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Gerangel um Rolle des Sprechers der Geschäftsführung

Führungskrise bei Funke muss schnell gelöst werden

Funke-Zentrale in Essen – © imago

Das Führungsgerangel lähmt die Funke Mediengruppe. Verlegerin Julia Becker sollte jetzt klare Verhältnisse schaffen und sagen, wie die künftige Machtverteilung in der Geschäftsführung aussieht. Sie schadet ansonsten dem Unternehmen und den Mitarbeitern.

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Der September ist für die Medienbranche ein wichtiger Monat. Die Vermarkter verhandeln mit den Werbetreibenden über die Budgets fürs nächsten Jahr. Diesmal sind die Gespräche besonders wichtig. Denn die Corona-Krise hat die Tageszeitungsbranche hart getroffen. Zeitweise sind die Werbeerlöse der Lokalblätter um fast 70 Prozent eingebrochen. Es ist deshalb notwendig, dass die Vermarkter ihre Medienhäuser im besten Lichte präsentieren. 

Das dürfte bei der Funke Mediengruppe schwer fallen. Denn bei dem Essener Printhaus schwelt seit Monaten ein Streit um die künftige Führungsspitze. Zwar steht inzwischen fest, dass der ehemalige Madsack-Manager Christoph Rüth die Nachfolge von Ove Saffe als Zeitungschef antritt. Doch Verlegerin Julia Becker soll dem ehemaligen Gruner + Jahr-Mann angeblich versprochen haben, ihn zum Sprecher der Geschäftsführung zu ernennen. Doch diesen Posten besitzt derzeit der frühere Bauer-Manager Andreas Schoo. Der dürfte wenig erfreut sein, dass Rüth nun das Sagen bekommt (MEEDIA berichtete). 

Die Situation wirkt verfahren – das tut dem Unternehmen nicht gut

Damit bahnt sich aber eine handfeste Führungskrise an. Denn Schoo wird es sich nicht gefallen lassen, unter Rüth nur die zweite Geige zu spielen. Es besteht die Gefahr, dass er seinen Posten räumt und sich teuer abfinden lässt. Erneut müsste die Verlegerin kostspielige Personaler bemühen, um einen Geschäftsführer zu finden – diesmal für die Magazinsparte. Das Gerangel um die Funke-Führung ginge dann von vorne los. Behält jedoch Schoo seinen Posten als Sprecher der Geschäftsführung, verärgert Becker ihren Neuzugang Rüth. Der dürfte sein Amt eher halbherzig antreten, um sich dann nach einer gewissen Zeit neu zu orientieren .

Egal wie – die Situation wirkt verfahren. Doch das tut dem Unternehmen nicht gut. Vor allem die Mitarbeiter sind sauer. Sie wollen endlich wissen, wer das Sagen im Verlag hat. Das ist es nur allzu verständlich. Denn durch die Covid-Krise sind die wirtschaftlichen Aussichten für Tageszeitungen vage. Da ist es entscheidend, dass die Strukturen in der Führungsriege festgezurrt sind. Eine weitere monatelange Hängepartie wäre da schädlich.

Daher sollte Becker jetzt klare Kante zeigen und sich mit den anderen Funke-Eigentümern verständigen. Eine denkbare Lösung wäre es, Rüth und Schoo gleichberechtigt zu Sprechern der Geschäftsführung zu machen. Das wäre für alle Beteiligten eine gesichtswahrende Variante. Becker würde gegenüber Rüth nicht wortbrüchig, Schoo wäre nicht abgekanzelt. Damit hätte auch die Aufsichtsratschefin ihre eigene Position im Unternehmen und in der Belegschaft gestärkt. Und Funke hätte gute Chancen, die diesjährigen Vermarktungsgespräche zum Erfolg zu führen.  

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