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Wall Street immer optimistischer

Neues 16-Jahreshoch: New York Times geht gestärkt aus Corona-Krise hervor

Das Verlagsgebäude der New York Times in der Eigth Avenue in Manhattan

Es läuft und läuft bei der New York Times. Gestern markierte der Mutterkonzern der vielleicht besten Zeitung der Welt erst ein frisches 16-Jahreshoch. Großbank JP Morgan sieht unterdessen weiteres Kurspotenzial – weil das dynamische Abonnentenwachstum anhält und die jüngsten Preisanhebungen der Digitalausgabe angenommen werden.

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Die Befürchtungen waren nahezu apokalyptisch. Die Corona-Krise würde zu den schlimmsten wirtschaftlichen Verwerfungen seit dem Zweiten Weltkrieg führen, die die Medienbranche wegen ihrer Abhängigkeit vom Werbemarkt überhart treffen würden – das war noch vor Monaten die Hypothese.

Branchenprimus New York Times wies selbst als eines der ersten Unternehmen auf die Folgen der Corona-Krise hin. Anfang März teilte die New York Times Company in einer Pflichtmitteilung mit, dass man “gewisse wirtschaftliche Folgen zu spüren” begonnen habe.

New York Times-Aktie notiert auf 16-Jahreshoch

Die Folgen in Dollar und Cent fielen in der Geschäftsbilanz für das erste Quartal dennoch moderat aus, weil das Abonnentengeschäft boomte wie noch nie. Die Folge: Die Wall Street hakte die möglichen Folgen der Corona-Krise schnell ab, die Käufer kehrten zurück.

Rund 100 Tage nach Ausbruch der Corona-Pandemie in der westlichen Welt ist bei Anlegern die Zuversicht längst wieder zurückgekehrt – und zwar in aller Vollständigkeit. Gestern erst markierte die Aktie der New York Times bei Kursen von 42 Dollar nicht nur den höchsten Stand 2020, sondern tatsächlich seit 16 Jahren! Seit Jahresbeginn liegen die Anteilsscheine der NYT unterdessen enorme 29 Prozent vorne. Krise, war da was?

JP Morgan hebt Kursziel auf 50 Dollar an

Auch auf Analystenseite steigt unterdessen der Optimismus. Die Wall Street-Institution JP Morgan erneuerte gestern ihre Einschätzung, die Aktie der New York Times Company überzugewichten.

Analystin Alexia Quadrani sieht unterdessen nach dem Erreichen des bisherigen Kursziels weiteres Potenzial und hat entsprechend die Zielmarke auf nunmehr 50 Dollar angehoben, die einem weiteren Kurszuwachs von knapp 20 Prozent entspricht. Mehr noch: Auf diesem Kursniveau würde der Mutterkonzern der 169 Jahre alten Qualitätszeitung gar auf dem höchsten Stand ihrer Börsenhistorie notieren!

Berichterstattung über Anti-Rassismus-Proteste bringen neuen Abonnentenschub

Quadrani sieht dabei in ihrer Kurzstudie, die dem Finanzportal Marketwatch vorliegt, zwei Katalysatoren für eine verbesserte Geschäftsentwicklung. Einerseits geht die JP-Morgan-Analystin davon aus, dass die Corona-bedingten Kürzungen bei den Werbeausgaben in der Medienindustrie im April ihren Höhepunkt erreicht haben dürften.

Vor allem jedoch rechnet Quadrani weiter mit anhaltend hohem Abonnentenwachstum, das in den vergangenen Jahren der Schlüssel der Geschäftsentwicklung war. Zwar hätten die Downloads der NYT-App und die Zahl der monatlich aktiven Nutzer seit dem Höhepunkt der Pandemie im März/April nachgegeben, befänden sich jedoch nach den jüngsten Protesten gegen Rassismus, die durch den Tod von George Floyd ausgelöst worden waren, wieder deutlich im Aufwärtstrend.

Preisanhebung wird angenommen

„Die jüngsten Proteste haben offenkundig zu einer Beschleunigung in beiden Metriken (Downloads und monatlich aktive Nutzer – Anmerkung der Redaktion) beigetragen“, schreibt die JP Morgan-Analystin in ihrer Studie.

Zudem will Alexia Quadrani ausgemacht haben, dass die im März eingeführte Anhebung des monatlichen Digital-Abopreises der „Gray Lady“ von 15 auf 17 Dollar gut angenommen werde. Bereits 690.000 Bestandskunden hätten ihr Abonnement zu den neuen Konditionen verlängert.

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