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Kampf gegen Fakenews

Dorothee Bär startet „Bundeszentrale für Digitale Aufklärung“ und niemand bekommt es mit

Die Digitalstaatsministerin Dorothee Bär hat mit der Bundeszentrale für digitale Aufklärung eine neue Bundesinstitutions ins Leben gerufen, nur erfährt niemand etwas davon.

Mit der „Bundeszentrale für digitale Aufklärung“ wurde am 30. Juli eine neue Institution im Kampf gegen Fakenews und Hatespeech und für Medienkompetenz aus der Taufe gehoben. Ein wichtiger Launch, den die Bundesriegierung gut versteckt. Ein Kommentar.

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Sind meine Daten in der Cloud wirklich sicher, ist 5G eigentlich gefährlich, kann man mich durch meine Smartphone-Kamera ausspionieren und wie können Fakenews erkannt werden? In dem Maße, in dem es sich die Digitalisierung in unserem Leben gemütlich macht, nehmen auch die ungemütlichen Fragen zu. Statt die Antworten in den Weiten des Netzes zu suchen – welche Auswirkungen solche Recherchen haben, kann man aktuell gut bei Attila Hildmann sehen – möchte die Bundesregierung als kompetente Quelle mit Gütesiegel helfen. Und zwar mit einer eigenen Institution: der „Bundeszentrale für Digitale Aufklärung“.

Soft-Lauch der Bundeszentrale mit minimaler Öffentlichkeit

Ein wichtiger Schritt, der „die Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger stärken“ soll, wie auf der Seite der Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) zu lesen ist. Die Idee dahinter: „Aufgeklärte Bürger surfen kritischer durch das Netz und sind immun gegen die Verbreitung von Hass und Hetze und erkennen leichter die Gefährdungen durch Bots, Desinformation und gefälschte Fotos oder Videos.“ Das kann man kritisieren – braucht es dazu eine eigene Bundeszentrale – da kann man applaudieren – endlich wird die Bundesregierung bei diesem Thema tätig. Aber beides ist schlecht möglich. Denn, falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, die neue Bundeszentrale wurde bereits am 30. Juli gelauncht. Während einer Podiumsdiskussion an der Uni Würzburg zum Thema „Fake News – Desinformation und digitale Aufklärung in der Corona-Krise“ wurde der Knopf gedrückt. Nein, das haben Sie nicht mitbekommen? Da hilft nur Medienkompetenz: Ein Blick in die Schlagzeilen und News von Google verrät, es liegt wirklich nicht an Ihnen. Denn wenn Sie nicht gerade den Tagesspiegel Background, Basic Thinking oder Heise lesen, können Sie es einfach nicht mitbekommen haben. Auch Dorothee Bär, die als Digitalstaatsministerin im Digitalen normalerweise nicht zurückhält, teilt auf ihrem eigenen Kanal nur die Tweets anderer. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Schritt? Fehlanzeige.

Auch Google weiß nichts von der neuen Bundeszentrale

Dass das Echo so gering war, scheint aber gewollt. Dem medienmündigen Bürger verrät der Gang auf die Presseseiten der Bundesregierung und der Digitalstaatsministerin nämlich auch nichts zum Thema Bundesinstitut. Google Trends meldet zu dem Schlagwort „Bundeszentrale für digitale Aufklärung“ zurück, dass es zu wenig Daten gäbe, um einen Verlauf zu zeigen. Das leuchtet ein: Wieso soll jemand auch nach etwas suchen, von dem er nicht weiß, dass es existiert. Verringert man den zeitlichen Abstand von 30 auf die letzten 7 Tage oder ein paar Stunden, dann zeigen sich erste Ausschläge auf der „Google Trends“-Kurve. Der Patient lebt also doch. Ein Anfang.

Vision ohne Webseite

Dann braucht er jetzt nur noch eine eigene Adresse. Denn die Bundeszentrale, die „Aufklärungskampagnen durchführen und mit niederschwelligen, kostenfreien Angeboten alle Bürgerinnen und Bürger umfassend über Innovationen und Technologiefolgenabschätzungen informieren soll“, sie hat auch nach dem Start in Würzburg nicht einmal eine eigene Webseite. Alles was es gibt, ist ein Reiter auf der Seite von Dorothee Bär, der unter dem Punkt „Vision“, die Idee hinter der Bundeszentrale erklärt. Und zu Visionen hat sich Altkanzler Helmut Schmidt schon einmal treffend geäußert. 

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