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Nach Gerichtsentscheid:

„Welt“-Journalist Deniz Yücel kritisiert „politisches Urteil“

Deniz Yücel auf der Press Freedom Conference in Gdansk am 22. Januar 2020 – Foto: Imago

Nach der Verurteilung von Deniz Yücel durch ein türkisches Gericht hat der „Welt“-Journalist die Entscheidung scharf kritisiert. „Das Gericht hat sich mit diesem Urteil über das türkische Verfassungsgericht hinweggesetzt. Das zeigt einmal mehr, wie es um die türkische Justiz bestellt ist, nämlich erbärmlich“, sagte Yücel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

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Yücel ist am Donnerstag wegen Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK in Abwesenheit zu fast zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf der Volksverhetzung und der Propaganda für die Gülen-Bewegung wurde er freigesprochen. Mit dem Urteil wurden neue Vorwürfe gegen Yücel erhoben, unter anderem wegen Beleidigung des Präsidenten. 

Yücel war von Februar 2017 bis Februar 2018 ohne Anklageschrift im Hochsicherheitsgefängnis Silivri westlich von Istanbul inhaftiert. Erst nach langem politischen Tauziehen kam er frei und durfte ausreisen. Vor rund einem Jahr hatte das türkische Verfassungsgericht Yücels Untersuchungshaft für rechtswidrig erklärt.

Es sei „skandalös“, das mit dem Urteil auch eine neue Strafanzeige gestellt worden sei, die sich unter anderem auf seine schriftliche Verteidigung beziehe, sagte Yücel der dpa. Damit werde die „unantastbare Verteidigung eines Angeklagten vor Gericht kriminalisiert.“

In einem Beitrag für die Welt schrieb Yücel, dass es sich um ein „politisches Urteil“ handle. „So oder so musste sich der türkische Staat heute blamieren. Das hat er auch“, schrieb Yücel am Donnerstag in einem Beitrag mit dem Titel „Ich bereue nichts“. Das Urteil „ändert nichts an dem, was ich vom Moment meiner Festnahme an wusste: Ich wurde gefangenen genommen, weil ich meine Arbeit als Journalist gemacht habe.“ Daran bereue er nichts. „Und früher oder später wird ein Gericht das auch feststellen.“

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