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Causa Yaghoobifarah

Schlechter Stil ist kein Fall für den Staatsanwalt

Eine Demonstrantin solidarisiert sich bei einer Black Lives Matter-Demonstration in Berlin mit der umstrittenen "taz"-Autorin Hengameh Yaghoobifarah, Foto: Imago Images / IPON

Laut der „taz“ bleibt die unsägliche Kolumne „All cops are berufsunfähig“ wohl ohne juristische Konsequenzen für die Autorin. Gut so: Auch Pöbel-Beiträge gehören von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die „taz“ täte aber gut daran, aus der Causa Hengameh Yaghoobifarah zu lernen.

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Mit ihrer Kolumne „All cops are berufsunfähig“ hatte die taz-Autorin Hengameh Yaghoobifarah im Juni eine heftige Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit losgetreten. Die war so heftig, dass es postwendend Morddrohungen gegen die Autorin gegeben haben soll. Ein Bericht des Focus, die Autorin hätte ausgerechnet die Polizei dann ihrerseits um Hilfe gebeten, wies Yaghoobifarah aber zurück. Dennoch illustriert dieser Fall gut, dass stumpfe Provokation zwar Aufmerksamkeit generiert, am Ende aber nur einen Teufelskreis in Gang setzt, der keine Gewinner kennt: weder die Autorin, noch die Polizei, noch die taz und auch nicht die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), die Strafanzeige wegen „Beleidigung“ und „Volksverhetzung“ gegen die Autorin gestellt hat.

MEEDIA-Redakteur Ben Krischke

Kein juristisches Nachspiel

Die Reaktion der Gewerkschaft war legitim. Was hätte sie auch tun sollen? Den unsäglichen Beitrag ignorieren? Wohl kaum. Nur eine empörte Pressemitteilung verschicken? Vielleicht. Aber in Zeiten, in denen Verfehlungen der amerikanischen Polizei eins zu eins auf Deutschland übertragen werden – was so schlicht nicht belegbar ist – steht eben auch die deutsche Polizei mit dem Rücken zur Wand. Da hilft mitunter wohl nur die Flucht nach vorne, auch, wenn es bei der Signalwirkung bleiben könnte.

Denn wie die taz nun schreibt, wird Yaghoobifarahs Text wohl kein juristisches Nachspiel für die Autorin haben (MEEDIA berichtete). Das mag ärgerlich sein für die vielen tausend Beamten da draußen, die mittlerweile in Stuttgart genauso zur Zielscheibe von angeblich desorientiertem „Partyvolk“ und linken wie rechten Extremisten werden wie in Leipzig und Berlin. Denn die Tritte und Flaschenwürfe aufgeputschter Kleingeister lassen sich mit Texten wie „All cops are berufsunfähig“ durchaus begründen; zumindest in der eigenen Parallelwelt, in der obskure Freund-Feind-Schemata identitätsstiftend sind. Mögen derlei Frontlinien auch noch so pubertär sein.

Dennoch ist die Presse- und Meinungsfreiheit ein zu hohes Gut, um sie ausgerechnet an einem geschmacklosen und doch äußerst uninspiriertem Pöbel-Beitrag wie „All cops are berufsunfähig“ zu verhandeln. Schlechter Stil in Kolumnen – und anderen Texten – ist eben kein Fall für den Staatsanwalt, sondern für die Chefredaktion. Die taz jedenfalls täte gut daran, aus der Causa Yaghoobifarah zu lernen – und künftig etwas genauer hinzusehen, wenn einer ihrer Autoren zur nächsten intellektuellen Talfahrt ansetzt. Schließlich gibt es bei der taz genügend Leute, die derlei besser wissen und können. Es muss ja nicht gleich die Müllhalde sein, um im Duktus zu bleiben. Der Papierkorb tut’s bisweilen auch.

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