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"Wir standen kurz vor dem Bankrott"

Wie sich das Verlagshaus DuMont vor der Pleite rettete

Isabella Neven DuMont – Foto: Imago / Sven Simon

Das Kölner Verlagshaus DuMont stand durch massive Zukäufe im Zeitungsgeschäft vor Jahren vor dem finanziellen Ruin. Dies erklärte die Verlegerin Isabella Neven DuMont in einem Magazinbericht. Der Verkauf unter anderem von „Berliner Zeitung“ und „Hamburger Morgenpost“ war ein Befreiungsschlag, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

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Die Verlegerin Isabella Neven DuMont hat von ihrem Vater Alfred ein schweres Erben übernommen. Das Kölner Medienunternehmen DuMont stand vor einem Jahrzehnt offenbar kurz vor der Pleite. Grund waren die massiven Zukäufe im Zeitungsgeschäft von Frankfurter Rundschau bis Berliner Zeitung, die dem Unternehmen finanziell fast das Genick gebrochen hätten. „Als ich vor fast zehn Jahren in die DuMont-Führung eingestiegen bin, war die Ausgangslage alarmierend: Von außen betrachtet war das Image zwar gut, das Unternehmen aber substanziell krank und geschwächt“, erklärt die Verlegerin in einem Interview mit dem Branchendienst Kress Pro. Und fügt hinzu: „Wir standen kurz vor dem Bankrott und hatten keine Zukunftsperspektive, auch nicht im Journalismus“. Als Grund nennt die Geschäftsfrau vor allem das Zeitungsgeschäft. „Die Ursachen waren: eine Fehleinschätzung über die Zukunft der Frankfurter Rundschau, der Berliner Zeitung und der Hamburger Morgenpost, alte Modelle, die in der digitalen Transformationszeit nicht mehr zeitgemäß waren, sowie unglückliche Personalentscheidungen“. 

Die 2013 eingeleitete Restrukturierung war daher für das Unternehmen ein Befreiungsschlag. „Die Trennung zwischen Gesellschaftern und operativem Management für DuMont eine harte, aber lebensrettende Zäsur. Das zeigte die 2014 eingeleitete Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens mit einem konsequenten Digitalisierungskonzept und einem klar durchdachten Diversifikationsplan“, so Neven DuMont. Der Verkauf des Zeitungsgeschäfts war ein wichtiger Schritt, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.  „Die Kurskorrektur fordert uns alle, hat aber auch gezeigt, dass sie richtig war. Aus dem Strategiewechsel resultierte die Überprüfung des Bereiches Regionalmedien und der daraus abgeleitete Verkaufsprozess. Das war ein schwieriger Schritt. Diese Entscheidung hat DuMont aber das Überleben gesichert“, so Neven DuMont. Damit habe der Verlag die Grundlage gelegt, um ein digitales, diversifiziertes und zukunftsfähiges Medienunternehmen zu schaffen.

Den Verkaufsprozess sieht sie als gelungen an. „Natürlich tut mir das als Verlegerin weh, aber wir haben alles in Hände verkauft, bei denen wir zum Zeitpunkt des Verkaufs absolut überzeugt waren, dass es für die Zeitung und die Menschen, die dahinterstehen, der richtige Schritt ist“, so die Firmenchefin. DuMont hatte die Berliner Zeitung an den IT-Unternehmer Holger Friedrich veräußert, der kurz nach der Übernahme mit seiner Stasi-Vergangenheit für Schlagzeilen sorgte. Die Mitteldeutsche Zeitung in Halle übernahm der Bauer-Verlag, die Hamburger Morgenpost ging an den früheren Xing-Manager Arist von Harpe.

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