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Hype-App

Microsoft will Tiktoks US-Geschäft kaufen

Foto: imago images/ Hollandse Hoogte

Paukenschlag am Wochenende: Das US-Geschäft des Social Media-Emporkömmlings TikTok könnte von ByteDance zu Microsoft wechseln. Der US-Tech-Gigant bestätigte sein Kaufinteresse in der Nacht zum Montag und will die Übernahmeverhandlungen bis zum 15. September abschließen

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Vorausgegangen waren deutliche Worte aus dem Weißen Haus: Die Trump-Administration erhöht seit Wochen den Druck auf TikTok und ließ verlauten, die Hype-App könnte aus Sicherheitsgründen in den nächsten Tagen in den USA verboten werden.  

So hatte US-Präsident Donald Trump am Freitagabend erklärt, es gäbe bezüglich TikTok mehrere Optionen, die bis zu einem Verbot der äußerst populären Social Media-App per Sonderdekret reichten. Trumps Berater Peter Navarro und Finanzminister Steven Mnuchin bestätigten den harten Kurs der US-Regierung am Wochenende.

„Das gesamte Committee on Foreign Investment stimmt damit überein, dass TikTok nicht im gegenwärtigen Format bleiben kann, weil es ein Sicherheitsrisiko für 100 Millionen Amerikaner (die die App schätzungsweise nutzen – Anmerkung der Redaktion)) darstellt“, erklärte Steven Mnuchin gestern gegenüber ABC. Mit einem Verbot durch den US-Präsidenten wird entsprechend nunmehr täglich gerechnet.

Microsoft will US-Geschäft von TikTok erwerben

Es könnte jedoch noch eine andere Lösung geben, wie die New York Times überraschend vermeldete. So sei Mutterkonzern ByteDance offenkundig auch für einen Verkauf seiner US-Anteile aufgeschlossen, berichteten mehrere amerikanische Medien übereinstimmend. Der mögliche Käufer überrascht unterdessen noch mehr: So soll sich Microsoft bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen befunden haben, berichtete Reuters am Wochenende.

Die Bestätigung kam in der Nacht zum Montag in einem Statement von Microsoft selbst: Der nach Apple und Amazon drittwertvollste Konzern der USA sei zur Übernahme entschlossen, die neben dem US-Geschäft auch TikToks Aktivitäten in Kanada, Australien und Neuseeland einschließe. Die Übernahmeverhandlungen sollen bis zum 15. September abgeschlossen sein.

Passt TikTok überhaupt zu Microsoft?

Microsoft galt bis zum Wochenende nicht unbedingt als mutmaßlicher Bieter für das vor allem bei Teenagern beliebte Kurzvideo-Netzwerk. Dem 45 Jahre alten Software-Giganten aus Redmond gelang in den vergangenen Jahren unter CEO Satya Nadella, der 2014 die Amtsgeschäfte vom glücklosen Vorgänger Steve Ballmer übernommen hatte, ein spektakuläres Comeback, das zeitweise in der Wiedereroberung des Börsenthrons als wertvollstes Unternehmen der Welt gipfelte, was allerdings vor allem durch die Entwicklung des Cloud-Geschäfts zustande kam. 

2016 überraschte Microsoft indes mit der Übernahme des Business-Netzwerks LinkedIn, für das das Dow Jones-Mitglied 26 Milliarden Dollar bezahlte. Während sich die Synergie-Effekte mit der Teenie-App TikTok auf den ersten Blick nicht erschließen, könnte sich die Übernahme des US-Geschäfts des hochgejazzten Social Networks nach Einschätzung von CNBC fraglos lohnen

„Microsoft sollte absolut versuchen, das US-Geschäft von TikTok zu akquirieren. (…) TikTok ist in einer äußerst guten Position, seine Bewertung massiv zu steigern. Es besitzt 100 Millionen US-Nutzer und fängt jetzt erst an, seine riesige Reichweite mit kuratierter, zielgruppengenauer und cleverer Kurzvideowerbung, die für eine jüngere Zielgruppe funktioniert, zu monetarisieren“, findet der Finanzinformationsdienst.

Ist TikTok bereits mehr als 50 Milliarden Dollar wert?

Allein: Zu welchem Preis könnte Microsoft zum Zug kommen? Wie Reuters berichtet, würden Investoren TikTok in der Gesamtheit mit über 50 Milliarden Dollar bewerten – das wäre fast doppelt so hoch wie Twitter und rund eineinhalbmal so hoch wie Snap aktuell an der Wall Street bewertet werden.

Mutterkonzern ByteDance gilt nach Einschätzung von Bloomberg mit einer Bewertung von 105 bis 110 Milliarden Dollar unterdessen als wertvollstes Start-up der Welt und wurde am Sekundärmarkt bereits mit mehr als 140 Milliarden Dollar bewertet. Die Bewertung kommt nicht von ungefähr: So hat die gerade einmal acht Jahre alte TikTok-Mutter im vergangenen Jahr bereits enorme 17 Milliarden Dollar umgesetzt – den Löwenanteil davon durch Werbung.

ByteDance verdient unter dem Strich bereits erstaunlich viel Geld: Mehr als drei Milliarden Dollar blieben 2019 in den Kassen des Internet-Unternehmens aus dem Reich der Mitte hängen. Zum Vergleich: Instagram soll im vergangenen Jahr rund 20 Milliarden Dollar erlöst haben, beim Stories-Erfinder Snapchat waren es gerade mal 1,7 Milliarden Dollar.

„Das heißeste Unternehmen der Welt“

ByteDance ist eine der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten aus dem an Internet-Schwergewichten reichen Fernen Osten. Während Alibaba, Tencent und Baidu als sogenannte BAT-Unternehmen als Chinas Antwort auf die GAFA-Konzerne der USA gelten, aber in ihrem Wirkungskreis auf den Heimatmarkt beschränkt bleiben, hat TikTok als eine der ersten chinesischen Apps auch die westliche Welt erobert – maßgeblich nach der Übernahme des Rivalen Musical.ly, der in TikTok aufging. 

„TikTok ist unglaublich. Es ist das heißeste Unternehmen der Welt„, adelte Wall Street-Marktkommentator James Cramer im Mai den boomenden Social Media-Liebling, der in erster Linie von der Generation Z genutzt wird, bereits mehr als zwei Milliarden Mal heruntergeladen wurde, aber erst noch vor seiner großen Werbemonetarisierung steht.

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