Anzeige

Umstrittener Kommissionsbericht

Hans Leyendecker setzt sich gegen den „Spiegel“ durch – zumindest teilweise

Hans Leyendecker – Foto: Imago Images / Christian Spicker

Der „Spiegel“ hatte Zweifel gehegt, ob der Journalist Hans Leyendecker in seinem Bericht über einen Antiterroreinsatz im Jahr 1993 journalistisch korrekt handelte. Leyendecker ist dagegen vorgegangen. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ erreichte er in fünf von sieben Punkten eine außergerichtliche Einigung. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ betont, an der Grundaussage des Berichts habe sich nichts geändert.

Anzeige

In dem vor 27 Jahren erschienenen Artikel „Der Todesschuß“ von Hans Leyendecker im „Spiegel“ ging es um den Antiterroreinsatz in Bad-Kleinen, bei dem der der RAF-Terrorist Wolfgang Grams sowie ein GSG-9 Beamter ums Leben kamen. Laut Gutachten beging Grams Selbstmord, Leyendecker berief sich in seinem Artikel auf eine anonyme Quelle, die behauptete, der Terrorist sei hingerichtet worden. Der ganze Vorfall in Bad Kleinen samt den Gerüchten dazu hatte die damalige Bundesregierung und die Sicherheitsbehörden in eine Krise gestürzt. Es gab personelle Konsequenzen. Der damalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl musste seinen Posten räumen. Auch Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) trat ab.

Viele Jahre später rief das Hamburger Magazin eine Untersuchungs-Kommission ins Leben und machte Zweifel öffentlich, dass Leyendecker zwei Quellen hatte (MEEDIA berichtete bereits im Detail).

In dem Abschlussbericht des „Spiegel“ zu der alten Geschichte heißt es: „Der ‚Spiegel‘ hat mit der Berichterstattung auf Basis einer mangelhaft geprüften und falschen Aussage einen journalistischen Fehler begangen“. Leyendecker nannte den Artikel seinen „verheerendsten Fehler“ und entschuldigte sich mehrfach.

Vor einigen Wochen kündigte der Investigativjournalist an, juristisch gegen seinen früheren Arbeitgeber vorzugehen (MEEDIA berichtete): „Diese Art der Darstellung ist unseriös und grenzt an Rufmord.“ Laut der „Süddeutschen Zeitung“ konnte sich der Journalist jetzt in fünf von sieben Punkten außergerichtlich mit dem „Spiegel“ einigen, der Bericht wurde aktualisiert. Der „Spiegel“ habe „Ergänzungen aus den Stellungnahmen von Hans Leyendecker“ aufgenommen. Die Grundaussage des Berichts bleibe allerdings die gleiche.

bek / ls

Anzeige