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Wissenschaft vs. Boulevard

Streit zwischen Virologe Drosten und der Bild eskaliert

Professor Christian Drosten von der Berliner Charité Foto: Imago

Die Bild berichtet in reißerischer Aufmachung über eine angeblich „grob falsche“ Studie des Virologen Christian Drosten. Von der Zeitung als Zeugen herangezogene Wissenschaftler distanzierten sich allerdings von der Berichterstattung. Drosten selbst machte die Bild-Anfrage auf Twitter öffentlich

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Die Bild plane eine „tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang“, schrieb Drosten gestern auf Twitter. Er habe „Besseres zu tun“, als zu antworten. Dazu veröffentliche er einen Screenshot der E-Mail des Bild-Redakteur Filipp Piatov, in einer ersten Version samt dessen Handynummer. Später tauschte Drosten das Bild gegen eines aus, auf dem die Nummer nicht mehr zu erkennen war. In der Mail gibt der Bild-Mann Drosten nur eine Stunde Zeit, auf die Fragen zu antworten.

Kurz nach Drostens Tweet ging der Bild-Artikel von Piatov online. Im Text werden die Wissenschaftler Leonhard Held von der Uni Zürich, Dominik Liebl von der Uni Bonn, Christoph Rothe von der Uni Mannheim und Jörg Stoye von der Cornell University in New York mit Kritik an der Studie, die von Drosten und seinem Team an der Berliner Charité erstellt wurde, zitiert. In der Studie geht es darum, ob Kinder in Sachen Corona-Virus weniger ansteckender sind als Erwachsene. Die Studie, die im Rahmen einer Vor-Publikation noch ohne wissenschaftliche Begutachtung veröffentlicht worden war, kam zum Ergebnis, dass Kinder genauso ansteckend sind wie Erwachsene.

Aus dem Zusammenhang gerissen

Drei der vier zitierten Wissenschaftler – Liebl, Rothe und Stoye – haben sich mittlerweile deutlich von der Bild-Berichterstattung distanziert. Der Statistiker Stoye gab dem Spiegel ein Interview, in dem er erklärt, dass seine Zitate aus einem wissenschaftlichen Aufsatz entnommen und von Bild teilweise sinnentstellend übersetzt und aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Inhaltlich halten er und seine Kollegen an ihre Kritik an der Studie teils aber fest. Tatsächlich ist es im Wissenschaftsbetrieb üblich, dass in Aufsätzen und im Review-Verfahren auch deutliche Kritik an Studien geäußert wird. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Studien an sich „grob falsch“ oder „komplett daneben“ sind, wie die Bild schrieb. Zumal die Zeitung andeutet, Drosten habe mit der Studie womöglich absichtlich auf ein bestimmtes Ergebnis hingearbeitet.

Die aktuelle Berichterstattung der Bild passt zu früheren Artikeln, in denen die Zeitung Drosten immer wieder in verzerrender Art und Weise anging, wie das Bildblog dokumentierte. In den sozialen Medien wurde vor allem die extrem knappe Frist von nur einer Stunde kritisiert, die der Bild-Redakteur Piatov Drosten zum Antworten gab. Bild-Chefredakteur Julian Reichelt erklärte später auf Twitter, Drosten hätte „um Fristverlängerung bitten“ können.

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