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Sky, die Bundesliga und die Formel 1

Totgesagte senden länger

Ben Krischke – Illustration: Bertil Brahm

Sky bleibt der wichtigste Medienpartner der DFL, hat sich unter anderem die Samstagsspiele der ersten Fußballbundesliga für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 gesichert – und obendrein die Formel 1 von RTL geholt. Dabei dürfte der ein oder andere den Nachruf auf die Münchner schon geschrieben haben

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Als Ouvertüre zur DFL-Rechtevergabe am gestrigen Montag wurde viel spekuliert. Manch ein Kollege sah Amazon schon als heißen Favorit auf die Livespiele der Fußballbundesliga, aber auch weitere Unternehmen warfen ihre Angebote in den Ring; oder man vermutete zumindest, dass sie es tun würden. Darunter sehr illustre Namen wie das erwähnte Amazon, und halbwegs illustre Namen wie Magenta TV, die ihr Sport-Kompakt-Angebot bislang von Sky beziehen.

Nur an Favorit Sky wollte niemand zweifelsfrei glauben. Und wahrscheinlich hoffte der ein oder andere Beobachter gar, dass diese DFL-Rechtevergabe ein mittelschweres bis existenzbedrohendes Beben für die Münchner werden würde. Schon deshalb, weil sich Geschichten vom Scheitern immer besser, immer süffisanter erzählen lassen als Erfolge. Vielleicht war der ein oder andere Nachruf auch schon geschrieben. Zu früh, wie sich zeigt, denn Sky bleibt der wichtigste Medienpartner der DFL.

Aber da geht es dem Sender Sky nicht anders als der anderen großen Münchner Fußball-Institution: dem FC Bayern. Beide eint nicht nur die Geografie – den Münchner Hauptsitz von Sky und die Allianz Arena trennt eigentlich nur die nördliche Isar –, sondern auch die Emotionen, die hier Sky und dort der Rekordmeister provozieren. Freilich erkennt man die Leistungen an, die beide in ihrem Metier in den vergangen Jahren erbracht haben; und doch wecken beide, wenn sie denn scheitern, mehr Schadenfreunde als die Konkurrenz. Echte Antipathie muss man sich eben verdienen.

Der Verlust der Bundesliga wäre ein Desaster gewesen

Es wäre ein schwerer, ja, der wohl schwerste Rückschlag für Sky gewesen, wäre die DFL-Rechtevergabe derart verlaufen, dass die Bundesliga von Sky ganz oder größtenteils verschwindet. Kein Wunder also, dass Sky jüngst versuchte, den Fokus der Skeptiker noch etwas mehr als sonst weg vom Fußball zu lenken. Elke Walthelm, Executive Vice President Content bei Sky Deutschland, etwa, wenn sie Mitte März sagte: „Ich bin überzeugt, dass wir durchgängig gute Gründe liefern, Sky insbesondere auch wegen des hochkarätigen Film- und Serienangebots zu abonnieren“. Das kann man selbstredend so sehen. Ob das wirklich so ist, darüber ließe sich trefflich streiten.

Denn unterm Strich täuscht auch dieser Optimismus nicht darüber hinweg, dass der Verlust der Bundesliga ein Desaster für Sky gewesen wäre. Anders formuliert: Was nutzt dem Wettkämpfer denn ein gesundes Bein, wenn er mit dem anderen nicht mehr laufen kann? Und was nutzt es ihm erst, wenn das verletzte Bein das wichtigere von beiden ist?

All das, all die Worst-Case-Szenarien sind jetzt aber erstmal passé, weil es nochmal gut gegangen ist für die Münchner. Sky-Chef Devesh Raj drückt es gar so aus: „Wir haben die Position von Sky als unangefochtene Heimat des Fußballs gefestigt.“ Und als wäre das nicht schon schön genug, wird Sky nun auch die deutsche Heimat der Formel 1, deren Übertragungsrechte vom Rhein an die Isar übergehen. Insofern gibt es in der Unterföhringer Medienallee gerade doppelt Grund, selbstbewusst und frohen Mutes zu sein – mit Einschränkungen allerdings.

Gute Argumente und Geld für ein noch stärkeres Engagement

Denn während Sky zwar alle Spiele der 2. Bundesliga zeigen wird, wird der Sender die Live-Spiele der ersten Liga „nur“ noch am Samstag, Dienstag und Mittwoch übertragen. Denn Konkurrent Dazn – der sich mit Blick auf seinen milliardenschweren Besitzer Len Blavatnik bisweilen etwas zu sehr als junges, hippes Start-Up inszeniert – hat sich hier gleichzeitig die Freitags- und Sonntagsspiele gesichert. Ja, Sky bleibt zwar wichtigster Medienpartner der DFL, muss jetzt aber einen zweiten, größer gewordenen Konkurrenten erdulden, der sich bemühen wird, Ausrufezeichen bei der Berichterstattung zu setzen, und hier und da neue Wege zu gehen; das Image als Anti-Sky weiter zu kultivieren.

Der Sport-Streamingdienst Dazn hat während der Covid-19-Krise dem Vernehmen nach zwar viele Abonnenten eingebüßt, dürfte durch das stärkere Engagement in Sachen Bundesliga in den kommenden Jahren aber viele neue hinzugewinnen – und obendrein vielleicht weitere, gute Argumente und eben Geld für einen kräftigeren Vorstoß bei der nächsten DFL-Rechtevergabe sammeln wollen. Und auch Amazon könnte über Sublizenzen noch mitmischen – und dies, wenn es wieder hart auf hart kommt, als Generalprobe für ein wenig bis deutlich mehr verstehen. Seit gestern gilt dennoch: Totgesagte senden länger.

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