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Ist LinkedIn das neue Facebook? Ja, aber …

Insa Heegner – Illustration: Bertil Brahm

Linkedin ist längst dabei, Facebook als Diskussionsplattform abzulösen. Doch auch der Algorithmus des Job-Netzwerks stößt jetzt an seine Grenzen.

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In meinem Netzwerk ist das Linkedin-Fieber ausgebrochen. Diskussionen über Linkedin, auf Linkedin und überall anders. Sind Sie, bist du schon Linkedinfluencer, oder arbeitest du noch daran? Natürlich habe ich mich anstecken lassen und wollte 2020 zu meinem Linkedin-Jahr machen – also zumindest bis Corona kam. Denn während Facebook zunehmend leerer wird und ich mir dort höchstens noch die Naturaufnahmen meiner Mutter ansehe – unterbrochen von Werbeposts und Newsbeiträgen – oder gezielt die Kommunikation in themenspezifischen Gruppen suche, finde ich auf Linkedin spannende Insights aus meiner Branche, Best Practice Beispiele, Updates aus meinem Netzwerk.

Natürlich erfüllen Facebook und Linkedin komplett unterschiedliche Zwecke, aber wo ich früher eher die Facebook App geöffnet hätte, ist es heute eben Linkedin.

50

Prozent

mehr Inhalte wurden im letzten Jahr auf Linkedin veröffentlicht

Dass das nicht nur mit meiner Wahrnehmung und der meines Umfelds zu tun hat, sondern ein Trend ist, der den Mainstream erreicht hat, zeigen die Zahlen, die das Tochterunternehmen von Microsoft regelmäßig veröffentlicht. Die Kernaussage: Die B2B-Plattform hat in den letzten Jahren einen enormen Wachstumsschub hingelegt. Alle sieben Sekunden wird über Linkedin laut eigenen Aussagen ein Job vermittelt, das macht sie zu einer der erfolgreichsten Jobvermittlungsplattformen der Welt. Viel spannender ist aber, an welchen Stellen die Plattform außerhalb der Jobvermittlung nachgelegt hat: Die Publishing-Funktionen und der stärkere Fokus auf Content haben nicht nur für das Thema CEO-Kommunikation, sondern auch die Möglichkeiten für Personal Branding eine komplett neue Spielwiese eröffnet, die fleißig genutzt wird. Die über 700 Millionen Mitglieder weltweit, davon mehr als 15 Millionen in der DACH-Region, publizieren was das Zeug hält: Die Zahl der veröffentlichten Inhalte stieg im letzten Jahr um 50 Prozent.

Doch Linkedin stößt, wie jede Plattform dieser Größe an Probleme: Wenn plötzlich alle posten, welche Updates sind für wen relevant? Möchte ich die neuesten News aus der Arbeitsschutzwelt in der Aluverarbeitung lesen? Sicher nicht. Möchte ich trotzdem erfahren, wenn mein Bekannter aus der Alu-Branche befördert wird? Ja, sicher! Wir alle wissen, was da Abhilfe schafft: ein Algorithmus! Doch was er uns auch immer wieder zeigt (Facebook, Twitter und Instagram lassen grüßen!): Wo ein Algorithmus ist, sind User, die versuchen diesen auszutricksen, weil sie sich um ihre Reichweite betrogen fühlen. Linkedin ist da keine Ausnahme.

Während die Plattformen gebetsmühlenartig über Relevanz für die Zielgruppe und passgenauen Content predigen, üben sich die User im Reaction-Baiting. Sie vertaggen wild ihre wichtigsten Kontakte und hoffen so auf die maximale Reichweite in ihrem so hart aufgebauten Netzwerk und darüber hinaus. Drück auf das Herz für „Du“, applaudiere für „Sie“ heißt es etwa unter einem Beitrag zum Thema Höflichkeitsform. Worin der Mehrwert dieser Art Umfragen besteht, bleibt zumindest für mich im Dunklen, aber dem Algorithmus wurde aufgrund der vielen Reaktionen erfolgreich vorgegaukelt, es ginge hier um ein wichtiges Themas. Zumindest so lang, bis er lernt, auch Reaction-Baiting zu erkennen als das, was es ist: ein fauler Trick.

Vielleicht sollten wir also einfach bei uns selbst anfangen – und wenn der Beitrag keinen Anklang findet, dann war er vielleicht einfach nicht so gut – soll’s ja auch geben.

„Linkedin ist keine Ausnahme“


Insa Heegner arbeitet tagsüber als Senior Account Managerin bei der Sportmarketingagentur Rapid Peaks. Hier schreibt sie über ihr Steckenpferd: Social Media, zu dem sie regelmäßig Offsite-Veranstaltungen organisiert.

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