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Wegen umstrittener Kolumne

Bundesinnenminister Seehofer will Strafanzeige gegen taz-Autorin erstatten

Foto: taz

Maximale Eskalation um eine provokante taz-Kolumne. Bundesinnenminister Horst Seehofer will gegen die Autorin Hengameh Yaghoobifarah wegen ihres Artikels „Abschaffung der Polizei – All cops are berufsunfähig“ Strafanzeige erstatten. Das berichtet die Bild-Zeitung.

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Die Kontroverse begann vor einer Woche. Am vergangenen Montag veröffentlichte die freie Autorin Hengameh Yaghoobifarah in der taz eine Kolumne mit dem Titel „Abschaffung der Polizei – All cops are berufsunfähig“. Die 29-jährige Journalistin sinnierte angesichts der aktuellen Proteste gegen Polizeigewalt: „Manch eine_r träumt da gleich von einer Zukunft ganz ohne Polizei.“

Damit nicht genug: Yaghoobifarah fragt sich in ihrem Artikel zudem, welche Jobalternativen für die Beamten eigentlich bestünden und kommt dabei zum Schluss: „Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen“.

Polizeigewerkschaft stellte bereits Strafanzeige

Ihr Fazit lautet: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ 

Der Beitrag sorgte umgehend für reichlich medialen Gegenwind – in den Traditions-, vor allem aber in den sozialen Medien. Zwei Tage nach der Publikation folgte ein juristisches Nachspiel: Die Deutsche Polizeigewerkschaft stellte Strafanzeige gegen die taz. Der Vorwurf: Volksverhetzung.

Horst Seehofer will Yaghoobifarah anzeigen

Dabei bleibt es jedoch offenbar nicht. Wie die Bild-Zeitung am Sonntagabend berichtete, will auch Horst Seehofer eine Anzeige auf den Weg bringen – nicht als Privatperson, als Minister der Bundesregierung. „Ich werde morgen als Bundesinnenminister Strafanzeige gegen die Kolumnistin wegen des unsäglichen Artikels in der taz über die Polizei stellen“, zitiert die Boulevardzeitung den 70-jährigen CSU-Politiker.

Seehofers Begründung: „Eine Enthemmung der Worte führt unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen, genauso wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben. Das dürfen wir nicht weiter hinnehmen.“

Social Media-Echo: „Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit“

In den sozialen Medien wurde der Bundesinnenminister für das Vorgehen scharf kritisiert. Buzzfeed-Chefredakteur Daniel Drepper und Zeit-Redakteur Lars Weisbrod sehen etwa einen „klaren / kalkulierten Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit“.

Auch Comedian Jan Böhmermann schaltete sich umgehend in die Debatte ein und bekundete „volle Solidarität mit Hengameh Yaghoobifarah“. Auf Twitter reagieren zahlreiche Nutzer ebenfalls fassungslos auf Seehofers Schritt.

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