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Bla, Blasberg

Der gefräßige Konzernkapitalismus ist das Monster unserer Zeit

Kai Blasberg – Zeichnung: Bertil Brahm

Das Monster heißt: Konzernkapitalismus. Und ist zurecht in all unseren Verfassungen als ungewollt benannt. Es frisst. Auch Sie?

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„Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.“ So beginnt das Ahlener Programm. Nie gehört?

Was sich liest wie eine Petition eines LINKEn-Ortsverbands im nördlichen Ruhrgebiet, ist das bis heute gültige Programm der CDU.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland findet sich das berühmte „Eigentum verpflichtet“. Und in der Bayerischen Verfassung, auf die der heiligste aller „Marküsse“ seinen Amtseid als amtierender Bayerischer Ministerpräsident leistete, fabulieren oft bemühte Mütter und Väter dieser Zeilen von Kapitalbildung, die nicht Selbst –  sondern Mittel zum Zweck sei, die Volkswirtschaft zu entwickeln.

Klingt schwer sozialistisch. War auch so gemeint. Nach dem Kriege. Dem zweiten. Die letzten Relikte und Erinnerungen einer darniederliegenden Gesellschaft, die vorgab, gelernt zu haben und nunmehr alles anders machen wolle.

Nur zehn Jahre später drehte sich die sicher gut gemeinte Richtung. Der Kapitalismus näherte sich mit aller Vorsicht im Gewand der sozialen Marktwirtschaft.

Wir Boomer kennen den Kommunismus noch! Als Feind. Als DIE rote Gefahr aus dem Osten. Als DAS Unrecht. DEN Untergang der Menschheit.

Im kalten Krieg wurde er den Menschen als die Gruselgeschichte interpretiert schlechthin präsentiert: Wir die Guten, der Osten die Bösen.

Später dann, nach dem WIR den Kommunismus besiegt haben, taumelnd und besoffen, als wieder mal und endlich überlegene Rasse der KAPITALISTEN dem Sozi-Pack die Grenzen aufgezeigt hatten und sie auf unserem Terra Germania schlicht eingemeindeten, laberten Intellektuelle im Westen vom Ende der Geschichte. Nun sei alles gut.

Bill Clinton ejakulierte, Gerhard Schröder und Toni Blair liberalisierten und sogar eine Frau –  aus dem Osten –  konnte Kanzlerin und brachte einen Vitaminchristen gleich mit ins höchste Staatsamt.

Friede, Freude, Eierbrei.

Aber ach. All das war nur die Darstellung. Die Pre-Show. Das Mediengewürge. Einmal gegessen und tonnenschwer und unzählig widergekäut. Gut für die Ablenkung.

30 Jahre immer derselbe, geschmacksfreie Einheitsbrei.

Ganz sicher, es wurde breit und viel aus allen möglichen Betrachtungswinkeln das immer Selbe beleuchtet, gewichtet und ausspekuliert. Politik, Gesellschaft, Sport und sogar ein bisschen Kultur.

Nur das Eine, das Wichtige, das Einzige. Schwieg. Und kam näher. Und fraß.

Darüber wurde nie gesprochen und wenn nur symptomatisch. Nie ursprünglich. Es war still. Es fraß. Es kam näher. Keiner wollte es glauben. Dann war es da. Es ist da. Wir wollten es. Wir sagten, es sei nicht so schlimm. Das könne man schon zähmen. Das Monster.

STOPP! 

Jetzt spätestens denke Sie: Verschwörung. Geben Sie es zu. 

Ehrlich, gell.

Auch das waren die Medien.

Denn weil sie es nicht erklären, wollen sie auch nicht, dass es da ist. Zumindest nicht auf Seite 3. Nicht um 20:15. Nicht als Aufmacher in den Nachrichten. Nachts bei Arte. Vielleicht Mal. Dann ok.

Das Monster heißt: Konzernkapitalismus. Und ist zurecht in all unseren Verfassungen als ungewollt benannt. 

Das Monster KK, so nennen wir es mal, ist wie Kommunismus. Vor dem wir soviel Angst hatten. Nur mit Gucci und BMW.

KK will Gleichheit. Will Skalierung. Bewertbarkeit und Einheitlichkeit. Aus nur einem Grund.  KK will verschieben und umbauen und verkleiden. Und fressen. Will täuschen und betrügen. Und fressen. KK will eine eigene Sprache. In der alle sprechen sollen. Und fressen.

Das Monster KK ist sich seiner Bestimmung bewusst. Deswegen ist es freundlich und brutal. Gnadenlos und lächelnd.

KK riecht nicht und sieht auch nicht aus. Es ist rational und keimfrei.

Es hat eigene Moden, die aussehen wie Uniformen, eigene Menschen, die aussehen wie Soldaten, Body-Mass-Indexe und Ernährungsgewohnheiten, Freizeittipps und PC. 

KK hat eines nicht: Humor. Und eines ganz, ganz, ganz viel: Hunger. Es will fressen. Und es frisst.

Sie schauen sich jetzt um.

Sie arbeiten bei sowas?!

Sieht einer, dass ich das lese. Keine Angst, es ist gleich vorbei. Leider habe ich keinen Platz hier. Sonst würde es gefährlich werden. Aber das kommt noch. Ich schreibe weiter. Psssssst. Verraten sie mich nicht.


Kai Blasberg ist Geschäftsführer von Tele 5 und macht am liebsten das, was ihm selbst gefällt. Meinungen verzapfen etwa.

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