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Gastbeitrag

Wenn einer 2020 einen Award verdient, dann der GWA

Thomas Strerath – Foto: Jung von Matt

Was wird für die Werbebranche bleiben vom Corona-Jahr 2020? Thomas Strerath von Mediamonks blickt in einem Gastbeitrag für MEEDIA zurück auf die Höhen und Tiefen eines besonderen Jahres. Und findet einen klaren Gewinner.

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2020 wird als das Corona-Jahr in die Annalen eingehen. Corona als Fast-Forward-Button für Digitalisierung, Staatshilfen, Pleiten, als Raison d’Être für Maskenwerbung, Lockdown, Lockdown light, als Treiber von Homeoffice oder No-Office, New Work or no work, abstürzenden Umsätzen, unmöglichen Planungen, OMR oder not, kein Cannes, und Volker fragt fleißig weiter.

Die zum Jahresende beliebte Rückbesinnung und die damit aufkommende Frage, wer denn das Jahr in besonderer Weise geprägt hat, lässt sich daher diesmal mit Covid 19 beantworten. Der Virus wird uns zwar auch noch im kommenden Jahr beschäftigen, wird aber mit der Zahl 2020 auf immer verbunden sein.

Aber wer oder was war denn noch prägend? Was ist die Geschichte des Jahres? Die Redakteure der Fachmedien werden sich darüber schon den Kopf zerbrechen (Anmerkung der MEEDIA-Redaktion: Ja, tun wir). Die üblichen Listen der Top 5, der Medialeaders, der Women to watch, die 40 under 40s und die 100-wichtigsten-Überhaupt müssen gefüllt werden. Am Ende soll vielleicht noch eine Agentur des Jahres gekürt werden. Aber kann das sein — in einem Jahr, in dem alles anders war? 

Natürlich sticht Scholz & Friends heraus: Drei goldene Effies, Platz 1 in den unvollständigen Kreativ-Excellisten, vor allem aber erfolgreich in den großen Ausschreibungen — McDonald’s gewonnen, Sparkasse gewonnen, da muss man einfach Respekt zollen. Aber einen Award? Dafür lastet ein anders großes Thema des Jahres doch zu sehr auf der Agentur: Diversity und Gleichstellung. Und egal, wie man zur Aufarbeitung des Berichts der Zeit über den sogenannten Sexismus-Skandal steht, Scholz ist in 2020 eben auch zum Gesicht eines branchenübergreifenden Problems geworden.

Aber vielleicht ist es auch gut, in einem Jahr, in dem alles anders war, mal an ganz andere Spieler zu denken, in ganz andere Ecken schauen. Und mehr als jede Agentur sticht da der Verband der Agenturen ins Auge, der GWA. Denn Verbände sind per se erstmal unverdächtig, sich in Krisen hervorzutun, besonders leistungsfähig zu erscheinen oder Leuchttürme zu setzen. All das aber hat der GWA in 2020 geschafft. Und dies über die Grenzen seines eigentlichen Auftrags hinaus.

Der Leuchtturm des GWAs, der deutschen Marketingszene, ist der Effie. Auch er war bedroht, ein Opfer der Corona-Kostensenkungsmaßnahmen der Agenturen zu werden. Anders als der ADC waren seine Einreichungen erst nach Beginn der Krise fällig. Doch der mutige Entschluss, keine Einreichungsgebühren zu berechnen, zahlte sich aus: Während viele Awards (wie die Cannes Lions) sich selbst aufs nächste Jahr verschieben, ist 2020 für den Effie ein Rekordjahr: in Einreichungen, Finalisten und Medaillen. 

Auch das Thema Diversität hat der GWA schnell angepackt und ihm auf höchster Ebene ein eigenes Vorstandsressort eingeräumt, während man gleichzeitig an der wissenschaftlichen Basis arbeit. Man ist in Berlin an allen politischen Debatten beteiligt, von New Work bis Corona-Hilfen; der GWA wird nicht nur gehört, er wird mittlerweile gefragt. Die politische Ambition wird durch tatkräftige Hilfe ergänzt, nicht zuletzt durch Martin Bonelli in Rechtsfragen rund um Corona-Regelungen. Und Mirko Kaminski schulte hunderte Agenturen in ihrer Eigenkommunikation, nach der Rechtshilfe das zweitbeliebteste Verbandsangebot.

Der GWA ging aber noch einen Schritt weiter: Er öffnete diese Leistungen allen Agenturen, auch jenen, die nicht Mitglied sind. Führte der Vorstand noch vor Jahren eitle Diskussionen, wer überhaupt Mitglied sein darf, hat der jetzige Vorstand sich allen geöffnet. Mit teilweise über 2.000 Anmeldungen für die Online-Angebote lässt er die Bedeutungsgrenzen eines Verbands weit hinter sich, der noch vor wenigen Jahren die nicht verzehrten Schnittchen auf seinen Veranstaltungen als doggy-bags mitgeben konnte.

Auch das zahlt sich aus. Im vielleicht schwierigsten Jahr seines Bestehens verzeichnet der GWA keinen einzigen Austritt. Im Gegenteil, acht Agenturen sind ihm 2020 eingetreten. Der GWA hat gegen den Trend agiert, mit Mut, mit Klarheit, mit konkreten Hilfen. Und mit einem Vorstand, in dem Eitelkeiten wenig Platz zu haben scheinen, mit einem Vorstand, der miteinander arbeitet. Wie eine moderne Agenturführung. Er arbeitet nicht isoliert, sondern mit seinen Mitgliedern und mit Nicht-Mitgliedern. Wie eine Plattform. Vielleicht ist 2020 nicht nur ein besonders schwieriges Jahr, sondern auch ein Jahr, in dem alle Agenturen zusammen mehr besonderes geleistet haben als eine einzelne Agentur für sich genommen.

Hätte ich einen Award zu vergeben, er würde in diesem so schwierigen Jahr 2020 an den GWA, seinen Vorstand und seine Mitglieder gehen.


Thomas Strerath führt zusammen mit Till Eckel die BMW-Agentur Mediamonks. Davor war er u.a. als selbstständiger Berater, Vorstand von Jung von Matt und Ogilvy tätig. Er gilt als einer der profiliertesten Meinungsführer der deutschen Kreativbranche.

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