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Social Media-Kontroverse

Snapchat verbannt Donald Trump aus Discover-Bereich

Klare Kante gegen den US-Präsidenten. Nach Twitter zeigt auch Snapchat Donald Trump die Grenzen im Social Media-Bereich auf. Der Stories-Anbieter berücksichtigt das Konto des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht länger im Discover-Bereich, in dem die Beiträge von Prominenten und Medien angezeigt werden. Hintergrund ist Trumps Rolle bei der jüngsten Protestwelle in den USA

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Es ist ein starkes Statement: „Wir werden kein Verstärker für Stimmen sein, die zu rassistischer Gewalt und Ungerechtigkeit anstiften, indem wir ihnen kostenlose Werbung bei Discover gewähren“, erklärte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Snap.

Der in den sozialen Medien sehr präsente US-Präsident findet bei Snapchat ab sofort nicht mehr im reichweitenstarken Herzstück des Stories-Anbieters Beachtung, in dem die Beiträge von Prominenten und Medien hervorgehoben werden. Gleichwohl ist Donald Trumps Snapchat-Konto „realdonaldtrump“, das 1,5 Millionen Follower zählt, weiter erreichbar.

Evan Spiegel: „Wir verurteilen Rassismus. Wir müssen tiefgreifenden Veränderungen huldigen“

Der Schritt ist als Snaps Antwort auf die Rolle des US-Präsidenten bei den seit mehr als einer Woche andauernden Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten zu verstehen. CEO Evan Spiegel hatte sich zu Beginn der Woche klar positioniert. „Wir verurteilen Rassismus. Wir müssen tiefgreifenden Veränderungen huldigen“, schrieb Spiegel in einem 2000 Worte langen Beitrag mit dem Titel „Wir stehen zusammen“.

In seinem Memo an die Belegschaft hatte Spiegel bereits Folgen anklingen lassen. „Wir werden mit unseren Handlungen klarmachen, dass es keine Grauzone gibt, wenn es um Rassismus, Gewalt und Ungerechtigkeit geht“, schrieb der Snap-Chef am Montag.

Donald Trump gerät in den sozialen Medien unter Druck

„Wir können nicht Konten in den USA prominent anzeigen, die auf Leute verweisen, die zu rassistischer Gewalt anstiften, egal ob auf unserer Plattform oder woanders“, erklärte Spiegel. Auslöser für die Entscheidung war ein Tweet des US-Präsidenten vom 30. Mai, in dem Trump erklärte, Demonstranten würden mit den „teuflischsten Hunden und bedrohlichen Waffen“ begrüßt werden, falls sie sich dem Zaun des Weißen Hauses näherten.

Für Donald Trump ist die Herabstufung bei Snapchat bereits der zweite Nackenschlag im Social Media-Segment in wenigen Wochen. Ende Mai hatte Twitter damit begonnen, Tweets des US-Präsidenten einem Faktencheck zu unterziehen. Der 73-Jährige reagierte darauf wenig begeistert. „Twitter unterdrückt die Redefreiheit völlig, und ich als Präsident werde das nicht zulassen“, wetterte Trump auf Twitter.  

Trump-Team: „Snapchat versucht, die Wahl zu manipulieren“

Fast unisono fiel nun das Echo auf die Verbannung aus Snapchats Discover-Bereich aus, der in der deutschen Version „Entdecken“ heißt und mit dem Newsfeed bei Facebook vergleichbar ist. „Snapchat versucht, die Wahl zu manipulieren“, behauptete Trumps Wahlkampfmanager Brad Parscale umgehend in einem Statement und nannte Snap-CEO Spiegel „radikal“.

Wie wichtig Snapchat für die Wahlkampfstrategie des US-Präsidenten ist, hat unterdessen Bloombergs Tech-Reporterin Sarah Frier herausgearbeitet. „Wegen des Coronavirus wird Snapchat bei jungen Wählern sehr wichtig werden. Und Trumps Wahlkampagne gewann dort an Dynamik – vor allem durch Inhalte, die im Discover-Bereich erschienen sind“, wies Frier auf die Bedeutung der neun Jahre alten Social Media-App hin, die es inzwischen auf 229 Millionen täglich aktive Nutzer – und damit mehr als Twitter – bringt.

An der Wall Street kam Snaps Entscheidung mit zwischenzeitlichen Kursverlusten von mehr als drei Prozent zunächst nicht gut an, bedeutet die Maßnahme doch möglicherweise auch Werbeeinbußen. Gegen Ende des Handels hatte sich die Snap-Aktie indes wieder fast vollständig erholt.

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