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Nach Sexismusvorwürfen

Darum kommt die Scholz & Friends-Beförderung zum falschen Zeitpunkt

Scholz & Friends macht sich VMLY&R zum Partner. Foto: Scholz & Friends

Es ist überfällig, dass Scholz & Friends mehr Frauen in die Führungsriege holt. Insofern sind die gestern verkündeten Beförderungen zu begrüßen. Dem Zeitpunkt aber haftet der Makel einer (schlecht) berechneten PR-Maßnahme an.

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Scholz & Friends wird mit Catherine Gaudry, Christiane Stöhr und Nele Schnieder drei Frauen in herausragende Positionen heben. Alle drei werden am 1. September antreten, als Mitglieder im Partner Board respektive als Berliner Geschäftsführerin. Dass die Agentur weiblichen Mitarbeitern mehr Verantwortung überträgt, ist ein überfälliger Schritt: zu lange hat sie Potential verschenkt und Mitarbeiter vergrault, weil sie von überkommenen Männlichkeitsvorstellungen gelenkt wurde und Männern Dinge hat durchgehen lassen, die direkt aus der 50er-Jahre-Kloake kommen. Insofern sind diese drei Beförderungen zu begrüßen. Der Zeitpunkt allerdings ist unglücklich.

Übergriffige männliche Führungskräfte, übersehene weibliche High Potentials, Penistänze

Scholz & Friends hat die Personalien gestern verkündet. Einen Tag bevor die Zeit sich in einem großen Stück der Agentur annimmt, in dem noch einmal all die Hässlichkeiten aufgeführt werden, für die S&F in Verruf gekommen ist: übergriffige männliche Führungskräfte, übersehene weibliche High Potentials, Penistänze. (MEEDIA berichtete)

Frauen-Förderung als PR-Kalkül

Keine Frage: Es ist ebenso gut wie selbstverständlich, dass sich die Agentur den Vorwürfen stellt und allen Anschein nach auch wirklich bemüht ist, an der frauenfeindlichen Atmosphäre etwas zu ändern. Die drei Personalien sind ja ein Teil davon. Mit ihnen aber direkt im Vorfeld mieser Presse um die Ecke zu kommen, hat schon sehr den Anschein von PR-Kalkül. Das wirkt weniger ehrlich denn berechnend. Oder schlimmer noch: nach aktionistischer Statistikaufhübschung.

Besser wäre es gewesen, die Beförderungen zeitlich versetzt (deutlich früher) zum Zeit-Bericht zu kommunizieren. Oder eben erst zeitnah zum Datum ihrer Wirksamkeit. So bleibt den Beförderungen ein fader Beigeschmack — und die drei Beförderten müssen nun damit leben, dass ihren Karrieresprüngen der Makel eines Publicity-Stunts anhaftet. Das ist bitter, aller Wahrscheinlichkeit nach ungerechtfertigt und vor allem ziemlich unnötig.

Bärendienst für die Beförderten

Mit dem Zeitpunkt der Kommunikation jedenfalls hat Scholz & Friends den drei Frauen einen Bärendienst erwiesen. Aber vielleicht ist es der letzte, den die Agentur für ihre weiblichen Mitarbeiter parat hält. Zu wünschen wäre es ja.

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