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Wochenrückblick

Nur einmal so twittern wie Christian Drosten

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Der Virologe Hendrik Streeck würde vielleicht gerne twittern wie Christian Drosten, macht dann aber doch nur PR wie Tom Buhrow. Sandra Maischbergers Podcast ist nicht mehr exklusiv bei Spotify. Über die ARD-Themenwoche wird gemeckert. Und plötzlich finden Feuilletonisten Markus Lanz toll. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Virologen und Medien – da steckt in einer hoffentlich Pandemie-freien Zukunft Material für eine Studienarbeit in der Kommunikationsforschung drin. Diese Woche kam die „News“, dass der Top-Virologe Hendrik Streeck nunmehr die PR-Agentur des früheren Sky-Managers Wolfram Winter in Anspruch nimmt. Die wuv schreibt dazu: „Aus dem medialen Desaster um die Heinsberg-Studie und Storymachine hat Hendrik Streeck, wie er selbst sagt, viel gelernt.“ Wie er sagt … Offensichtlich hat er in Wahrheit gar nix gelernt, sonst würde er nicht gleich wieder die nächste PR-Butze beauftragen. Streeck sollte bei seinem „Arch-Nemesis“ Christian Drosten in Twitter-Nachhilfe gehen. Drosten bügelte in der Woche ganz ohne PR-Sidekicks zuerst die Bild und dann einen renitenten Professor auf Twitter ab. Statt „Twittern wie Drosten“ macht Streeck also lieber „PR wie Tom Buhrow“, wie Stefan Niggemeier twitterte. Böse, aber treffend.

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Der exklusive Spotify-Podcast mit Sandra Maischberger ist nicht mehr exklusiv. Das „Spotify Original“ ist nun auch in der ARD Audiothek erhältlich. In der dazugehörigen Pressemitteilung wird vielsagend darauf verwiesen, dass der WDR ja die „Heimatanstalt“ von Frau Maischbergers TV-Sendung ist. Das hat man beim WDR wohl nicht so ganz super gefunden: Sich von Beitragsgeldern bezahlen lassen und dann beim Streaming-Schweden Exklusiv-Deals abschließen. Offiziell ist natürlich alles Friede, Freude, Eierkuchen. Sandra Maischberger: „Ich freue mich, dass es gelungen ist, mit Spotify und der ARD Audiothek ein breit gefächertes Publikum zu finden.“ Und so prangt neben dem Spotify-Logo nun auch das der ARD auf dem Podcast-Cover. Alle sind mega-happy. Hätte man auch gleich drauf kommen können.

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In Social Media sind mir einige Meckereien über die ARD-Themenwoche „Wie wollen wir leben?“ untergekommen. Manchereiner fühlt sich klimamäßig indoktriniert und bevormundet. Angesichts eines moralin-übersäuerten TV-Stücks wie dem unsäglichen „Ökozid“, in dem die Bundesrepublik um Jahr 2034 wegen Versäumnissen in der Klimapolitik vor Gericht gestellt wird, kann man das vielleicht ansatzweise nachvollziehen. Vieles an der Kritik ist aber auch reflexhaft. Keiner wird bestreiten wollen, dass der Klimawandel ein ernsthaftes und gewaltiges Problem darstellt. Um solche Probleme zu wälzen, dafür ist der gute, alte ÖR halt nun einmal auch da. Und wenn man sich dann künstlich darüber erregt, dass die ARD auf Twitter mit „Was ist dir wichtiger? Eigene Kinder oder die Ressourcen der Erde?“ Ja mei. Es ist halt zu-ge-spitzt …

Den öden „Ökozid“ muss man deswegen noch lange nicht gut finden.

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Was ist eigentlich aus der Medien-Tradition des Lanz-Bashings geworden? Der Lieblingstalker der deutschen Hausfrau durfte Barack Obama zum Verkaufsstart seiner Autobiografie befragen. Die Haltungs-Noten in den Medien sind durchweg top. „Einen besseren Gesprächspartner hätte er zu diesem Zweck in Deutschland wohl kaum finden können“, urteilt der Spiegel über Lanz. Die FAZ bezeichnet Lanz als „den geübtesten Fragesteller des deutschen Fernsehens“. Die Welt: „Markus Lanz ist es am Donnerstagabend gelungen, wieder mehr Relevanz in die TV-Debatten zu bringen.“ Und sogar Ur-Grantler Willi Winkler muss in der Süddeutschen zugeben: „Es gibt wahrlich größere Verbrechen, als sich in Barack Obama zu verlieben.“ Jetzt fehlt Lanz zu seinem Glück nur noch ein eigener Podcast!

Schönes Wochenende!

PS: Wir haben schon einen Podcast, die Medien-Woche. Da spreche ich mit Kollege Christian Meier von der Welt über die TV-Now-Show „Täglich frisch geröstet “ (sie ist sehr schlecht) und die neue Kuschelei zwischen RTL und der Telekom. Außerdem geht es um die wackelnde Erhöhung des Rundfunkbeitrags, darum, dass OMR jetzt auch Video-Dokus produziert und Buzzfeed Sex-Spielzeug lizensiert. Bunte Medienwelt. Es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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