Anzeige

Leitartikel

Döpfners neue Rolle ist kein Erfolgsgarant für Springer

Mathias Döpfner und Friede Springer – Foto: Imago

Friede Springer macht Mathias Döpfner zu ihrem Firmenerben. Damit ist jedoch nicht sicher, ob sie das Berliner Verlagshaus in eine sichere Zukunft steuert.

Anzeige

Vor 13 Jahren erlebt Mathias Döpfner seinen beruflichen Gau. Kaum hat er sich bei dem Postdienstleister Pin engagiert, beschließt der Bundestag den Mindestlohn für Briefträger einzuführen. Döpfners Träume, eine weitere Ertragssäule neben dem bröcklenden Printgeschäft aufzubauen, zerplatzten im Nu und werden zu einem Finanzdebakel für den Bild-Herausgeber. Die Pin AG meldet Insolvenz an. Rund 620 Springer-Millionen lösen sich in Luft auf. 

Döpfners neue Rolle als Unternehmer ist kein Erfolgsgarant für Springer, meint Gregory Lipinski. Illu: Bertil Brahm

Viele Vorstandschefs wären nach so einem Desaster gefeuert worden. Doch Großaktionärin Friede Springer hält an ihrem Firmenchef fest – bis heute. Jetzt gibt sie ihm sogar noch mehr Macht in die Hände und schenkt dem studierten Musikwissenschaftler Anteile an dem Medienriesen für rund 1 Mrd. Euro, sodass Döpfner zu einem der größten Aktionäre des Zeitungshauses aufsteigt. Damit glaubt sie, dass von ihrem verstorbenen Mann Axel Cäsar Springer gegründete Medienimperium sei in sicheren Händen. Ob ihr Kalkül aufgeht, ist fraglich. Auch wenn Döpfner in den vergangenen Jahren behutsam agierte: In seiner neuen Rolle als mächtiger Miteigentümer wird es kein Selbstläufer, das Unternehmen zum Weltmarktführer im digitalen Journalismus und Rubrikengeschäft auszubauen.

Der Grund: Die Corona-Krise macht ihm derzeit einen Strich durch die Rechnung. Vor allem das Rubrikengeschäft gerät durch die Pandemie unter Druck. Zu unsicher die Prognosen, wie sich die Geschäftsmodelle für Immobilien-, Job- oder Autobörsen entwickeln. Ein milliardenschwerer Zukauf bei einem Onlinedienst à la Autoscout wäre derzeit ein Wagnis. Und auch im digitalen Journalismus sieht es alles andere als rosig aus. Geeignete globale Kandidaten vom Rang einer „New York Times“, die attraktive Wachstumskurven mit ihrem digitalen Geschäftsmodellen versprechen? Kaum sichtbar. Die ersten Paid-Content-Ansätze schlagen sich immer noch zu gering in den Ertragsrechnungen vieler Medienhäuser nieder. Und die Nachrichtenagentur Reuters, die als Übernahmekandidat galt, scheint in weite Ferne zu rücken.

KKR wird das ärgern. Denn der Großaktionär aus Manhattan erwartet, dass – auch ohne Börsennotierung – die jährlichen Renditezahlen bei den Berlinern stimmen. Das sind sie ihren Investoren schuldig. Damit besteht aber die Gefahr, dass die Amerikaner Druck auf Döpfner ausüben, das Haus schneller auf Effizienz zu trimmen. Leidtragende wären die publizistischen Flaggschiffe „Bild“ und „Welt“. Vor allem die defizitäre Welt-Gruppe hat KKR seit Längerem auf dem Kicker. Hier hatten die Amerikaner bei der Übernahme bereits einen Passus ins Vertragswerk aufgenommen, der für das Blatt keine Bestandsgarantie auf Lebenszeit vorsah.

Alles in allem – der frisch gebackene Unternehmer Döpfner steht vor gewaltigen Aufgaben. Mit einem Unterschied: Sollten seine Expansionsträume nicht in Erfüllung gehen, merkt er dies nun am eigenen Geldbeutel. Beim einstigen Ausflug ins Postgeschäft hatte er Glück. Da wurden Friede Springer und die restlichen Aktionäre zur Kasse gebeten. 

Anzeige