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Corinna Garschke

„Garschke, raus – und zwar sofort!“

Corinna Garschke – Foto: Mediaplus

Die Azubis halten zusammen und wollen so Arbeit sparen. Als der Chef das herausfindet, dreht er den Spieß um – und wie. Corinna Garschke erzählt von ihrer Ausbildung zur Werbekauffrau.

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Ich war zarte 19 Jahre alt und noch recht frisch in der Ausbildung zur Werbekauffrau bei einem Motorrad-Vertrieb. Und wenn es nach dem damaligen CEO gegangen wäre, hätte ich die Probezeit nicht überstanden. Herr Schneider* war der festen Überzeugung, dass sich ausnahmslos alle Mitarbeiter eines Handelsunternehmens auch im Vertrieb auskennen sollten. Immer und immer wieder mussten wir Azubis uns also mittels Präsentationen im Verkaufen üben.

Gewieft wie wir waren, sprachen wir uns ab, wer die Präsentation wann vorbereitete, um einander Arbeit zu sparen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Als der Chef das mitbekam, änderte er von einem auf den anderen Tag die Taktik. Er ging die Namensliste – beginnend bei „A“ – durch, doch niemand hatte etwas vorbereitet. Alle verneinten mit gesenktem Kopf. Als der immer röter werdende Herr Schneider bei „G“ ankam, ging ich dazwischen. Er brauche mich gar nicht aufrufen, ich hätte die Präsentation sowieso nicht. Wütend, aber sachlich verwies er mich des Raums. Doch das Verhängnis holte mich direkt am nächsten Morgen ein: mit sofortiger Wirkung gekündigt, zwei Tage vor Ende der Probezeit … Ich sei die arroganteste Auszubildende, die er je gehabt habe, so seine Einschätzung.

Doch ich hatte Glück: Meine Abteilung kämpfte – ich durfte bleiben. Zur Strafe musste ich jedoch erstmal zwei Monate im Lager schuften. Um 7 Uhr am Band stehen und Pakete kommissionieren. Die Wochen am Band brachte ich hinter mich, einziger Wermutstropfen: der Eintrag in die Personalakte und weitere drei Monate Probezeit.

Wie ich die Ausbildung überstanden habe? Es gab ein Happy End: Denn zwischen Herrn Schneider und mir lief die Zusammenarbeit irgendwann so gut, dass er mich bei der Bild als „Azubi des Jahres” vorschlug. Mein Stipendium durfte ich dann bei einem Sprachkurs an Sydneys Bondi Beach genießen. Man merke: Man sollte die Flinte nie zu früh ins Korn werfen.

*Name von der Verfasserin geändert

Corinna Garschke ist Senior Projektmanager People Operations bei der Mediaplus Gruppe.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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