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Datenschutzstreit

Wie sich Facebook als Retter der Publisher vor dem bösen Apple aufspielt

Facebook – Foto: Imago

Facebook startet eine großangelegte Kampagne gegen Apples neue Datenschutzbestimmungen. Der Grund, kleinen Unternehmen und Publishern würden die Umsätze wegbrechen. Ein klarer Fall von Robin-Hood-Syndrom.

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„Es geht nicht um den Datenschutz, sondern um Profit.“ Na, wer hat’s gesagt, die Mozilla Foundation, der Bundesbeauftragte für Datenschutz oder eine der Landesmedienanstalten? Fast. Der Satz stammt aus dem neuesten Statement von Facebook. Ehrlich. Hier ist der Link. In den USA wurden sogar ganzseitige Anzeigen etwa im „Wall Street Journal“ und der „New York Times“ dazu geschaltet.

Für den Umsatz der anderen …

Welche herzlose Maßnahme Facebook zu diesem Aufruf gedrängt hat? Ich sage nur, der Apfel fällt nicht weit … genau, es geht um Apple. Wer es nicht mitbekommen hat: Anfang 2021 werden Apple-Kunden in iOS 14 darauf hingewiesen, welche Daten die Apps auf dem mobilen Gerät tracken. Die User können dem dann zustimmen oder es ablehnen. Wofür sie sich letzten Endes entscheiden? Man kann es sich vorstellen. Das weiß man auch bei Facebook und sieht die eigenen Gewinne, ähm, die Gewinne der anderen, also der kleinen und mittelständischen Unternehmen und von Publishern in Gefahr und die stünden „aufgrund der Pandemie ohnehin mit dem Rücken zur Wand“, so ist es in der aktuellen Pressemitteilung nachzulesen. Bis zu „60 Prozent Umsatz-Einbruch“ malt Dan Levy, VP Ads und Business-Products bei Facebook, den Zahlenteufel an die Wand. Und wofür? Dass Nutzer nicht mehr personalisiert mit Werbung verfolgt werden können, wenn sie es nicht wollen. Wer bitte möchte in so einer Welt leben? Auf jeden Fall keine Werbetreibenden. Also, es wird Zeit, den Kampf der Entrechteten zu führen. Es wird Zeit, dass Facebook auf der Liste der wertvollsten Börsen-Unternehmen endlich aus dem Keller kommt. Platz 7 nach Marktkapitalisierung, das ist kein Zustand.

Der Marktheilige aus Cupertino

Und ja, Apple hat sich zwar mit der Firmenzentrale in Cupertino ein ewiges Denkmal gesetzt, aber zum  Heiligenschein taugt der Infinity-Kringel nicht, da kann man noch so oft den Datenschutz predigen. Der iPhone-Konzern ist ein Marktgigant, der natürlich darauf abzielt, die eigenen Kunden im eigenen Ökosystem zu halten. Drittanbieter müssen für Apps Knebelverträge unterzeichnen, bei denen selbst die „Deutschland sucht den Superstar“-Macher große Augen bekommen. 

Mit Facebook und Apple, die sich regelmäßig vor dem US-Wettbewerbsausschuss wiedersehen, ist es derzeit also so als würden der Sheriff von Nottingham und Prinz John sich darum streiten, wer von beiden eigentlich der bessere Robin Hood ist.

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