Insbesondere die manuellen und zeitaufwändigen Aufgaben wie das Erstellen von Performance-Reports können mit Hilfe von Automatisierung in einem Bruchteil der Zeit bewältigt werden. So bleibt Marketing-Teams mehr Zeit sich auf Themen wie hyper-personalisierte Werbeinhalte zu konzentrieren. 

Während die Arbeitsabläufe automatisiert werden können, sollten die Anzeigenmotive weiterhin unverkennbar menschlich sein. Das Marketing-Department darf sich selbst nicht als Silo verstehen. Es muss fortlaufend eng mit der Produktentwicklung zusammenarbeiten, um Nutzer mit relevanter, hilfreicher und vor allem persönlicher Werbung an die App zu binden. Nur so werden Unternehmen langfristig erfolgreich sein.

4. Abo-Modelle werden zunehmend attraktiver als Monetarisierungs-Strategie für Apps 

Verbraucher nutzen mittlerweile ihre mobilen Geräte für eine Vielzahl von Aktivitäten. Egal ob Unterhaltung, E-Commerce, Fitness oder Banking, alles findet via App statt. Dieser Trend wird zusätzlich durch veränderte Gewohnheiten vorangetrieben. Vor allem Millennials und Verbraucher der Gen Z sind am ehesten bereit für ein Premium-App-Produkt zu bezahlen oder ihre Lieblingsmarken zu unterstützen. Eine kürzlich von Adjust durchgeführte Untersuchung zeigte, dass die 25- bis 34-Jährigen mit 25,85 US-Dollar pro Monat am meisten für Abo-Apps ausgaben. Es verwundert daher kaum, dass Abo-Modelle für viele Apps als Monetarisierungs-Strategie immer attraktiver werden. 

App-Abos als neue Einnahmequelle wird für viele App-Publisher und Werbetreibende immer attraktiver, da die Monetarisierung über Ads schwieriger wird. Apple hat Targeting auf dem iPhone mit der Einführung von iOS 14 deutlich erschwert. Es ist deshalb zu erwarten, dass im Jahr 2021 mehr Apps ihre Monetarisierungsstrategien diversifizieren und neben Einnahmen aus Anzeigen auf Abos setzen werden.

5. iOS 14: Daten zu erheben und gleichzeitig die Datenschutzbestimmungen einzuhalten wird eine zentrale Herausforderung in 2021

Im neuen Jahr müssen sich Mobile-Marketer vor allem darauf konzentrieren, einen nahtlosen Übergang zu den neuen Datenschutzrichtlinien von Apple zu schaffen. Was ist der beste Weg, um von den Nutzern die Einwilligung zum Tracking und somit hur zielgerichtet geschalteten Werbung zu erhalten.

Natürlich droht ein Verlust von Targeting-Reichweite im iOS-Universum. Aber gleichzeitig ist diese Neuerung eine Chance für die Mobile-Branche, sich neu zu positionieren und ganz auf den Kunden-Mehrwert zu konzentrieren. Denn ohne Mehrwert wird es keine Zustimmung geben.

Über den Autor: 

Niko Thielsch ist VP Customer Success EMEA bei Adjust. Er ist verantwortlich für die Customer Success-Strategie und die Beratung von Mobile Marketern, die mit Adjust in EMEA zusammenarbeiten. Zuvor hat er für verschiedene Werbe- und Marketingagenturen gearbeitet, wo er sich bereits umfangreiches Wissen rund um App-Marketing aneignen konnte.

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