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Dank Streaming-Boom

Warner Music Group wagt Börsengang zu vierfacher Bewertung von 2011

Warners Aushängeschild: der britische Popsänger Ed Sheeran

Es ist ein bemerkenswerter Hoffnungsschimmer nach knapp drei Monaten in der Corona-Schockstarre: Die Warner Music Group, bis Mitte der Nullerjahre ein Teil des Mediengiganten Time Warner, hat heute ihre Rahmendaten für einen erneuten Börsengang an der Wall Street bekannt gegeben. Erstaunlich ist dabei die Bewertung, die das enorme Comeback der eigentlich totgesagten Branche dank des Streaming-Booms unterstreicht

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Das Ende schien nah. Seit 2001 befand sich die jahrzehntelang erfolgsverwöhnte Musikindustrie im Sinkflug. Die CD hatte ausgedient, der Siegeszug des Internets begonnen. Als Steve Jobs der darbenden Branche 2004 in Form des iTunes Music Stores einen Rettungsanker hinwarf, war der Gewinn nur dem wiedererstarkten Tech-Pionier gewiss. 

„Das wird als Wendepunkt für die Musikbranche in die Geschichte eingehen“, war sich Jobs sicher. Die Prophezeiung des Apple-Gründers stimmte – nur nicht wie es sich die verzwergten Major Labels gewünscht hatten. Der Schulterschluss mit der Popkultur half vor allem Apple, mehr iPods und später iPhones zu verkaufen, während die selektiven Downloads die Umsätze der Musikindustrie pulverisierten.

WMG: Von Time Warner verstoßen, von Access zum Schnäppchenpreis übernommen

Der lange Abstieg war an der Wall Street nachzuverfolgen. Der 1929 gegründete Musikpionier Warner Music Group (WMG) wurde 2004 vom Mutterkonzern Time Warner abgestoßen und separat an die Börse gebracht. Nach fortschreitendem Niedergang an den Aktienmärkten wurde die WMG , die zu den drei größten Labels der Branche zählt, schließlich 2011 vom Private Equity-Investor Access Industries übernommen – für gerade noch 3,3 Milliarden Dollar. Es folgte ein Delisting.  

Das Investment des russischstämmigen US-Milliardärs Len Blavatnik sollte sich mehr als auszahlen. Knapp eine Dekade später wagt die Warner Music Group nämlich ihre Rückkehr an die Kapitalmärkte. Der 91 Jahre alte Branchenpionier hat heute seine Pläne zum IPO an der Technologiebörse Nasdaq konkretisiert. 

Bewertung von über 13 Milliarden Dollar angestrebt

So bietet WMG zeichnungswilligen Anlegern Aktien in einer Preisspanne zwischen 23 und 26 Dollar an.  Am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne würde Warner Music mit der bemerkenswerten Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar an der Nasdaq debütieren – mehr als das Vierfache des Niveaus von 2011.   

Warners Bewertungsexplosion dokumentiert eindrucksvoll das Comeback der einst abgeschriebenen Branche, die vor allem vom Streaming-Boom profitiert. So werden 80 Prozent der Umsätze inzwischen durch die Vergütungen der Streaming-Plattformen generiert. In Deutschland ist die Musikindustrie 2019 etwa dank der Lizenzgebühren von Spotify, Apple Music & Co.  um mehr als acht Prozent gewachsen.  

Signalwirkung für die gesamte Medienbranche

Gleichzeitig ist der unmittelbar bevorstehende Börsengang der Warner Music Group ein viel beachteter Fingerzeig nach drei Monaten Corona-Dauerkrise. Ursprünglich wollte das US-Major-Label bereits im März wieder an die Börse gehen, hatte das IPO dann aber wegen des Pandemieausbruchs verschoben. Gelingt der Börsengang nun im zweiten Anlauf, könnte davon eine Signalwirkung für die gesamte Medienbranche ausgehen.

An der Wall Street ist der Optimismus unterdessen schneller als erwartet zurückgekehrt. GAFA-Giganten wie Amazon und Facebook haben ebenso längst wieder neue Allzeithochs aufgestellt wie die digitalen Medienchampions Netflix und Spotify. Auch die New York Times ist wieder in Schlagdistanz zu den im Februar aufgestellten 15-Jahreshochs. 

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