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Letzte Hauptversammlung nach Börsenrückzug

Springer-Chef Döpfner will ohne Kleinaktionäre stärker wachsen

Springer-Chef Mathias Döpfner – Foto: Axel Springer

Nach dem Börsenrückzug im April will Axel Springer die restlichen Kleinaktionäre in Form eines Squeeze-outs loswerden. Vorstandschef Mathias Döpfner hofft dadurch, ohne Störungen schneller zu wachsen. Springer sei „hungrig“, zu expandieren.

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1985 ging Axel Springer an die Börse. Jetzt, nach 35 Jahren, hat das Unternehmen im April das Aktienparkett verlassen. Nun will der Konzern nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR die restlichen Kleinaktionäre im Rahmen eines Squeeze-outs rausdrängen. Vorstandschef Mathias Döpfner sieht darin eine wichtige Voraussetzung, um den Springer-Konzern weltweit zum Marktführer im digitalen Journalismus und im digitalen Journalismus zu machen. „Durch den Ausschluss der Minderheitsaktionäre erhöht der Squeeze-out im entscheidenden Maße die Transaktionssicherheit“, sagte Döpfner auf der heutigen Hauptversammlung, die wegen der Pandemie virtuell abgehalten werden musste. Damit bestünde nicht die Gefahr, dass Kleinaktionäre Übernahmen durch Anfechtungsklagen verzögern oder behindern.

Branchenkenner sehen darin ein Signal, dass Springer möglicherweise ab nächstem Jahr größere Übernahmen tätig, wenn das Squeeze-out von der Hauptversammlung abgenickt wird. Ob Autoscout24 oder Ebay Kleinanzeigen – bislang hatten sich der Konzernchef sowie der US-Finanzinvestor KKR mit Akquisitionen zurückgehalten. Jetzt steht Springer in den Startlöchern. So sei das Medienunternehmen laut Döpfner „hungrig“ zu wachsen. Man denke nicht daran, sich auf der eigenen Geschichte auszuruhen.

Das laufende Geschäftsjahr 2020 ist vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt. Betroffen seien vor allem die Jobportale, da die Stellenangebote deutlich zurückgegangen seien. Im Bereich der Immobilienportale verzeichnete Springer Einbußen in den Lockdown-Phasen im Frühjahr, mittlerweile habe sich aber der Markt erholt. Im Bereich News Media sei das Bild ambivalent. Die digitalen Reichweiten hätten zugenommen, die Zahl der Digitalabos seien gestiegen. „Journalismus ist so relevant wie nie“, so Döpfner. Allerdings sei das Werbegeschäft zurückgegangen. Profitiert von der Pandemie hätten die E-Commerce-Aktivitäten – darunter Idealo und Awin.  

In den ersten neun Monaten 2020 sank der Umsatz gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 6,4 Prozent auf rund 2,10 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA sank bis zum 30. September um elf Prozent. Fürs Gesamtjahr rechnet Döpfner mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro, der sich damit leicht unter dem Vorjahr bewegen wird. Das bereinigte EBITDA solle bei rund 500 Millionen Euro liegen.

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