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Ehemaliger "Spiegel"-Chef

Klaus Brinkbäumer als Programmchef beim MDR – wie bitte?

Klaus Brinkbäumer – Foto: Jürgen Heinrich

Es gibt manchmal Personalien, da denkt man: Gibt’s doch gar nicht! Dass der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer Programmchef beim MDR werden soll, wie „Horizont“ meldet, ist so eine. Ob am Ende mehr bleibt als Name-Dropping, ist fraglich.

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Wenig fraglich ist dagegen, dass die Personalie stimmen dürfte, auch wenn sie noch nicht offiziell ist. Brinkbäumer muss erst noch in einer Sitzung des Rundfunkrats Anfang kommende Woche gewählt werden. Auf den früheren Spiegel-Chef Brinkbäumer werden im Horizont-Artikel derart viele Lobpreisungen gesungen („Renommee und eine publizistische Kraft mit, die kaum einer dem MDR je zugetraut hätte“, „achtsam ist im Umgang und mit Worten“, „Brückenbauer“, „früherer Volleyball-Profi“, „breites Interessenspektrum über die Literatur bis zum klassischen Klavierkonzert und schließt, natürlich, Bruce Springsteen mit ein“ usw.), dass man annehmen kann, dass die Info aus erster Hand stammt. Brinkbäumer, der Superstar.

Trotz der Heiligsprechung bleibt fraglich, was den verdienten Print-Journalisten zur Aufgabe als Programmchef eines öffentlich-rechtlichen Senders befähigen soll. OK, er hat zusammen mit Stephan Lamby für das Erste eine Trump-Doku gedreht. Und er sitzt viel in Talkshows. Aber eine Management-Aufgabe in eine großen ARD-Anstalt ist dann doch etwas Anderes.

Auch ein Vergleich mit seinem „Spiegel“-Vorgänger Georg Mascolo hinkt. Mascolo kümmert sich als Leiter des Rechercheverbunds von NDR,WDR und Süddeutscher Zeitung um investigative Geschichten und nicht um die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags.

Was bleibt ist ein Personal-Coup, bei dem man aufhorcht, weil er komplett aus der Reihe fällt. MDR-Intendantin Karola Wille kann sich mit dem Namen Klaus Brinkbäumer schmücken und im besten Falle bringt er als Außenseiter eine frische Perspektive in den Sender. Er folgt in dem Posten auf Wolf-Dieter Jacobi, der den Sender im Sommer verließ, weil er sich angeblich beruflich neu orientieren wollte. Laut Berichten stimmte aber auch die Chemie zwischen ihm und Intendantin Wille nicht. Mit Brinkbäumer hätte sie einen Programmchef an der Seite, der dem Ruf des Hauses zuträglich ist und in Fernsehfragen nicht zu viele Widerworte geben dürfte.

Als beim Spiegel vor langer Zeit mal ein Nachfolger für Chefredakteur Stefan Aust gesucht wurde, war kurzzeitig Heute-Journal-Moderator Claus Kleber im Gespräch. Das wäre eine ähnlich absurde Personalie gewesen, aber die kam nie zustande.

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