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ProSiebenSat.1

US-Finanzinvestor KKR steigt wieder ein

Foto: P7S1

Das Fernsehkonglomerat ProSiebenSat.1 weckt zunehmend die Begehrlichkeiten von Großinvestoren. Nachdem der italienische Fernsehmulti Mediaset und die tschechische Investorengruppe Czech Media Group ihre Anteile am MDax-Konzern zuletzt aufgestockt hatten, ist nun auch der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) wieder Großaktionär der Münchner. KKR sicherte sich zunächst rund 5 Prozent der Anteile. Die Amerikaner sind ein altbekannter Anteilseigner, der bereits zwischen 2006 und 2014 investiert war.

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KKR sicherte sich zunächst rund 5 Prozent der Anteile. Die Amerikaner sind ein altbekannter Anteilseigner, der bereits zwischen 2006 und 2014 investiert war.

Die Aufstiegs-und-Fall-Geschichte war hollywoodreif. Bei Kursen auf Pennystock-Niveau notierten die Aktien der ProSiebenSat.1 SE (P7S1) vor ziemlich genau elf Jahren, ehe eine schier mirakulöse Wiederauferstehung an der Börse mit einem Kursplus von über 5000 Prozent einsetzte.

Das Börsenmärchen hielt allerdings nur sechs Jahre. Seit Ende 2015 haben Aktionäre des Münchner Fernsehkonglomerats (ProSieben, Sat.1, Kabel 1, u.a.) nämlich im beschleunigten Maße Kursverluste zu beklagen. Knapp zwei Monate ist es her, als die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 auf dem Höhepunkt des Corona-Crashs bei Kursen von 5,72 Euro auf dem tiefsten Stand seit über einer Dekade notierten. Wie gewonnen, so zerronnen. Wenige Tage später folgte zudem die überraschende Demission von Vorstandschef Max Conze.

Mediaset und Czech Media Group bauen Beteiligungen aus

Dass die Kursturbulenzen Investoren nicht vor einem Engagement abgeschreckt haben, machten die Zukäufe von Großaktionären in den vergangenen Monaten deutlich. Der vom früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gegründete Medienkonzern Mediaset hat seine Anteile an ProSiebenSat.1 in den vergangenen Wochen sukzessive auf 24,2 Prozent ausgebaut.

Zwei Monate zuvor wurde bekannt, dass auch die tschechische Investorengruppe Czech Media Invest, die u.a. mit 49 Prozent an der französischen Qualitätszeitung „Le Monde“ beteiligt ist, ihren Anteil an den Münchnern auf über zehn Prozent aufgestockt hat.

KKR: „Ein finanzielles Investment“

Auch ein anderer Investor sieht offenkundig in den ermäßigten Bewertungen der vergangenen Monate einen Investitionsgrund. Private Equity-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), von der Politik in den Nullerjahren als “Heuschrecke” verschrien, hat überraschend ebenfalls einen größeren Anteil am MDax-Mitglied erworben.

Wie der Finanzinvestor am Abend gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigte, hat sich KKR “dazu entschieden, im Rahmen eines finanziellen Investments wieder bei ProSiebenSat.1 einzusteigen.” Die Größenordnung des Engagements ist mit 5,21 Prozent, die einem Wert des Aktienpakets von aktuell 110 Millionen Euro entsprechen, zwar übersichtlich, doch die Botschaft, die beim Investment mitschwingt, ist eindeutig.

P7S1-Aktie mit 80-Prozent-Comeback in zwei Monaten

“Wir sind davon überzeugt, dass das Unternehmen am Kapitalmarkt derzeit unterbewertet ist”, wird der Private Equity-Investor zitiert. Die Botschaft kam an den Finanzmärkten umgehend an. Die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 legten in Reaktion auf den Neueinstieg des Großinvestors gleich um fünf Prozent auf wieder 10,20 Euro zu.

Das ist der höchste Stand, den die Papiere des 20 Jahre alten Medienhauses seit zwei Monaten gesehen haben. Gegenüber den 10-Jahrestiefs Mitte März hat die P7S1-Aktie damit binnen acht Wochen um knapp 80 Prozent zulegt. Seit Jahresbeginn liegen die Anteilscheine des ersten Medienunternehmens, das es jemals in die erste Börsenliga Dax geschafft hatte (2015 bis 2018), allerdings immer noch um 27 Prozent hinten.

KKR war bereits acht Jahre Großinvestor bei P7S1

Für KKR ist es bereits der zweite Einstieg in den deutschen Fernsehpionier. Von 2006  bis 2014 war der amerikanische Private Equity-Investor schon einmal an ProSiebenSat.1 beteiligt und musste in der großen Finanzkrise 2008/09 mitansehen, wie das Investment dramatisch an Wert verlor. Fünf Jahre später folgte der Exit im Plus.

Der 44 Jahre alte Private-Equity-Investor, der ein Vermögen von knapp 200 Milliarden Dollar verwaltet, hat sein Engagement in der deutschen Medienlandschaft zuletzt deutlich hochgefahren. Im vergangenen Jahr überraschte der Einstieg beim deutschen Verlagsschwergewicht Axel Springer, das auf Betreiben von KKR im April sein Börsendelisting vornahm. 2019 investierte KKR zudem in das neue Medienunternehmen von Fred Kogel, Leonine.

Analysten sehen unterdessen wie KKR Kurspotenzial bei ProSiebenSat.1. Nach den vergangene Woche vorgelegten Quartalszahlen sprachen mit der UBS, der DZ Bank und Kepler Cheuvreux gleich drei Bankhäuser eine Kaufempfehlung für den MDax-Konzern aus; JP Morgan rät unterdessen dazu, das Papier überzugewichten. Die Kursziele der genannten Banken belaufen sich auf 11 bis 14,60 Euro und liegen damit allesamt über dem aktuellen Kursniveau.

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