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One Girl One Cup

Plagiatsvorwurf: Scholz & Friends und The Female Company äußern sich

Too hot for Instagram: Die Kampagne "One Girl, One Cup" war ein Erfolg für The Female Company. Der könnte jetzt wegen Plagiatsvorwürfen getrübt sein. Foto: The Female Company.

Too hot for Instagram: Die Kampagne "One Girl, One Cup" war ein Erfolg für The Female Company. Der könnte jetzt wegen Plagiatsvorwürfen getrübt sein. Foto: The Female Company.

Die Idee, auf Pornhub für die Menstruationstassen von The Female Company zu werben, war gut. Aber sie könnte geklaut sein. Diesen Vorwurf muss sich aktuell zumindest Scholz & Friends gefallen lassen. In einem Statement weist die Agentur die Anschuldigungen zurück

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Werbung auf Pornhub – klar, das provoziert, das sorgt für Aufmerksamkeit. Das wissen auch die Macher von The Female Company – ein deutsches Startup für Fem-Care-Produkte – und das weiß auch die zuständige Agentur Scholz & Friends. Und so ist es kein Wunder, dass One Girl, one Cup, die Kampagne für Menstruationstassen, schon jetzt als Erfolg gesehen werden kann.

Nur ist der Erfolg jetzt etwas getrübt. Aber eines nach dem anderen. Es steht der Vorwurf im Raum, dass ausgerechnet eine Person bei diesem Erfolgserlebnis außen vor gelassen wurde. Nämlich diejenige, die die Idee zu der Kreation hatte. Auf Instagram postete Pavlina Vlachopoulou sieben Text- und Bildtafeln, die nahelegen, dass die Idee zu der Pornhub-Kampagne nicht von Scholz & Friends sondern von ihr stammten. Das Problem dabei: Nach eigener Aussage hat Vlachopoulou diese im Rahmen einer Bewerbung bei Scholz & Friends geliefert. Beides, Bewerbung wie auch die Idee, wurde aber von der Agentur abgelehnt. Auf Instagram erhebt Vlachopoulou jetzt den Plagiatsvorwurf gegen Scholz & Friends. Neben einem erklärenden Text, zeigt ein Screenshot eine Mail mit Anhang vom 29. Januar 2020. Details legen eine frappiernde Ähnlichkeit zur aktuellen Kampagne von The Female Company nahe. 

https://www.instagram.com/p/CBlj2QNAmqq/

„Krass, das geht nicht“

Unter dem Post von Vlachopoulou finden sich neben über 10.000 Likes inzwischen zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Der Post ist viral gegangen und hat soviel Aufmerksamkeit erreicht, dass auch The Female Company selbst sich bereits auf Instagram gemeldet hat, um Aufklärung in der Sache zu versprechen. Man wolle sich umgehend mit Scholz & Friends zusammensetzen, um die Angelegenheit zu klären. Am Telefon zeigt sich Gründerin Ann-Sophie Claus zerknirscht: „Unser erster Gedanke war, krass, das geht gar nicht.“ Das Start-up ist neben den Bio-Tampons und der Menstruationstasse vor allem für das soziale Engagement bekannt. Mit „The Tampon Book“ hatten die zwei Gründerinnen aus Stuttgart erreicht, dass Periodenprodukte nur noch mit sieben Prozent Mehrwertsteuer belegt werden und nicht mit mehr mit 19 Prozent. „Als The Female Company ist es unsere Mission, Frauen zu unterstützen. Außerdem fördern wir Freelancer seit Beginn unserer Kampagne. Die meisten Designboxen sind von Illustratorinnen gestaltet, deren Unterschrift auf der Box zu sehen ist und die auf Social Media ihre Geschichte erzählen.“ Der Vorwurf muss da einem Schock gleichgekommen sein.

„Es wurde keine Idee geklaut“

Aber was ist nun dran an den Plagiatsanschuldigungen? Auf Anfrage von MEEDIA erklärt Sonja Petersmeier, Head of Corporate Communications bei Scholz & Friends, dass man über die Vorwürfe genauso überrascht war, wie die Gründerinnen bei The Female Company. Aber man ist sich sicher: „Es wurde keine Idee geklaut.“  Die Erklärung dazu: Laut eigenen Aussagen wurde im Bewerbungsverfahren eine andere Kandidatin bevorzugt, die ihre Idee One Girl, One Cup bereits am 22. Januar eingereicht hat. Also sieben Tage vor Eingang der Mail von Pavlina Vlachopoulou. „Es handelt sich hier also um den Fall einer kreativen Doppelschöpfung auf Basis eines identischen Briefings. Es war von keiner Seite böse Absicht im Spiel, sondern der Zufall“, erklärt Petersmeier in der offiziellen Stellungnahme. Außerdem bedauere man sehr, „dass durch diesen Zufall bei Pavlina ein falscher Eindruck entstehen konnte. Auch, weil wir dieses Missverständnis hätten verhindern können, wenn wir Pavlina vor Veröffentlichung noch einmal über die Doppelschöpfung informiert hätten.“ In dem Schreiben, dass MEEDIA vorliegt, steht von Seiten Scholz & Friends das Angebot, Pavlina Vlachopoulou „in die künftigen Credits der Kampagne“ aufzunehmen. Zugleich freue man sich „über ein Gespräch mit Pavlina und allen anderen Beteiligten.“ Auch The-Female-Company-Co-Gründerin Claus sieht das ähnlich, man ist bereits im intensiven Austausch mit „Pavlina und mit der Mitarbeiterin von Scholz & Friends.“ Außerdem sind sie mit Pavlina übereingekommen, „dass sie einen Anwalt einschaltet, damit wir abschließend die Faktenlage klären können.“ The Female Company suchte außerdem den Austausch mit der Community und Vlachopoulou selbst auf der Plattform, auf der alles startete, auf Instagram.

https://www.instagram.com/p/CBnp_FdnwY_/

Pavlina Vlachopoulou selbst konnte MEEDIA für ein persönliches Statement nicht erreichen. Inzwischen hat sie aber auf Instagram einen weiteren Beitrag gepostet, in dem sie sich für die entgegengebrachte Solidarität bedankt. Auch auf die Erklärung von Scholz & Friends geht Vlachopoulou ein, setzt in der Sache auf Transparenz, merkt aber an, dass eine „Idee nur bis zu einem bestimmten Grad so identisch sein kann.“ Treffe die Scholz & Friends-Version der Geschehnisse zu, dürfe man nicht die Arbeit anderer Kreativer diskreditieren. Sie macht aber auch klar, dass die Kreativindustrie einen Wandelbenötigt,unabhängig vom Ausgang in der Angelegenheit.

https://www.instagram.com/p/CBoOmJXleM6/

Am Ende bleiben also einige Fragen: Wie offen arbeiten Agenturen mit Bewerbern als Ideengeber, wie kommunizieren sie über die Entstehungsprozesse mit ihren Kunden? Gibt es ein Problem im Machtgefälle Bewerber-Agentur? Wie wird der Entstehungsprozess in der Urheberschaft widergespiegelt? Klar scheint aus diesem Fall: Es braucht eine umfassende Transparenz und eine klare Zuordnung von Ideen, auch aus der Entstehungsphase.

Die „The Female Company“-Kampagne „One Girl, One Cup“

Aus dem Problem, dass das Startup mit der Werbung für ihre Menstruationstassen auf Instagram gesperrt wurde, hat man kurzerhand eine Tugend gemacht. Dem Lifestyle-Portal waren die Inhalte, die Nutzerinnen erklären sollen, wie die Menstruationstassen richtig genutzt werden, zu explizit. Sie wurden als pornographisch blockiert. Die Konsequenz: The Female Company ist einen Schritt weiter gegangen. Unter dem augenzwinkernden Titel One Girl, one Cup – eine Anspielung auf den berüchtigten pornografischen Viralhit von 2007 Two Girls, one Cup – wurde ein Tutorial in drei Teilen veröffentlicht, diesmal wirklich explizit, und diesmal nicht auf Instagram, sondern auf Pornhub. Mit dem Tabubruch sollte ein weiteres Tabu gebrochen werden, so The Female Company auf Instagram. 

https://www.instagram.com/p/CBir4w7oGkr/

Gesellschaftserfolg mit „The Tampon Book“

Die vergangenen Kooperationen der Berliner Agentur mit dem Femcare-Start-up sorgten bereits für ein großes Echo. Das Tampon-Book etwa war nicht nur eine gelungene Verpackung für die Bio-Tampons der Marke. Es war ein Clou. Denn auf Bücher werden nur 7 Prozent Mehrwertsteuer erhoben, auf die notwendigen Hygieneartikel aber 19 Prozent. Für die Kreation gab es die richtige Aufmerksamkeit. Der Bundestag hat inzwischen die Senkung der Mehrwertsteuer für Periodenprodukte beschlossen. Die Idee zu The Tampon Book konnte mehrere Kreativpreise für sich verbuchen.    

https://www.instagram.com/p/B7q5dmQo6tO/

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