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Ein "Widerstandsjournalist“

#MeToo: NYT wirft Starjournalist Farrow handwerkliche Fehler vor

Starjournalist Ronan Farrow, Foto: imago images / UPI Photo

Mit seinen Recherchen hat der Journalist Ronan Farrow maßgeblich zum Missbrauchsskandal um Harvey Weinstein beigetragen – und damit in der Konsequenz auch die #MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht. Die New York Times zweifelt nun an seiner Integrität

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In der New York Times wirft der Medienjournalist Ben Smith dem Pulitzerpreisträger vor, in der Causa Weinstein und weiteren Artikeln, in denen der sich mit Fällen von Macht und Missbrauch beschäftigt hatte, lückenhaft gearbeitet und die Mängel bis heute nicht offengelegt zu haben. Farrow, schreibt Smith in „Ist Ronan Farrow zu gut, um wahr zu sein?“, habe seinen Namen zu einer Marke als „Widerstandsjournalist“ ausgebaut, der Verschwörungen andeute, aber keine ausreichenden Belege liefere. Smiths Fazit lautet: Farrow hat das erzählt, was die Leser glauben wollten.

Farrows Recherchen zu Weinstein sind im New Yorker erschienen. Farrow, so Smith, habe allerdings Vorwürfe eines mutmaßlichen Weinstein-Opfers nicht ausreichend geprüft. Ähnliches habe sich bei Farrows Recherchen über den NBC-Moderator Matt Lauer zugetragen, dem später wegen sexueller Belästigung gekündigt wurde. Auch die Unterstellung, Weinstein habe NBC – wo Farrows zu dieser Zeit tätig war – erpresst, nicht über seinen Fall zu berichten, seien nicht korrekt. Farrows hatte berichtet, Weinstein habe im Gegenzug angeboten, pikante Informationen über Lauer für sich zu behalten.

Smith kritisiert allerdings nicht nur die Artikel Farrows, sondern auch ein Buch, in dem Farrow diese und weitere Fälle dokumentiert. Darunter ein angeblicher Überredungsversuch einer Mitarbeiterin von Hillary Clintons Wahlkampfteam, die Sache mit Weinstein für sich zu behalten. Auch dies sei nicht korrekt, sagt Smith.

In den USA schlägt der Fall derzeit hohe Wellen. Der New Yorker reagierte auf Smiths Artikel in der New York Times mit einer umfangreichen Gegendarstellung. Der Chefredakteur der Website, Michael Luo, wirft Smith nun vor, eine Geschichte über Farrows zu erzählen – und hier schließt sich der Kreis – ohne ausreichend Belege zu liefern.

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