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Verhandlungen mit Vivendi

G+J-Chefin Jäkel will Magazingeschäft in Frankreich verkaufen

Julia Jäkel –

Der Hamburger Magazinverlag Gruner + Jahr zieht sich aus dem Frankreichgeschäft zurück. Die Bertelsmann-Tochter plant, die Pariser Tochter Prisma Media mit 1200 Mitarbeitern zu veräußern. Dazu führt G+J Gespräche mit dem Konkurrenten Vivendi. Damit wird G+J vom einstigen Weltkonzern zu einer rein deutschen Bertelsmann-Tochter.

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Einst war das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr ein Weltkonzern mit Tochtergesellschaften in vielen Ländern.  Sukzessive zog sich das Unternehmen aber in den vergangenen Jahren aus dem Ausland zurück. Lediglich das Frankreich-Geschäft galt für Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel zuletzt als wichtiger und integraler Bestandteil des Unternehmens.

Gruner + Jahr bald nur noch in Deutschland aktiv?

Doch damit ist jetzt auch Schluss. Die Managerin will sich von der französischen Tochter Prisma Media trennen. Dazu hat das Unternehmen mit den französischen Medienriesen Vivendi Gespräche aufgenommen. Vivendi ist bislang nicht im Magazingeschäft tätig und nur in den Bereichen Musik, TV, Kommunikation, Buch und Games aktiv. Sollte es zu einem Verkauf kommen, wäre Gruner + Jahr ein Magazinhaus, dass sich rein auf den deutschen Markt konzentriert.

Da Prisma Media über einen Umsatz von 300 Millionen Euro verfügt, würde auch der Umsatz von Gruner + Jahr wohl auf rund eine Milliarde Euro schrumpfen. 2019 erzielte das Unternehmen noch einen Konzernumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Wie sich der Umsatz 2020 entwickelt, ist aber unklar. Bereits im 1. Halbjahr schrumpfte der Umsatz und Ertrag des Unternehmens vor allem durch die Corona-Krise massiv. So ging der Umsatz in den ersten sechs Monaten auf 524 Millionen Euro zurück. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 677 Millionen Euro. Und auch das Operating Ebitda brach auf 28 Millionen Euro ein, zuvor waren es noch im Berichtszeitraum 62 Millionen Euro.

Wegen Corona zu verkaufen

Treiber des Verkaufs der Pariser Tochter dürfte vor allem die Corona-Krise sein, die erneut massiv das Vermarktungsgeschäft belastet hat. Für Jäkel ist dies ein weiterer Rückzug aus dem Magazingeschäft. Erst Mitte vergangenen Jahres verkaufte die Geschäftsfrau die Mehrheitsbeteiligung an der Stuttgarter Motorpresse. Nun deutet sich an, dass Gruner + Jahr im Rahmen der Content- und der Ad Alliance zunehmend unter das Dach des Gütersloher Mutterkonzerns schlüpft, um hierdurch mit den anderen Bertelsmann-Sparten wie RTL an Größe zu gewinnen.

Dazu erklärt die G+J-Chefin im hauseigenen Intranet: „Es geht auf den Medienmärkten noch stärker um Partnerschaften, Allianzen und Verbündete. Größe zählt – und die Fähigkeit, im Verbund über Mediengattungen hinweg arbeiten zu können. Welche Kraft daraus dann entsteht, erleben wir bei G+J in Deutschland bereits in der Bertelsmann Content Alliance und in der Ad Alliance. Die Allianzen stärken unsere Marken, sie machen unsere Inhalte besser und helfen unseren Geschäften“, so die Managerin und ergänzt: „Im Medienmarkt der Zukunft, das zeigt sich sehr klar, verfügt derjenige über grundlegende Wettbewerbsvorteile, der innerhalb eines Sprach- und Kulturkreises stark aufgestellt ist und eine führende Position möglichst über alle Mediengattungen hinweg einnehmen kann.“

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