Anzeige

Road to DMexco

Apple setzt auf Augmented Reality

Greg Joswiak teilt AR-Logo

Steht das Apple-Event am 15. September im Zeichen von Augmented Reality? (Bild: Sreenshot / Twitter)

Am 15. September um 19 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startet Apple die Übertragung seiner traditionellen Herbst-Show. Eigentlich geht es um neue Apple Watches und ein neues iPad. Experten vermuten aber, dass neue Entwicklungen im Bereich Augmented Reality der eigentliche Aufreger sein werden.

Anzeige

Wenn Greg Joswiak tweetet, schauen nicht nur „Apple-Jünger“ genau hin. Der Marketing-Chef des Technologieriesen ist halt keiner der vielen spekulierenden Leaker, die aus dem Vogelflug zu lesen versuchen, was Apple wohl als Nächstes ankündigen oder veröffentlichen wird. Greg Joswiak tweetet dann, wenn etwas wirklich kommt. Und das war letzte Woche Augmented Reality.

Joswiak hat ein Video geteilt, dass das Logo des am 15. September anstehenden Apple-Events frei fliegend vor dem Gebäude der Unternehmenszentrale in Cupertino zeigt. US-Journalisten berichten, dass ihnen am Freitag etwas Ähnliches ins Postfach geflattert ist, nur ließ sich das Logo in jedes Livebild integrieren, das die Kamera des jeweiligen Smartphones gerade erfasste: Augmented Reality (AR).

Schon seit Jahren arbeitet Apple daran, AR immer tiefer in die Hardware zu integrieren und somit zu einem nativen Kommunikationsmittel zu machen. Doch AR fristete ein Schattendasein, weil es zu wenige Anwendungsfelder gibt, in denen die Technologie wirklich Nutzen stiftet und gleichzeitig Reichweite erzielt. Im professionellen Kontext ist die Überblendung von digitalen und echten Bildern längst zum Standard geworden, etwa bei der Wartung von Maschinen und Flugzeugtriebwerken. Doch im Privatsektor hing die Technologie bei den Inneneinrichtern fest, die mit Hilfe von AR virtuell Möbel in ein bestehendes Wohnzimmer einblenden können. Keine Firma wurde so oft als Anwendungsfall für AR vorgezeigt wie IKEA.

Das hat sich in den letzten drei Jahren massiv geändert. Snapchat nannte seine AR-Funktion „Lenses“ und machte es seinen Nutzern extrem leicht, sich virtuell Pappnasen aufzukleben oder das eigene Portrait mit einem Glitzerregen zu verschönern. Das Format gilt als eine der besten Möglichkeiten, um möglichst viel Interaktion mit eigenen Social Media Inhalten auszulösen.

Das erkannten auch die Social Media Teams der Marken für sich. BMW launchte 2017 als einer der ersten Business-Kunden bei Snapchat einen Filter für den BMW X2 schon bevor das Auto am Markt war. Und man erhielt so virtuelle „Bilder“ von diesem Auto aus allen erdenklichen Winkeln der Welt, obwohl es das Fahrzeug noch gar nicht gab.

Inzwischen verkauft Snapchat die besten Platzierungen in der Filtergalerie so, wie Google seine ersten Suchergebnisse meistbietend unters Volk bringt. Von diesem Ansatz „inspiriert“ zogen Facebook und Instagram mit dem Spark Studio nach. Ach darin lassen sich mit wenigen Handgriffen AR-Inhalte live stellen, nur braucht die Marketing-Abteilung plötzlich Zugriff auf 3D-Daten, was sich als echter Flaschenhals erwies.

Gelungene Beispiele für Augmented Reality im Marketing-Einsatz gibt es inzwischen zuhauf. M.A.C Cosmetics zeigte auf Youtube einen Prototyp eines Split-Screen-Tutorials. Oben im Bild war die Kosmetikerin zu sehen, die vormacht, wie es geht, unten konnten geneigte Kundinnen digitale Lippenstifte und Makeup in Augmented Reality ausprobieren.

Die Deutsche Tourismuszentrale brachte die schönsten deutschen Schlösser in die Wohnzimmer der Menschen, während die in Corona-Zeiten nicht reisen durften. Sony Pictures bewarb 2018 den Film Venom mit einer AR-Maske auf Snapchat. Die Maske reagierte auf den Abstand zwischen User und Kamera und schuf so einen fließenden Übergang zwischen den beiden Persönlichkeiten (Das Jekyll-and-Hyde-Prinzip). Und Ebay testete auch bereits shoppable AR auf Snapchat. User sollten Götzes WM-Tor nachstellen und wurden dann zu allerhand Fußball-Merchandise auf eBay weitergeleitet. Die Kampagne wurde von Jung von Matt umgesetzt.

Augmented Reality ist längst im Marketing angekommen. Nicht in den großen Flaggschiff-Kampagnen, aber bei den vielen kleinen taktischen Maßnahmen, die einer Kampagne zu mehr Reichweite verhelfen können. Auch die Medien experimentieren immer häufiger mit digitalen Zusatzinhalten für das Livebild.

Aber Augmented Reality hat auch ein sehr prominentes Opfer zu beklagen. Jahrelang richteten sich die Augen der Branche auf das mysteriöse Startup MagicLeap aus Florida, das versprach, eine technologische Revolution auszulösen. Herausgekommen ist eine AR-Brille. Die wurde zwar gut bewertet, doch man hatte sich weit mehr versprochen. Anfang dieses Jahres kündigte Magic Leap Massenentlassungen an und übte damit Druck auf die bestehenden Investoren wie Google oder Alibaba aus. In der Folge floss plötzlich mitten in der Corona-Krise neues Investorengeld. Die Vermutung liegt nahe, dass die bestehenden Geldgeber lieber die Anteile aufstockten, statt das Unternehmen sterben zu sehen.

Und genau in diesen Markt – der klar von Microsoft und seiner Hololens dominiert wird – möchte Apple nun einsteigen. Das ist die zweite Vermutung der US-Chronisten. Dass Apple an einer eigenen AR-Brille arbeitet ist weitgehend gesichert. Aber ob eine Ankündigung derselben noch in diesem Jahr erfolgt, wird sich eventuell morgen Nacht zeigen.

Anzeige