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Streit um provokante Taz-Kolumne

Polizeigewerkschaft erstattet Strafanzeige gegen die Taz

Polizistin an der deutsch-österreichischen Grenze in Freilassing, Foto: imago images / Sven Simon

Wegen eines provokanten Artikels, der bei der Taz erschienen ist, erstattet die Deutsche Polizeigewerkschaft nun Strafanzeige gegen die Zeitung. Der Vorwurf: Volksverhetzung

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In dem Beitrag „All cops are berufsunfähig“ unterstellt die Autorin Hengameh Yaghoobifarah der deutschen Polizei ein „Fascho-Mindset“ und sinniert darüber, welche Jobalternativen es für die Beamten gäbe, sollte der Kapitalismus irgendwann fallen. Die Autorin schreibt unter anderem: „Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen“. Ihr Fazit lautet: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie.“  

Der Beitrag sorgte auch in den sozialen Medien für reichlich Gegenwind, Begriffe wie „menschenverachtend“ fielen. In der NZZ schrieb Berlin-Büroleiter Marc Felix Serrao, die ansonsten kluge Taz sei „bis auf weiteres“ ein Blatt, „das menschenfeindlichen Clickbait-Müll publiziert“.  Unterstützung für die Autorin kam dagegen von Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen. Er schrieb auf Twitter: „Guter Text, der den richtigen Leuten gegen den Strich geht. Danke“. 

Der Beitrag entstand unter dem Eindruck der Black Lives Matter-Proteste, die nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd im Zuge eines Polizeieinsatzes international adaptiert wurden. Während der Großteil der Demonstranten in den USA friedlich blieb, nutzten andere die Gelegenheit für Plünderungen, Vandalismus und Gewalt gegen Polizeibeamte. Trauriger Höhepunkt der Proteste in den USA war der Tod des ehemaligen Polizisten David Dorn, der, selbst Afroamerikaner, während der Unruhen erschossen wurde.

Die Autorin des Textes, Hengameh Yaghoobifarah, studierte Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und in Linköping. Sie arbeitet, so heißt es bei der Taz, „als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik“.

Hinweis: In einer früheren Version stand, dass der Artikel als „Satire“ gekennzeichnet war. Das ist nicht korrekt. Er kann als solche zwar interpretiert werden, wurde aber nicht explizit als solche benannt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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