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Vor SR-Intendantenwahl

SWR-Intendant Gniffke schlägt intensivere Kooperation mit SR vor

SWR-Intendant Kai Gniffke – Foto: Imago / Arnulf Hettrich

Beim SR steht die Intendantenwahl bevor: Wenige Wochen vor der Wahl hat SWR-Intendant Kai Gniffke in einem Interview erklärt, wie er sich eine engere Kooperation beider Anstalten vorstellen könnte.

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Um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es seit Monaten intensive Diskussionen. Erst kurz vor Weihnachten war ein Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die von der Medienpolitik gekippte Beitragserhöhung gescheitert. Nun hat Kai Gniffke einen ersten konkreten Vorschlag gemacht, wie die Sender unter dem Dach der ARD strukturell reformiert werden könnten.

Veränderungen „knapp unterhalb der staatsvertraglichen Regelung“

Im DWDL.de-Interview bietet er dem Saarländischen Rundfunk Gespräche über eine intensivere Kooperation als bisher an. Dabei geht es nicht um eine Fusion, wie Gniffke betont, sondern um eine Zusammenlegung wesentlicher Teile beider Anstalten, „knapp unterhalb der staatsvertraglichen Regelung“, betont Gniffke. Somit könnten die Senderverantwortlichen selbst entscheiden, ohne auf die Medienpolitik warten zu müssen. Bei den Vorschlägen gehe es nicht nur um das Ziel, kurzfristig Geld einzusparen, sondern auch um die Diskussion den Auftrag und die Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit neuen Impulsen zu bereichern, so der SWR-Intendant.

SWR und SR pflegen schon heute in einigen Bereichen eine laut Gniffke „sehr gute Kooperation“, der Intendant schlägt nun aber vor, sich über gemeinsame Direktionen Gedanken zu machen. Er sagt: „Das könnte sich z. B. auf die Produktion, das Justiziariat und auf die Verwaltung beziehen. Hier geht es um institutionell definierte, gemeinsame Strukturen. Ein solcher Vorschlag soll den Sendern ihre redaktionelle Autonomie und Präsenz in ihren Regionen belassen, das ist wichtig.“

Potentiale lägen in der gemeinsamen Werbevermarktung, aber auch Synergien in den Bereichen Rechnungswesen, Gebäudemanagement, die Buchhaltung, Honorare und Lizenzen seien denkbar. Ebenso wie die Überlegung, „ob man einzelne Sendungen des SR auch in Studio-Kapazitäten des SWR produzieren könnte“, sieht der Journalist als diskussionswürdig an.

SR regelt in wenigen Wochen die Nachfolge von Intendant Kleist

Gniffkes Vorstoß kommt zu einem bewusst gewählten Zeitpunkt. Im Februar wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Intendant Thomas Kleist gewählt. Die Bewerbungsfrist dafür endet am kommenden Samstag. Kleist hatte im September seinen vorzeitigen Rückzug von dem Posten angekündigt. Eigentlich hätte seine Amtszeit bis 2023 angedauert, nun tritt er April dieses Jahres ab (MEEDIA berichtete). Gniffkes Hoffnung ist nun, dass man mit der neuen Administration des SR schnell in Gespräche einsteigen kann, um zu klären, was möglich wäre. „Vielleicht will eine neue Intendantin oder ein Intendant diese Idee aufgreifen.“

Der SWR-Intendant meint, dass sich „die Eigenständigkeit eines Senders nicht an der Verwaltung, dem Gebäudemanagement oder Werbeverkauf definiert – alles inklusive entsprechender Führungsposten“. Er wolle ein Denken anregen, das die Frage ins Zentrum stellt, ob über Jahrzehnte etablierte Strukturen nötig sind, ohne jedoch die Programmautonomie anzutasten.

Update (12. Januar 2021, 12.30 Uhr):

Der scheidende SR-Intendant Kleist hat sich am Dienstagvormittag in einer Mitteilung zum Vorstoß geäußert. Darin weist er die Überlegungen von Gniffke entschieden zurück. „Der SR wird weder Direktionen zur Disposition stellen, noch Strukturen des SWR übernehmen. Die Eigenständigkeit aller Landesrundfunkanstalten beruht eben nicht nur auf der Programmautonomie, sondern auch auf gut funktionierenden, eigenen Strukturen wie eine gut organisierte Verwaltung oder ein Justitiariat, um ihrer gesetzlichen Aufgabe als autonome Anstalt gerecht werden zu können. Dies gilt etwa auch bei der Vertretung der originären Interessen des SR in den ARD-Kommissionen“, so Kleist.

Und weiter sagt er, dass Kooperation dort aufhöre, wo die Souveränität der Landesrundfunkanstalt angetastet wird. „Dass es weitere Kooperationen zwischen SWR und anderen Rundfunkanstalten im Südwesten geben sollte, wurde vor allem vom SR immer wieder vorangetrieben. Kooperationen zwischen selbständigen Einheiten wie den Landesrundfunkanstalten der ARD haben dann Aussicht auf Umsetzung und damit Aussicht auf Erfolg, wenn sie im gegenseitigen Einvernehmen und zu beiderseitigem Nutzen erfolgen.“

tb

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