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#StopHateForProfit

Werbeboykott gegen Facebook: Auch Ben & Jerry’s stoppt Anzeigen

Es braut sich was zusammen. Seit Jahren steht Facebook wegen des laxen Umgangs mit Hassrede in der Kritik – nun ziehen Werbetreibende anlässlich der jüngsten Protestwelle gegen Rassismus Konsequenzen. Nach den Modemarken The North Face und Patagonia will nun auch Eishersteller Ben & Jerry’s im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook schalten

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Der Druck auf das weltgrößte Social Network wächst. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird seit Jahren für den Umgang mit Hassrede auf Facebook kritisiert – gerade gestern erst wieder vom Recherche-Projekt des BR, NDR und WDR #Hassmaschine. Vor allem jedoch in den vergangenen Monaten gewann die Kritik im Zuge der #BlackLivesMatter-Proteste und wegen des laxen Umgangs mit Donald Trumps Wahlkampfbotschaften an neuer Dynamik.

„Ich glaube einfach fest daran, dass Facebook nicht der Schiedsrichter über die Wahrheit bei allem sein sollte, was die Leute online sagen“, erklärte Konzernchef Mark Zuckerberg noch Ende Mai seine Haltung. Am vergangenen Wochenende vollzog Facebook dann doch eine Kehrtwende und löschte Wahlkampfwerbung der Trump-Kampagne mit NS-Symbolik.

#StopHateForProfit-Bewegung fordert Werbeverzicht im Juli

Doch die Kritik am nachlässigen Umgang mit hasserfüllten, herabwürdigenden, rassistischen oder manipulativen Inhalten ist inzwischen soweit gediehen, dass großen Markenunternehmen ihre Werbeschaltungen bei Facebook und Instagram überdenken.

In der vergangenen Woche riefen verschiedene Bürgerrechtsbewegungen unter dem Hashtag #StopHateForProfit zum Anzeigenstopp im Juli auf. Dem Aufruf folgten bereits so namhafte Outdoor-Mode-Hersteller wie The NorthFace, REI, Patagonia oder Arc’teryx .

Auch Ben & Jerry’s folgt Werbeboykott

Gestern erklärte mit Kult-Eishersteller Ben & Jerry’s eine weitere beliebte Marke mit deutlichen Worten ihren Werbeverzicht. „Wir pausieren unsere bezahlten Anzeigen bei Facebook und Instagram ab dem 1. Juli als Unterstützung für die #StopHateForProfit-Kampagne.“

„Wir rufen Facebook, Inc. zu klaren und eindeutigen Handlungen auf, um die Verbreitung und Verstärkung von Rassismus und Hassrede auf der Plattform zu stoppen“, teilte der zu Unilever gehörende Konsumgüterhersteller via Blogeintrag und auf Twitter mit.

Auch der Freizeitbekleidungshersteller Eddie Bauer und Filmverleiher Magnolia Pictures folgten dem Aufruf zum Werbeboykott am Dienstag. Magnolia Pictures erklärte, man wolle „bedeutende Veränderungen bei Facebook sehen“.

Kara Swisher: Facebook muss Konsequenzen im Portemonnaie spüren

„Dieser Werbeboykott könnte anders sein“, spekuliert das Branchenportal Digiday bereits über das Ausmaß des Anzeigenverzichts. Auch Techreporterin Kara Swisher hebt die Bedeutung des wachsenden Werbeprotests heraus.

„Jetzt wird es interessant. Ich und (Marketingprofessor – Anmerkung der Redaktion) Scott Galloway haben lange darauf hingewiesen, dass sich nur etwas ändert, wenn Facebook Konsequenzen im Portemonnaie spürt“, twitterte Swisher.

Neues Allzeithoch an der Wall Street

Der frühere Staranalyst und heutige Wagnisfinanzierer Gene Muster glaubt unterdessen nicht, dass der Boykott finanzielle Folgen für Facebook hat. „Es wird keinen Einfluss haben“, ist sich der Mitgründer von Loup Ventures sicher.

Die Wall Street ist offenkundig der gleichen Ansicht. Im gestrigen Handel markierte die Facebook-Aktie bei 242 Dollar ein neues Allzeithoch. Seit den Jahrestiefs im Zuge der Corona-Krise hat Facebook an der Börse in gerade einmal drei Monaten enorme 77 Prozent an Wert gewonnen. Der nach Amazon und Alphabet drittwertvollste Internetkonzern der Welt wird nach dem Kursschub bereits mit knapp 700 Milliarden Dollar bewertet.

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