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Warum wir (wirklich!) eine Quote brauchen

Virginie Briand – Illustration: Bertil Brahm

Eine Quote bringt nicht nur qualifizierte Frauen in Top-Positionen, sie hilft auch dabei, beim unqualifizierten männlichen Personal auszusortieren. Es gibt also keinen Grund, dagegen zu sein.

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Um es gleich mal vorwegzuschicken. Ich brauche die Quote nicht. Ich bin Chefin. Ich ziehe keinen persönlichen Vorteil aus einer möglichen Frauenquote. Ich bin aber auch Mutter einer Tochter. Und störe mich an der Tatsache, dass es – nach einer Einschätzung des Weltwirtschaftsforums – noch 200 Jahre bis zu einer Gleichberechtigung von Mann und Frau dauert. Das hieße nämlich, dass auch meine Tochter keine gleichberechtigte Welt erleben wird. Das kann und will ich nicht akzeptieren.

Als Bundeskanzlerin Merkel Anfang Juli diesen Jahres das Quotenthema aufbrachte, opponierte der CDU-Wirtschaftsrat mit dem Argument, dass man jetzt in der Krise ja bitte keine Experimente brauche. Ganz genau, sagte dessen Präsidentin Astrid Hamker, „man dürfe in der schwersten Wirtschaftskrise nicht völlig kontraproduktive Themen für unser Land vorantreiben. Man brauche selbstverständlich Diversität in den Unternehmen, aber bitte nicht nach Gender-, sondern Kompetenzkriterien.“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Einer von Hamkers Grundannahmen kann ich schon ganz grundsätzlich nicht folgen. Nämlich, dass aktuell alle Positionen rein nach Kompetenzkriterien besetzt werden. Wir alle kennen prominente und weniger prominente Beispiele von Fehlbesetzungen – sei es in Wirtschaft, Politik oder sonstigen Institutionen. Oftmals forciert durch eine Lobby etablierter Netzwerke. Umgekehrt impliziert das Statement zudem, dass bei einer expliziten (und zugebenermaßen erzwungenen) Förderung von Frauen das Kompetenzkriterium nicht mehr stattfinden kann. Ein höchst zweifelhaftes Argument wie ich finde.

Deutschland bewegt sich im internationalen Vergleich im unteren Drittel – gerade einmal 28 Prozent der mittleren und höheren Führungspositionen sind hier zu Lande von Frauen besetzt. Angela Merkel sagt zu dem Zustand, dass es börsenorientierte Unternehmen gibt, in denen keine einzige Frau (!) im Vorstand sitzt, dass man dies „nicht vernünftig finden kann.“ Damit hat sie recht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Quote nicht nur top qualifizierte Frauen in Positionen bringt, sondern auch gleichzeitig beim männlichen Personal aussortiert. Insgesamt wird Führung durch die Quote also besser, wie eine schwedische Studie aus dem Jahr 2019 untermauert. Anders gesagt: Von der Quote profitieren Frauen – und Männer! (Und damit übrigens auch die Unternehmen).

Das Totschlagargument von Quotengegnerinnen und -gegnern ist regelmäßig, dass einerseits keiner nur wegen seines Geschlechts befördert werden wolle und andererseits die Gefahr bestünde, dass unqualifizierte Frauen qualifizierten Männer die Jobs wegnehmen. Das Forscherteam widerlegt diese Vorurteile klar. Nicht nur kommen qualifizierte Frauen gerechterweise mehr zum Zug – die Frauenquote stützt und befördert zudem qualifizierte Männer. Einzig: „Männer, die trotz nur mittelmäßiger Qualifikation in Posten gelandet sind, werden durch die Frauenquote weniger.“ Eine Quote verschlechtert damit nichts – außer natürlich man gehört momentan zur deutlich überprivilegierten Gruppe Minderqualifizierter. Dann kann man durchaus Angst haben vor einem fairen Wettbewerb …

„Eine Quote verschlechtert nichts.“

Um auf meine Tochter zurückzukommen: Ganz entscheidend ist für mich, dass nur eine Quote zu einer viel stärkeren Förderung von Mädchen und jungen Frauen führt. Es ist richtig, dass wir beispielsweise gerade in technischen Berufen ein weibliches Nachwuchsproblem haben. Aber die Pipeline werden wir nur stärker füllen können, wenn ein echter Pull entsteht, und so viel früher die Weichen richtig gestellt werden. 

Letztes Jahr berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass in Deutschland mehr Chefs Michael, Thomas, Andreas, Peter und Christian heißen als es Frauen an der Spitze von Unternehmen gibt. Damit können wir uns nicht zufrieden geben, wie unsere Bundeskanzlerin richtig sagt. Am Ende wollen wir doch eine diverse und facettenreiche Führungskultur, die weit über deutsche Männer (und Frauen-!)Namen hinausgeht.


Virginie Briand ist Co-Gründerin und Managing Partner der Agentur 19:13.
Hier schreibt sie darüber, wie Marken sich erfolgreich wandeln können.

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