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Benjamin Fredrich

So. Oder so. Oder doch anders?

Benjamin Fredrich – Foto: privat; Montage: Meedia

Ein Kunde, der nicht weiß, was er will. Außer: nicht zahlen. So lief es bei Benjamin Fredrichs schlimmstem Job.

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Das könnte der größte Auftrag sein, den wir bisher an Land gezogen haben! 9000 Euro schreibe ich ins Angebot, extra großzügig berechnet. Damit wir was davon haben, wenn wir schon von der Arbeit am eigenen Magazin abgehalten werden. Zwei Wochen später kommt die Zusage und wir freuen uns, endlich keine Geldsorgen mehr haben zu müssen. Was sich der Auftraggeber wünscht? Eine Broschüre. Jung soll sie sein, dynamisch und bunt. Genial, genau unser Ding! Bekommen wir hin. Dachten wir jedenfalls. Wir arbeiten zu dritt an dem Teil, sind nach einem Monat mit dem ersten Entwurf fertig und zeigen es dem Auftraggeber. Kritik: „Da sind ja viel zu viele junge Leute in der Broschüre! Das ist irgendwie alles viel zu bunt. Also so haben wir uns das nicht vorgestellt.“ Ich gucke in meine Unterlagen. „Hattet ihr nicht gesagt: jung, dynamisch und bunt?“ Auftraggeber: „Ja, aber doch nicht so jung und so bunt. So haben wir uns das nicht vorgestellt.“

Zweite Visite vom Auftraggeber: „Ja, also … Das muss alles nochmal überarbeitet werden. Unsere Chefin will das ganz anders, wir wissen aber noch nicht wie.“ Es folgen zwei Wochen voller Änderungen und Unklarheit. Am Ende wird das Projekt einvernehmlich abgebrochen. Aber wir wollen mindestens zwei Drittel des Geldes, denn wir haben ja fast zwei Monate daran gearbeitet. Ich vereinbare einen Termin. Ich stehe vor dem Hauptsitz des Auftraggebers. Ein alter Punker aus Greifswald läuft mir über den Weg. Ich rufe: „Du im Anzug? Haha. Was soll der Scheiß?!“ Er antwortet, er sei jetzt Justiziar und müsse gleich eine Verhandlung führen: Es gehe um eine Broschüre, die nicht fertig geworden ist und trotzdem bezahlt werden soll. Seitdem lehnen wir über 95 Prozent aller Auftragsarbeiten ab.

Benjamin Fredrich ist Chefredakteur von Katapult. Er hat das Magazin 2015 in Greifswald an der Ostsee gegründet.


Auch schon mal dem Grauen ins Gesicht geschaut? Schreiben Sie uns: meinschlimmsterjob@meedia.de

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