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Leitartikel

Axel Springer ist die Fesseln der Börse los

Mathias Döpfner und Friede Springer – Foto: Imago

Vorstandschef Mathias Döpfner hat Axel Springer von der Börse genommen. Damit schafft er die Voraussetzung, den Konzern schneller auf Wachstumskurs zu bringen.

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Mathias Döpfner kann aufatmen. Jahrzehntelang musste der Vorstandschef von Axel Springer den Aktionärinnen auf den Hauptversammlungen Rede und Antwort stehen. Und das war bis zum Einstieg des US-Investors KKR vielfach kein Vergnügen. Ob die Analyse-Plattform eMarketer oder das Wirtschaftsportal Business Insider – jedesmal musste sich Döpfner vor den Anteilseignerinnen rechtfertigen, warum der Börsenkurs trotz millionenschwerer Zukäufe nur eine Richtung kannte: steil bergab.

Das Ende der Börsengeschichte hilft Springer zu expandieren, meint Gregory Lipinski – Illu: Bertil Brahm

Dabei trifft nicht ihn allein die Schuld. Schon seit Jahren werden die Aktien von europäischen Medienhäusern gemieden. Ob die Münchener ProSiebenSat 1-Gruppe oder der Luxemburger TV-Riese RTL – institutionelle Anleger machen meist einen großen Bogen um die werbefinanzierten Anbieter. Grund hierfür sind die großen Internetriesen Google, Facebook, Apple und Co. Sie graben den hiesigen Unternehmen in der Vermarktung immer mehr das Wasser ab. Und ihre Werbemacht bleibt ungebrochen. Daran werden auch Kartellklagen nicht rütteln. Damit wecken börsennotierte Print- und TV-Firmen hierzulande jedoch wenig Fantasie bei Anlegerinnen. Ihr Aktienkurs tritt weiter auf der Stelle.

Jetzt ist Axel Springer die Fesseln der Börse los. Nach dem Rückzug vom Aktienparkett im April hat es Döpfner mit der Hauptversammlung vergangene Woche geschafft, die restlichen Kleinaktionärinnen aus dem Unternehmen zu drängen. Geschickt hat der Manager hier eine Aktienleihe eingesetzt, um das hierfür erforderliche Squeeze-Out-Verfahren durchzudrücken. Damit ist der Manager den lästigen Streubesitz los.

Für Döpfner ist dies ein wahrer Befreiungsschlag. Springer war den Bieterrennen um die milliardenschweren Unternehmen Ebay Kleinanzeigen und AutoScout 24 in den vergangenen Monaten fern geblieben. Und das war vernünftig. Hätten kleinere Aktionärinnen die Zukäufe blockiert, wäre dies für das Berliner Unternehmen teuer geworden. Döpfner hätte riskiert, dass er das übernommene Unternehmen nicht schnell genug in den Konzern integrieren kann. Damit wären auch notwendige Umstrukturierungen ausgeblieben, um das Wachstum global rasch voranzutreiben. Jetzt kann Döpfner sich gewiss sein, dass seine angestrebten Übernahmen transaktionssicher sind. Er dürfte deshalb in den Startlöchern stehen, um Axel Springer zum Weltmarktführer im digitalen Journalismus und digitalen Rubrikengeschäft auszubauen. Und die wird er nutzen – vor allem auch zum eigenen finanziellen Vorteil. Dafür hat die Verlegerin Friede Springer gesorgt, die seinen unternehmerischen Kurs seit Jahren wohlwollend begleitet. Sie hat Döpfner jüngst Aktien im Wert von 1 Mrd. Euro geschenkt. Damit besitzt der Vorstandsboss inzwischen ein Anteilspaket von rund 22 Prozent am Bild-Herausgeber. Kommt es nun zu einer milliardenschweren Akquisition, erhält Döpfner künftig deutlich mehr von den erzielten Gewinnen. Und das wird ihn sicher freuen.


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