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Wochenrückblick

Dieter Nuhr vs. DFG – das friedliche Ende einer überflüssigen Auseinandersetzung

Stefan Winterbauer – Illustration: Bertil Brahm

Der Zoff zwischen Dieter Nuhr und der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat ein friedvolles Ende gefunden, auch dank eines prominenten Moderators. Der DJV warnt Journalisten vor einem bestimmten Großverlag. Axel Springer macht jetzt in Auto-Waschanlagen. Und das RTL-Dschungelcamp findet vielleicht auf einem englischen Schloss statt. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Dieter Nuhr mal wieder. Da hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Kampagne unter dem Motto „#fürdaswissen“ gestartet. Ziel: Aufmerksamkeit, bzw. „Awareness“ für die Wissenschaft schaffen. Unter den Leuten, die sich für die Wissenschaft ins Zeug legten, war auch der Kabarettist/Satiriker Dieter Nuhr, der manchen Zeitgenossen als irgendwie rechts gilt, weil er es mal wagte, über Greta Thunberg ein Witzchen zu machen. Nuhr sprach für die DFG ein Audio-Statement ein, in dem er in dem ihm eigenen Duktus erklärte, dass Wissenschaft davon lebt, dass man sich irrt und korrigiert, dass Wissenschaft keine Religion sei und keine Heilslehre. Nuhr schloss mit den Worten: „Und wer ständig ruft ‚Folgt der Wissenschaft!‘ hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.“

Eigentlich konsensfähig, sollte man meinen. Es gab trotzdem einen Shitstorm gegen die DFG, wie die es wagen könne, ein Statement von diesem Nuhr zu veröffentlichen. Bei den Forschern war man über die Hemdsärmeligkeit der Netz-Debatte so schockiert, dass man vor lauter Schreck das Nuhr-Statement von der Seite löschte. Was wiederum – vorhersehbar – die Nuhr-Fans und Freunde der freien Rede auf die Palme brachte. Bei der DFG eierte man noch ein bisschen rum und veröffentlichte ein lauwarmes Statement („… die Situation näher beleuchten …“). Zum Glück hatte der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar eine Lampe, die er der DFG zwecks Erleuchtung reichen konnte. Nach Moderation durch Yogeshwar sah man auch dort ein, dass das Nuhr-Statement eigentlich nur Selbstverständliches enthielt und setzte es wieder auf die Seite. Nun sind alle happy: Dieter Nuhr, die DFG und Ranga Yogeshwar sowieso.

Und vielleicht hat jemand noch ein paar Euros übrig, der DFG einen Kurs in Krisenkommunikation zu spendieren.

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Freie Journalisten haben es nicht leicht in diesen Tagen. Dass der Deutsche Journalistenverband Freie aber konkret davor warnt, Verträge mit einem bestimmten Verlag abzuschließen, das ist schon hart und ungewöhnlich. Konkret geht es um das Haus Burda. Laut Darstellung des DJV, versuche der Verlag in Verträgen das komplette Haftungsrisiko auf die Freien abzuwälzen. Es kämen weitere Punkte hinzu, wie etwa eine „Vorgaben für die Herausgabe von Arbeitsunterlagen“ und eine „unzureichende Regelung der Vergütung von weiteren Nutzungen der Beiträge.“ Der DJV-Vorsitzende Frank Überall spricht gar von einer „moralischen Bankrotterklärung des Medienkonzerns“. Dabei hat Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen doch gerade im Handelsblatt zu Protokoll gegeben, dass der Konzern bisher erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen sei und es keinen Umsatzrückgang im ersten Halbjahr gab. Nötig sollte man so was also eigentlich nicht haben. Burda weist die Vorwürfe gegenüber MEEDIA (€) denn auch zurück. Die Verträge seien „problemlos“.

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Medienkonzerne verdienen ihr Geld heutzutage ja häufig nicht mehr nur mit Medien. Es ist bisweilen schon erstaunlich, in welchen Geschäften man sich so tummelt. So gab Axel Springer diese Woche bekannt, ins Business mit Autowaschanlagen einzusteigen. Voll digital natürlich. „Auto Bild erweitert ihr digitales Service-Angebot der ‚Clever‘-Produktfamilie mit Clever Tanken und Clever Laden um Clever Waschen“, heißt es in einer Verlagsmitteilung. Mit der App kann man Waschanlagen finden und bei einigen sogar direkt via App buchen. Die Waschanlage scannt dann das Autokennzeichen und startet automatisch den Waschvorgang. Hurra! In der Pressemitteilung von Springers Kooperationspartner „Superoperator“ klingt das aber viel lustiger: „Superoperator und Axel Springer entwickeln gemeinsam europaweites digitales Waschanlagennetz“.

Medien? Waschanlagen? Kopfkino! Mit gefällt ja vor allem der Name Superoperator sehr, sehr gut. Woran erinnert der mich bloß? Ach ja:

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Die heiße Liebe meinerseits zum RTL-Dschungelcamp ist zwar in den vergangenen Jahren ein wenig abgekühlt, ganz erkaltet ist sie aber nicht. Darum nehme ich auch mit Interesse zu Kenntnis, dass das Dschungelcamp im kommenden Jahr vermutlich nicht im Dschungel stattfinden wird. Die britische Produktionsfirma ITV hat sich entschlossen, das britische Camp wegen der Corona-Pandemie von Australien ins heimische England in eine Schlossruine zu verlegen. Beim RTL überlegen sie noch, wie sie damit umgehen. Bislang haben die Kölner stets die komplette Infrastruktur des britischen Camps in Australien genutzt und ohne diese Synergien würde sich das Camp wirtschaftlich für RTL nicht rechnen. So steht man also praktisch vor der Wahl, die Sendung komplett ausfallen zu lassen, sie in Deutschland alleine durchzuziehen oder sie ebenfalls nach England zu verlegen. Ich wage mal die Prognose, dass die Sendung nicht komplett ausfallen wird. Dafür ist RTL immer noch zu heiß auf die guten Quoten des Camps. Schlangen und Hitze gibt es dann zwar nicht, aber im Januar in einer englischen Ruine könnte es angemessen ungemütlich werden.

Schönes Wochenende!

PS:

Im Podcast Die Medien-Woche spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt diesmal über den viel diskutierten Auftritt der ZDF-Journalistin Dunja Hayali auf der Corona-Skeptiker-Demo in Berlin. Außerdem geht es ebenfalls um Dieter Nuhr und die DFG, das bemerkenswerte Trump-Interview von Axios, den möglichen Verkauf von Tiktok und die Ausladung der Kabarettistin Lisa Eckhart bei einem Hamburger Festival.

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