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Gerd Kielburger

„Ist das etwa eine Schildkröte?“

Gerd Kielburger – Foto: Vogel Communications Group

Ein Trip ins Reich der Mitte, ein offizieller Empfang mit Galadinner. Was die Köche präsentieren, löst Würgereize aus. Leider war das nicht alles, berichtet Gerd Kielburger.

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Reisen erweitert den Horizont – doch manchmal kostet es Nerven und viel Überwindung. Vor knapp 20 Jahren führte mich ein Trip ins Reich der Mitte. Schon beim Check-in im Pekinger Hotel teilte mir ein Mitarbeiter mit, dass er meine Buchung für drei Nächte nicht annehmen dürfe. Mein Journalisten-Visum würde am nächsten Tag auslaufen, daher könne ich nur eine Nacht bleiben. Ich hatte mich bei der Anforderung vertrauensvoll in fremde Hände begeben und das Ablaufdatum nicht überprüft. Ich versuchte selbst dem Konsulat die Umstände zu erklären. Doch es half nichts. Das Visum wurde nicht verlängert. Eine Nicht-Beachtung könnte folgenreich sein, bis hin zum Einreiseverbot. Da ich weder die Fachmesse noch den offiziellen Empfang in der symbolträchtigen „Großen Halle des Volkes“ verpassen wollte, musste das Problem warten.

Dort wurde das Abendessen zur nächsten Herausforderung: Auf meinem Teller fanden sich für europäische Augen und Geschmäcker schier undefinierbare Speisen. „Ist das etwa Schildkröte?“, fragte ein Gast am Tisch. Je größer seine Augen wurden, desto blasser wurde gleichzeitig seine Gesichtsfarbe. Die Schildkröte entpuppte sich als eine knorpelige Meeresfrucht, bei der jeder Biss einen Würgereiz in mir auslöste. Den ganzen Abend gab es ähnliche Speisen, die vermuten ließen, dass uns die edelsten und herausforderndsten Gerichte chinesischer Kochkunst präsentiert werden sollten. Dennoch rebellierte mein Magen bereits auf der Rückfahrt ins Hotel – und tat es bis spät in die Nacht.

Heftige Magenkrämpfe, starke Übelkeit – und dann war da noch die Sache mit dem Rückflug. Aufgrund der Kurzfristigkeit sammelte ich von durchweg überbuchten Airlines unzählige Absagen. Erst in den frühen Morgenstunden konnte ich das ersehnte Rückflugticket ergattern. Das geplante Meeting mit den Redaktionskollegen, die überrascht aber nachsichtig ins Hotel kamen, musste am Vormittag im Taxi zum Flughafen erfolgen. Dort endete meine Zitterpartie nach einem Gerangel und einer mir sonst fremden Ellenbogenmentalität schweißgebadet an der Flugzeugtür, die die Stewardess gerade schließen wollte. Geschafft!

Gerd Kielburger ist Director International Business & Strategy bei der Vogel Communications Group.


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