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Bla, Blasberg

Programm der Öffentlich-Rechtlichen: Bedeutung null, Inhalt null, Sendezeit viel

Kai Blasberg – Zeichnung: Bertil Brahm

Die Pandemie fordert die einen mehr als andere. Und die Öffentlich-Rechtlichen beweisen einmal mehr, dass ihr Programm sträflicher Stumpfsinn ist.

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Während wir in der ersten Phase der Abwehr von Corona derart erfolgreich waren, dass die vor der Überlastung zu schützenden Krankenhäuser Kurzarbeit anmelden mussten, machen wir es in Phase zwei anders: Wir Deutsche, obwohl postuliert meisterlich gut, besinnen uns auf unsere wahre Stärke und fallen in die Königsdisziplin des Jammerns zurück, denn nur im Heuaufguss der wahrhaft miesen Laune fühlen wir uns so richtig wohl. Die Häuptlinge des Anstachelns selbiger scheinen Klischees als Wahrheit umbenennen zu wollen. Die Prostata meldet sich länger schon quälend größer werdend, die eigene Bedeutung schrumpft reziprok dazu, man ist es besser-wissend und findet immer Kanäle, es zu proklamieren. Sie heißen Nuhr, Steingart, Jörges. 

Die Namensliste wächst täglich. Alle haben gemeinsam: männlich, älter, privilegiert; lauter werdend bei schwindendem Einfluss; unfähig, sich zu ändern. So weit. So beschissen. So egal. Weil privat. Anders ist es bei Medienvertretern, die allerbestens alimentiert im Auftrag aller gesetzlichen Pflichten nachzukommen haben. Kurz öffentlich rechtlicher Rundfunk genannt. Und nein: Das ist kein Bashing, es ist inhaltliche Kritik. Ein paar Beispiele gefällig?

Was darf man noch sagen? mit Jürgen von der Lippe.

Antwort: alles.

Sendung: Hart aber fair.

Erkenntnis: Null.

Keine Angst vor Corona – hat Trump Recht? mit Julian Nida-Rümelin

Antwort: Nein!

Sendung: Maybrit Illner

Erkenntnis: NULL.

Markus Lanz mit Markus Lanz und Gästen

Antwort: eine Dumpfbacke namens Tina Chittom von den Republicans Overseas

Sendung: siehe oben.

Erkenntnis: Oh my god!

Stopp? Sie denken: Hä? Sie haben recht. Hä? 

Jürgen von der Lippe lebt noch? Julian Nida-Rümelin kennt Donald Trump? Who the Fuck is Tina Chittom? Und was bitte Republicans Overseas? Nochmal Stopp: Letztere hatten tags zuvor ein halbstündiges Sinnfrei-Gespräch beim ebenfalls abgabenfinanzierten Deutschlandfunk. Hier übrigens nicht zum ersten Mal. Was das ist: eine PR-Organisation der von Steinreichen Geldgebern finanzierten Republikaner außerhalb Amerikas. Bedeutung null. Inhalt null. Sendezeit viel. Da die den Prozessen des Markts enthobenen Rundfunkanstalten keinerlei wirtschaftlichem Druck unterliegen – außer dem selbstgemachten – sollten sie bitte jetzt aufhören, nach vermuteten Einschaltquoten zu programmieren. All diese Themen sind quotenheischend, irrelevant, die Gäste unpassend und die Tiefe bei null.

Das deutsche Volk ist alt. Es muss nicht noch doof werden

Helmut Thoma sagte einmal: Im Seichten kann man nicht ertrinken. Er war Chef von RTL. Schon da war das falsch. Wir, die wir uns das teuerste Rundfunksystem der Welt leisten, die wir zulassen (müssen), dass zahllose Sender in Dauerschleifen alle Tatorte zeitgleich wiederholen, Bares für Rares überall gefolgt von Inspektor Barnaby und Wilsberg den Wettbewerb verzerrt und ein Durchschnittsalter von 65 als Verjüngungskur gefeiert wird, wir haben mehr verdient als dieses Programm. Der Sendeplatz von Anne Will gehörte bei identischem Sendekonzept davor Günther Jauch, davor, klingt komisch, Anne Will, davor Sabine Christiansen. Seit 22 Jahren. Ende unabsehbar. Markus Lanz unterbricht seine Gäste seit mehr als einem dutzend Jahren, Maischberger war gefühlt immer und überall schon mal talkend da, und Frau Illner ist seit mehr als zwei Dekaden immersüßkokettfrechfransigfrisiert. Und über meinen fast-Namensvetter lege ich sowieso den Mantel des Schweigens.

Da die Tochter des steinernen Wolfgang Schäuble jetzt dem blassen Volker Herres nachfolgt: Ändert es! Ändert euch. Ändert alles. Das deutsche Volk ist schon alt. Es muss nicht auch noch doof werden. Und um die Frage aus der Headline zu beantworten: Nein! Nie! Zu keiner Frage! Jemals!


Kai Blasberg war Geschäftsführer von Tele 5, vermarktet jetzt Rinder und macht am liebsten das, was ihm selbst gefällt. Meinungen verzapfen etwa.

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