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Streit geht weiter

Bild soll Drosten-Mitarbeiter „in die Irre geführt“ haben

Professor Christian Drosten von der Berliner Charité Foto: Imago

Der Konflikt zwischen der Bild und dem Virologen Christiane Drosten geht weiter. Drosten erklärte, die Zeitung habe einen seiner Mitarbeiter „in die Irre geführt“, um eine interne Kritik zu konstruieren

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Der Streit zwischen dem Virologen Christian Drosten und der Bild-Zeitung eskalierte gestern, als die Bild in einer Titelgeschichte eine Studie von Drostens Team an der Berliner Charité scharf angriff (MEEDIA berichtete). Die Bild nahm dabei Zitate von anderen Wissenschaftlern, die teilweise Kritik an Drostens Studie zur Infektiosität von Kindern beim Corona-Virus geübt hatten, gab diese verzerrt wider und riss die Zitate aus dem Zusammenhang. Die von Bild zitierten Wissenschaftler distanzierten sich umgehend von dieser Art der Berichterstattung.

Update der Studie

Drosten selbst machte die Anfrage eines Bild-Redakteurs publik, der ihm nur eine Stunde für eine Stellungnahme zu den schwerwiegenden Vorwürfen der Zeitung einräumte. In seinem Podcast Das Coronavirus-Update nahm Drosten gestern Stellung zu dem Vorfall. Er erklärte, Statistiker hätten begründete kritische Anmerkungen zu der Studie gehabt, die teilweise schon in die Studie eingearbeitet worden seien. Die Studie selbst ist noch gar nicht offiziell publiziert, sondern befindet sich nach wie vor in einem Vor-Veröffentlichungsstadium.

Auf Twitter teilte Drosten zudem mit, die Bild habe einen Mitarbeiter von ihm „in die Irre geführt“. Dieser habe der Zeitung mitgeteilt, dass an einem Update der Studie gearbeitet würde. Daraus habe die Zeitung dann eine „interne Kritik“ gemacht. Die Bild selbst veröffentlichte einen Artikel dazu mit einer langen Stellungnahme der Charité. Daraus geht hervor, dass die Bild mit dem Statistik-Mitarbeiter aus Drostens Team ein Hintergrund-Gespräch geführt hat. Die Charité stellt klar: „Wir arbeiten derzeit an einer Weiterentwicklung der Studie mit verbesserten statistischen Methoden. Die Verbesserung führt zu keiner Veränderung der Aussage der Studie, sondern bekräftigt diese noch weiter.“

Streit um „Hintergrundgespräch“

Der Mitarbeiter sei sich nicht bewusst gewesen, „in einer Interview- oder Äußerungssituation zu sein“, so die Charité. Der Journalist habe das Gespräch explizit als „off the record“–Hintergrundgespräch bezeichnet. Bild erklärt, aus diesem Grund, die Aussagen des Mitarbeiters auch nicht zitiert zu haben.

Drosten und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach machten unterdessen auf Twitter öffentlich, dass sie inzwischen Droh-Pakete von Unbekannten erhalten haben.

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