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Sedat Polat

Sie sind krank? Hm!

Sedat Polat – Foto: Audienceproject; Montage: Meedia

Ein Jobangebot, das die Lösung aller Probleme verspricht – für dich, deine Frau und dein Baby. Denkste! Sedat Polat erzählt von seinem schlimmsten Job.

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Keine Wohnung, keine Möbel, kein Krankenhaus, keine Hebamme, kein Kinderwagen und auch kein Job – miserable Bedingungen für einen Neustart, ich weiß. Meine hoch-schwangere Frau und ich hatten Dubai im Herbst 2011 den Rücken gekehrt und wollten zurück nach Deutschland. Wie es weitergehen sollte? Das wussten wir nicht. Und dann meldete sich ein vielversprechendes Startup aus Berlin. Dafür lehnte ich sogar ein besser bezahltes Angebot in Frankfurt am Main ab.

Das Beste daran: Ich konnte schon in wenigen Wochen anfangen. Viele Probleme, so meine Hoffnung, wären dadurch im Nu gelöst. Beide Chefs hatten viel Verständnis für meine Situation gezeigt und mir genügend Freiraum versprochen. Das Wichtigste: Zu Beginn könnte ich auch während der Arbeitszeit von zu Hause aus Wohnungsannoncen durchsuchen.

Denn für den Übergang hatte ich nur eine WG gefunden; nicht gerade das, was man sich für seine bald dreiköpfige Familie wünscht. Leider wurde ich zwei Tage nach Arbeitsantritt krank, nicht schwer, aber so, dass ich erst am folgenden Montag wieder zur Arbeit gehen konnte – und am Dienstag darauf wurde ich dann zu einem Gespräch mit meinen Vorgesetzten gebeten. Ihr erster Vorwurf, ich würde zu viel Zeit für „private Angelegenheiten“ aufwenden. Ihr zweiter Vorwurf, es hätte doch „ein Geschmäckle“, dass ich nach wenigen Tagen krank geworden sei. Ihre Drohung: Wenn das so weiterginge, müssten sie mir kündigen. Ich habe mich völlig vor den Kopf gestoßen gefühlt. Hatten wir nicht eine Abmachung bezüglich „privater Angelegenheiten“ getroffen? Wird Kranksein hier immer argwöhnisch betrachtet? Hier konnte und wollte ich nicht bleiben, so viel stand fest. Glücklicherweise hatte ich noch ein weiteres Angebot einer Berliner Firma auf dem Tisch. Ich fackelte nicht lang, zog die Reißleine – und das war gut so. Denn bei diesem Arbeitgeber blieb ich dann, fast acht Jahre.

Sedat Polat ist Country Director DACH beim Marktforschungsunternehmen Audienceproject.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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