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Sparmaßnahmen und Vorruhestandsregeln

Steht „Spiegel“-Chefredakteurin Barbara Hans vor dem Abgang?

In der Chefredaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“ bahnt sich offenbar ein Umbau an. Co-Chefredakteurin Barbara Hans soll das Unternehmen verlassen, weil sie offenbar keinen Rückhalt bei Chefredakteur Steffen Klusmann findet. Zudem soll die geplante Vorruhestandsregelung großen Anklang finden, sodass der Verlag wohl auf Kündigungen verzichten kann.

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Erneut zeigt sich, dass Frauen in einer männerdominierten Chefredaktion einen schweren Stand haben. Chefredakteurin Barbara Hans soll angeblich das Nachrichtenmagazin an der Ericusspitze verlassen, berichtet „Horizont„. Damit würde sich die „Spiegel“-Chefredaktion auf den ehemaligen „FTD“-Journalisten Steffen Klusmann und Clemens Höges verkleinern. 

Hans hatte lange Zeit als Chefin des inzwischen mit dem Print-Produkt fusionierten Digitalablegers „Spiegel Online“ gearbeitet. Ende 2018 ging sie in den Mutterschutz, bevor der Verlag die beiden Sparten zusammenlegte. 2019 kehrte Hans zunächst schrittweise wieder in die Redaktion zurück und ist hier seit Sommer 2020 wieder voll im Einsatz. Doch seither habe die Journalistin in „Spiegel“-Spitze und in der Redaktion zunehmend an Rückhalt verloren, heiß es. Kolportiert wird, dass sie ihre Rolle in der neu ausgerichteten Redaktion nicht gefunden habe. Mitarbeiter aus dem Hause berichten zudem, dass es zwischen Klusmann und Hans seit Längerem atmosphärische Störungen gab. Beide Alpha-Journalisten sollen vor dem Lockdown zeitweise persönlich nicht miteinander geredet haben und seien sich im Hause bewusst aus dem Weg gegangen, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Eine „Spiegel“-Sprecherin wollte sich zu den Personalspekulationen nicht äußern.

Jetzt scheint Hans die Konsequenzen aus der Situation zu ziehen dem Verlag den Rücken zu kehren. Hans ist nicht die einzige Mitarbeiterin, die das Unternehmen verlassen will. Denn offenbar findet das von „Spiegel“-Chef Thomas Hass angeschobene Vorruhestandsmodell in der Belegschaft großen Anklang. Viele Mitarbeiter hätten das Angebot angenommen. Dadurch kann das Medienunternehmen wohl auf Kündigungen verzichten und so geräuschloser die geplante Restrukturierung der norddeutschen Mediengruppe angehen. „Spiegel“-Chef Thomas Hass hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Er will erneut rund zehn zehn Millionen Euro einsparen, weitere zehn Millionen Euro an Kosten sollen dauerhaft gesenkt werden. Damit will die „Spiegel“-Gruppe die Folgen der Corona-Krise abfedern, die sich negativ auf das Anzeigengeschäft ausgewirkt hat. 

Zu den Einsparungen soll nun überwiegend die Redaktion beitragen. Von zwei Dritteln des anvisierten Sparziels ist die Rede. Auch bei den Sachkosten soll gekürzt werden. Geplant ist, mehrere Etagen im Haupthaus an der Ericusspitze unterzuvermieten. Im Gegenzug will Hass mehr Digital-Abonnenten gewinnen. Im Gespräch ist, die Zahl der Abos bis Ende 2025 auf 200.000 Exemplare zu verdoppeln. Dass der Spiegel massiv sparen muss, liegt aber auch an der schlechten Entwicklung der Absatzzahlen des gedruckten Hefts. So sank hier die verkaufte Auflage im 3. Quartal 2020 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf rund 645.000 Exemplare. Dafür ist aber Chefredakteur Klusmann größtenteils verantwortlich. Das Heft gilt immer noch als der größte Erlösbringer im Verlag. Große Print-Innovationen, die zu mehr Wachstum führen sollten, sind aber seit seinem Amtsantritt ausgeblieben, .

Zum geplanten Stellenabbau über Vorruhestandsregelungen erklärt eine „Spiegel“-Sprecherin: „Unser Sparziel werden wir nicht allein durch das Senken von Sach- und Einzelkosten erreichen können. Durch die Restrukturierung werden auch Stellen wegfallen. Den Personalabbau wollen wir möglichst fair und angemessen gestalten und dabei vor allem auf das Auslaufen von Verträgen und freiwillige Beendigungen setzen.“ Wesentliche Hebel seien dabei das Vorruhestandsmodell sowie das Modell für Altersteilzeit, das für die gesamte Gruppe gilt. Sprecherin Anja zum Hingst: „Mit dem Programm soll ein sozial verträglicher Stellenabbau ermöglicht werden: Die Stellen derjenigen, die das Programm in Anspruch nehmen möchten, sollen in der Regel nicht neu besetzt werden. Wir können bereits sehen, dass die Möglichkeiten des Programms anteilsmäßig in allen Bereichen des Hauses gleichmäßig viel genutzt werden. Für ein genaues Fazit, wie viele Kolleginnen und Kollegen davon Gebrauch machen werden, bitte ich noch um ein paar Tage Geduld.“

Hintergrund der Sparmaßnahmen ist die Ertragssituation des Unternehmens: „Das voraussichtliche Ergebnis der Spiegel-Gruppe für 2020 Jahr wird angesichts der Coronakrise gedämpft ausfallen, obgleich nicht so schlimm, wie es anfangs zu befürchten stand“, so die Sprecherin. Und fügt hinzu: „Weil wir in der Krise zugleich Kosten gespart haben, konnten wir trotz aller Herausforderungen die finanzielle Stabilität der Spiegel-Gruppe erhalten.“

Anmerkung: Auf Hinweis einer Twitter-Nutzerin haben wir eine Passage, in der von Barbara Hans‘ Mutterschutz die Rede war, angepasst. Dort war zunächst von einer Auszeit zu lesen, aus der Hans „erst“ 2019 zurückkehrte. Wir bitten die Formulierung zu entschuldigen.

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