Anzeige

Meinung

Wo der Schrumpfkurs bei G+J hinführt

buttlar

Das G+J-Gebäude in Hamburg – Foto: Imago / Westend61

Verlagschefin Julia Jäkel stutzt Gruner + Jahr auf das Deutschlandgeschäft zusammen. Damit droht das Magazinhaus zum Anhängsel des TV-Riesen RTL zu werden.

Anzeige

Vor zehn Jahren galt das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr als mächtiger globaler Verlagsriese, der sich mit dem Berliner Konkurrenten Axel Springer teils ein Kopf an Kopf-Rennen lieferte. Rund 2,2 Milliarden Euro setzte die Bertelsmann-Tochter damals am Baumwall um. Und der operative Gewinn war mit deutlich mehr als 200 Millionen Euro beachtlich.

Doch diese Glanzzeiten sind vorbei. Seitdem Julia Jäkel das Zepter als Firmenchefin in der Hand hält, schrumpft das Magazinhaus als Teil des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann unaufhörlich. Ob mit der Einstellung der „FTD“, dem Verkauf der Verlagstöchter in München und Stuttgart oder dem Rückzug aus Österreich, Spanien oder den Niederlanden – sukzessive stutzt Jäkel den traditionsreichen Verlag im In- und Ausland stark zusammen. 

Mit der Konzentration aufs Deutschlandgeschäft schlägt Gruner + Jahr die falsche Richtung ein, sagt MEEDIA-Redakteur Gregory Lipinski

Jetzt will sich die Managerin auch noch von ihrer französischen Tochter Prisma Media trennen. Als Käufer steht der französische Konkurrent Vivendi bereit. Der könnte das Unternehmen zu einem Schnäppchenpreis bekommen, nachdem das Magazingeschäft im vergangenen Jahr durch den Zusammenbruch des nationalen Pressegrossisten Presstalis massiv unter Druck geraten ist. Kommt es zu einem Verkauf von Prisma Media, wird aus Gruner + Jahr ein lupenreiner deutscher Verlag. Der Umsatz der Hamburger fällt dadurch mittelfristig auf unter eine Milliarde Euro. Damit verliert Gruner + Jahr aber für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe im Gütersloher Konzerngeflecht immer mehr an Bedeutung. Das Magazinhaus an der Waterkant droht zu einem Anhängsel des Schwesterkonzerns RTL zu werden. Denkbar ist, dass der Luxemburger TV-Riese Gruner + Jahr sogar schluckt und ganz unter seine Fittichen nimmt. Denn mit dem Verkauf von Prisma Media dürfte es Rabe leichter fallen, den Minderheitsaktionären von RTL eine Übernahme von Gruner + Jahr schmackhaft zu machen. 

Darauf deuten seit Längerem viele Zeichen hin. Immer stärker verzahnt Rabe das Inhalte- und Vermarktungsgeschäft von G+J mit RTL. Ob gemeinsame Print- und TV-Formate oder eine engere Zusammenarbeit der Redaktionen beider Häuser – der Bertelsmann-Chef führt die Hamburger immer näher an die Kölner RTL-Zentrale. Mit Stephan Schäfer als gemeinsamen Inhaltechef von RTL und G+J bereitet Rabe längst den Weg vor, um die Hamburger ganz in das RTL-Geflecht zu integrieren. Dies gilt auch für die Vermarktung. Immer stärker steuert das konzerneigene Werbebündnis Ad Alliance das Anzeigengeschäft des norddeutschen Zeitschriftenhauses. Vom einst eigenständigen Vermarktungsarm G+J Ems bleibt nur noch der Name übrig, die Mitarbeiter agieren längst unter der Flagge der Ad Alliance. 

Strategisch macht die Verschmelzung von Inhalte und Vermarktung Sinn. Da G+J auf den hart umkämpften Medienmärkten als eigenständiges Unternehmen nicht genügend Größe mitbringt, drängt Rabe die Hamburger unters Dach von RTL. Ob nach dem Umzug in die Hafencity 2022 noch der markante Name Gruner + Jahr auf dem Bürogebäude steht, ist stark zu bezweifeln.

Anzeige