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Markus Mayr

„Holen Sie das zurück!“

Markus Mayr

Fehler sind nie schön. Besonders doof aber sind sie an entscheidenden Stellen in Bilanz-Pressemitteilungen. Jedenfalls dann, wenn sie erst nach dem Verschicken entdeckt werden.

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„Holen Sie das zurück!“, ist ein Satz, den man als PRler eher ungern hört. Mir ist dies vor knapp 20 Jahren passiert, als ich in einem großen internationalen Unternehmen als Student tätig war. Es war der große Tag des Pressesprechers: Bilanzpressekonferenz, die Hütte voll, der CEO präsentiert Zahlen, Daten, Fakten. Wie so oft – auch heute noch – ist die Pressemeldung in solchen Zeiten ein lebendes Dokument. Was allerdings damals hieß, dass Version „PM Bilanz-PK Version 3_draft_final_wirklichfinal_abgestimmt” nicht unbedingt auch das endgültige Dokument ist, wenn zehn Vorstände sich darum bemühen.

Und so dauerte es eine Weile, bis ich damit beauftragt wurde, die dreiseitige Meldung an mehr als hundert Pressekontakte zu verschicken. Leider war damals die E-Mail noch wenig verbreitet. Stattdessen stand das 70 Kilo schwere Faxgerät zur Verfügung. Was bedeutete, dass jeder personalisierte Ausdruck individuell angepasst werden musste. #Serienbrief … Aufpassen war also angesagt: Name muss zu Nummer passen und bloß nicht vertippen!

Nach etwa 90 Minuten war die Qual endlich vorbei. Dachte ich. Bis mich dann ein Aufschrei aus dem Vorstandsbüro zurück in die Wirklichkeit holte. „2 Millionen Euro Umsatz?!?! 2 Milliarden muss da stehen!“

In meinem Hirn flackerten Sätze wie „Nicht den Boten schlagen“ auf, allerdings schien es, als müssten Köpfe rollen angesichts dieses Fauxpas. Und dann der Befehl zum Wunderwirken: „Holen Sie das zurück!“ Heute weiß ich, dass Schulterzucken im Angesicht des Todes nicht zu den Überlebensstrategien gehört. Da aber anscheinend niemand das Faxgerät bedienen konnte, durfte ich ohne große Schmerzen den Raum wieder verlassen und eine Korrektur verschicken. Wieder an alle Journalisten. Wieder per Fax … Wenn ich heute mit Kunden über Google Docs, Slack oder Teams kommuniziere und an jene Episode zurückdenke, freue ich darüber, wie einfach wir es inzwischen haben.

Übrigens: Eine Woche nach der „Bilanz-Katastrophe“ wurde der Versand von Pressemeldungen auf Mails umgestellt. Digitale Transformation kann so einfach sein.

Markus Mayr ist Gründer und Inhaber von Mayr PR.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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