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Social Media

Julia Klöckner hat Social Media nicht verstanden

CDU-Politikerin Klöckner zeigt sich gern auf Social Media – jedoch nicht gesprächsbereit Credit: Imago

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sorgt nach ihrem viel kritisierten PR-Auftritt mit Johann Lafer weiter für Unmut: So blockierte sie Influencer auf ihrem Instagram-Kanal, die sie zum Dialog aufgerufen hatten.

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Nach dem Shitstorm ist vor dem Shitstorm: Julia Klöckner macht wieder mal von sich reden. Nicht nur, weil sie sich mal wieder in der Nähe eines Unternehmens postiert hat. Es ist auch ihr Unvermögen, richtig mit Social Media umzugehen, das für Wut im Netz sorgt.

So hat die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die veganen Influencer Gordon Prox und Alijoscha Muttardi auf ihrem Instagram-Kanal blockiert, nachdem diese kritisch auf die PR-Aktion Klöckners reagiert hatten.

Prox und Muttardi, die unter „Vegan ist ungesund“ mehr als 122.000 Follower auf Instagram und 136.000 Abonnenten auf Youtube erreichen, veröffentlichen regelmäßig Beiträge zum Thema vegane Ernährung auf ihren Kanälen. So reagierten beide auch auf das kürzlich erschienene Video von Julia Klöckner, die gemeinsam mit TV-Koch Johann Lafer auf Bild.de ein Drei-Gänge-Menü für 25 Euro präsentierten. Brisanz erhält das Thema dadurch, dass die Supermarktkette Kaufland als Sponsor auftrat:

Auch wenn der Titel „Ansage an Julia Klöckner“ auf Kampfeslust schließen könnte: In dem Video wird Klöckner nicht persönlich angegriffen. Eine Debatte ließ die CDU-Politikerin jedoch nicht zu, sondern blockierte die Influencer flugs auf ihrem Instagram-Profil. Und provozierte damit gleich den nächsten Shitstorm.

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WIR BRAUCHEN JEDE*N EINZELNE*N VON EUCH! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀Wir wurden gelöscht & blockiert von unserer Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (guckt euch unsere Stories für mehr Infos an). Das alles ist passiert, weil wir ein sehr sachliches Instagram Video zu ihren diversen Fauxpas gemacht und euch dann aufgefordert haben ihr sachlich & freundlich kritische Fragen zu stellen. Wir haben dies natürlich auch getan und wurden kurze Zeit später, wie hunderte andere Follower*innen blockiert! WAS KÖNNT IHR TUN? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 1.) Markiert bitte unter diesem Post Julia Klöckner (wir können sie leider nicht mehr markieren) UND @lebensministerium mit dem Text „Warum löschen sie kritische Kommentare?“ 2.) Teilt diesen Post in eurer Instagram Story, markiert uns plus mindestens 3 Freund*innen 3.) Kommentiert bei Julia Klöckner (juliakloeckner) und @lebensministerium mit eurer kritischen aber sachlichen Frage und macht DRINGEND einen Screenshot davon. Sollte dieser gelöscht werden oder ihr sogar blockiert, macht davon auch einen Screenshot und schickt uns die Fotos an [email protected] ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Wir wollen das NICHT auf uns sitzen lassen! Es darf nicht soweit kommen, dass man keine kritischen Fragen mehr stellen darf, ohne blockiert oder ausgeblendet zu werden! DANKE 🙏🏽 ihr wart bis jetzt schon der Wahnsinn! ❤️

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Muttardi und Prox zeigten sich entsetzt über Klöckners Verhalten, denn nicht nur sie seien von Klöckner blockiert worden. „Ich bin schockiert, dass wir und hunderte andere nach konstruktiver und sachlicher Kritik einfach blockiert wurden“, so Muttardi. „Besonders in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass wir einen Dialog suchen und einander zuhören.“

Klöckner und Social Media: eine lange Misserfolgsgeschichte

Dass Julia Klöckner Social Media als Einbahnstraße versteht und Kritiker auch gern mal vor den Kopf stößt, ist nichts Neues. Nach dem Shitstorm, den sie mit ihrem Auftritt mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch verursacht hatte, bezeichnete sie die kritischen Kommentatoren pauschal als „Hatespeaker“.

Auch wenn viele Kommentare in typischer Twitter-Manier den Bogen sicherlich überspannt hatten: Eine solche Reaktion, die konstruktive Kritik mit Hasskommentaren vermengt, zeugt von der Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen. Gerade Social Media bietet wie keine andere Technik die Möglichkeit, in den Dialog zu gehen. Eine Möglichkeit, von der Klöckner ungern Gebrauch macht.

Noch in einem anderen Fall wurde deutlich, dass sie es mit der digitalen Kommunikation nicht so hat. So verriet sie im Jahr 2011 das Ergebnis der Wahl zum Bundespräsidenten verfrüht via Twitter – und gefährdete damit sogar die Wahl.

Klöckner twitterte damals: „Leute, Ihr könnt in Ruhe Fußball gucken. Wahlgang hat geklappt.“ Sie überwachte als Schriftführerin den Wahlvorgang und war an der Stimmauszählung beteiligt. Klöckner informierte die Öffentlichkeit, bevor das Wahlergebnis offiziell bekanntgegeben wurde. Im Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten ist allerdings festgehalten, dass die Wahl erst dann beendet ist, wenn der Gewählte sie angenommen hat.

Wenn sie sich schon mit Social Media nicht auskennt, die Gesetze sollte eine Politikerin schon im Griff haben.

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