Anzeige

Rützels Scharmützel

Das große Fressen

Anja Rützel – Illustration: Bertil Brahm

Es gibt eine Bachelor-Edition von Katjes … Ich hoffe, das macht Schule: Anne-Will-Kartoffelbrei, bittere Milf-oder-Missy-Schokolade, cheesy Volksmusik-Pizza. Die Welt könnte so schön sein

Anzeige

Von meiner liebsten Instagram-Nachrichtenagentur – Foodnews Germany – erfuhr ich gerade von einem neuen, spektakulär behämmerten Lebensmittellaunch: Demnach hatten die immermüden Korrespondenten eine offizielle Bachelor-Edition von Katjes im Süßwarenregal éntdeckt, kleine Fruchtgummis in Rosenform nämlich, mit Apfel- und Erdbeer-Geschmack. Als treue Anhängerin des komplett Unnützen und überdreht Überflüssigen begrüße ich dieses Crossover von Fernsehsendung und Verzehrware, aber ich bin auch enttäuscht: Wenn man eines der Trash-TV-Flagschiffe schon in verzehrbare Form übersetzt, hätte man dabei wirklich eine Verschnabulierungsversion finden können, die die Essenz des Verpaarungsformats etwas liebevoller widerspiegelt. Zum Beispiel eine extrem schmierige, fast ungenießbar ölig-verschlonzte Aufstrichcreme, natürlich möglichst geschmacklos. Als Freundin oldschooliger, gerne leicht abgelaufen-ältlich schmeckender Schnapspralinen hätte ich mich auch über eine Limited Edition der Edlen Tropfen in Nuss gefreut. Jeder Bachelor-Kandidatin hätte man eine eigene Pralinenfüllung nachempfinden können: Eine entschieden zu süß, die andere leicht gärig, eine weitere überraschend hohl, und eine möglicherweise giftig. Übermäßiger Verzehr würde freilich zu stechendem Kopfschmerz führen.

Komisch, dass nicht längst andere Food-Fabrikaten auf ähnliche Ideen gekommen sind, bei vielen TV-Produktionen liegt der passende Lebensmittel-Merch doch wirklich auf der Hand. Wo bleiben also die extra-cheesy Sommerfest der Volksmusik-Pizza, die extrem bittere M.O.M.-Milf oder Missy-Schokolade und der Anne Will-Instant-Kartoffelbrei (mit groben Stücken)? Alles muss man selber machen!

Tatsächlich lagert seit einigen Jahren eine erst dreiviertel ausgetrunkene Flasche Amarula in meinem Kühlschrank, deren Likör-Inhalt inzwischen zu Paradiescreme-Konsistenz gestockt ist. Ich hatte sie mir irgendwann gekauft, nachdem in mehreren Bachelor-Staffeln bei sämtlichen Cocktail-Runden vor der verhängnisvollen „Nacht der Rosen“ derart aufdringlich und plump produktplatzierend angeblich eben genau dieses Getränk weggeschnäbelt worden war, dass ich mich dieses extrem durchsichtigen Werbemanövers irgendwann nicht mehr entziehen konnte. Ich trank also auf meinem Fernsehsofa synchron mit der Bachelor-Bagage – und schäumte vor Wut, als die Suff-Sponsorenschaft plötzlich zum Kokoszeugs Batida de Coco wechselte, denn auch ich habe Grenzen.

Bei Katjes bin ich mir da übrigens nicht so sicher. Auf der Webseite des Fruchtgummi-Fabrikanten fand ich die höchst wunderliche Nasch-Edition Wunderland Deutschland, deren Produktbeschreibung wie etwas klingt, dass mir wahrscheinlich nicht einmal nach dem Verzehr meines Restamarula-Grinds eingefallen wäre: „Happy Schwarz, Rot, Gold – dieses Veggie-Produkt zelebriert mit Einhörnern, Sternen und Herzen in den Farben der Deutschlandflagge mit ganz viel Liebe die Freundschaft und den Frieden, den die Menschen in diesem Land verbindet.“ 

Alles klar, denkt man da, aber das „Wunderland“ gibt es obendrein auch in einer Rainbow- und in einer mystisch gemeinten Black Edition, bei der ich nach Lektüre der Beschreibung den Zusatz bewusstseinserweiternden Spezialzuckers nicht ausschließen möchte: „Siehst du die magische Fee im Mondlicht zaubern? Unter dem funkelnden Sternenzelt wachen Eulen und Kater über die Geheimnisse der Nacht!“

Verglichen mit diesem herrlichen Wahnsinn wirken die Bachelor-Gummirosen wirklich etwas lieblos. Im Laden des unverwüstlichen Heino gab es vor vielen Jahren einmal Fruchtgummi-Nachbildungen seines Kopfes zu kaufen, vielleicht wäre das ja eine Anregung: Die Gesichter aller bisherigen Bachelors, vesperfertig in Gelatine gegossen. Bitte nachbessern!


Anja Rützel schreibt hier über ihre Marken- und Medienerlebnisse. Es wird natürlich auch sehr oft um ihren Hund Juri gehen.

Anzeige