Anzeige

Vorgehen sei "nicht akzeptabel"

BDZV und VDZ kritisieren Gesundheitsministerium

Hauptgeschäftsführer des BDZV Dietmar Wolff – Foto: BDZV

Das Gesundheitsportal des Gesundheitsministeriums soll zentrale Anlaufstelle für Bürger rund um das Thema Gesundheit und Pflege sein. Verbreitet wird es vor allem durch Google. Das sei „nicht akzeptabel“, findet der BDZV. Auch der VDZ kritisiert das Ministerium scharf.

Anzeige

Seit dem 1. September ist unter www.gesund.bund.de das neue Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit erreichbar. Es soll Bürger über die Themen Gesundheit und Pflege aufklären – neben Infektionskrankheiten oder Krebs spielt auch Corona dort eine große Rolle.

Google rankt zuerst die Ergebnisse des Gesundheitsportals

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Gerade die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig seriöse Gesundheitsinformationen sind.“ Bis dahin würden der BDZV und VDZ sicherlich noch zustimmen. Weiter im Statement des Ministers heißt es allerdings, wer Gesundheit googelt, „soll künftig auf dem Nationalen Gesundheitsportal landen.“ Durch die Kooperation werden Suchergebnisse des Portals über die Angebote von Zeitungen oder Zeitschriften gestellt.

Durch die Kooperation mit Google stärke das Ministerium „die quasimonopolistische Stellung des Suchmaschinenkonzerns zu Lasten kleinerer Anbieter“, so der Hauptgeschäftsführer des BDZV Dietmar Wolff. In der Corona-Pandemie hätten Zeitungen „mindestens genauso verlässlich wie das vom Gesundheitsministerium finanzierte Gesundheitsportal“ informiert.

„Eingriff in den freien Pressemarkt“

Auch der VDZ geht scharf mit dem Ministerium in die Kritik: „Schon dass ein Bundesministerium überhaupt ein eigenes Fachmedium mit vollwertiger redaktioneller Berichterstattung über Gesundheitsfragen betreibt, ist mit der Staatsfreiheit der Medien nicht vereinbar und ein unannehmbarer Eingriff in den freien Pressemarkt, der sich nach wirtschaftlichen Grundsätzen finanzieren muss“, erklärte Dr. Rudolf Thiemann, Präsident der Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Der Vizepräsident des VDZ, Philipp Welte, ergänzte: „Die Kooperation des Gesundheitsministeriums mit Google versetzt der freien journalistischen Gesundheitsinformation einen schweren Schlag und ist nicht zu tolerieren. Das Ministerium setzt sich als staatlicher Sender mit der Unterstützung des Suchmonopols von Google unabhängig von jeder inhaltlichen Qualität vor die journalistischen Angebote der freien Presse. Das Ministerium deklassiert die freien marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsportale und setzt alle Mechanismen der freien Information und damit der freien Meinungsbildung in unserer Demokratie außer Kraft.“

Seit 1954 vertritt der BZDV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V.) die Interessen der Verlage. Laut Eigenaussage zählen 286 Tageszeitungen und 13 Wochenzeitungen zum Verband. Das bekannteste Mitglied ist der der Verlag Axel Springer, zu dem unter anderem die Bild und Welt gehören.

Der VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) wurde 1929 gegründet und vertritt seitdem die Interessen der Zeitschriftenverlage. Zum Verband gehören laut Eigenaussage rund 500 Verlage, die zusammen mehr als 6.000 Zeitschriftenmarken verlegen.

ls

Anzeige