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New York Times in der Corona-Krise

Neuer Abonnentenrekord, aber Anzeigenhalbierung im zweiten Quartal

Die New York Times Headquarters in Manhattan © imago

Auch der Branchenprimus ist vor dem Coronavirus nicht immun. Die New York Times, sowohl nach journalistischen Kriterien als auch dem Geschäftsmodell das große Vorbild für Verleger rund um den Globus, konnte der Krise im ersten Quartal mit einer besser als erwarteten Bilanz und einem Rekord von 587.000 neuen Digitalabonnenten zunächst trotzen. Die Rückgänge im Anzeigengeschäft fallen jedoch dramatisch aus: Die 169 Jahre alte Traditionszeitung rechnet im laufenden Quartal zumindest mit einer Halbierung der Werbeerlöse.

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Die New York Times war eines der ersten Verlagshäuser, das zu Beginn der Corona-Pandemie aussprach, was viele befürchteten. Am 2. März erklärte die New York Times Company in einer Pflichtmitteilung, dass man begonnen habe, “gewisse wirtschaftliche Folgen zu spüren”.

Das US-Unternehmen habe “eine Verlangsamung der internationalen und nationalen Anzeigenbuchungen registriert, die wir mit der Unsicherheit und Angst vor dem Virus in Verbindung bringen”, stimmte CEO Mark Thompson Anleger bereits vor zwei Monaten auf schwierige Zeiten ein und stellte im ersten Quartal im digitalen Anzeigengeschäft einen Umsatzrückgang zwischen 10 und 20 Prozent in Aussicht.

Besser als erwartete Q1-Bilanz

Dabei haben sich die Geschäfte im ersten Quartal noch ordentlich entwickelt.  Von Anfang Januar bis Ende März legten die Umsätze sogar noch mal um 1 Prozent auf nunmehr 443,6 Millionen Dollar zu. Die Analysten hatten durchschnittlich mit Erlösen in Höhe von 438,9 Millionen Dollar gerechnet.

Auch die Gewinnentwicklung lag über den Konsensschätzungen: Statt eines Gewinns je Aktie in Höhe von 9 Cent konnte die NYT tatsächlich einen Gewinn je Anteilsschein von 17 Cent ausweisen, der einem Nettogewinn von 32,85 Millionen Dollar entsprach und damit einer Steigerung von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gleichkommt.

Abo-Geschäft boomt: 587.000 neue Digital-Abonnenten

Dass die Geschäftsentwicklung dabei zweigeteilt verlief, ist keine Überraschung. Die Lebensversicherung der “Gray Lady” bleibt das Abonnenten-Geschäft – erst recht in der Corona-Krise. So hat die Pandemie der 169 alten Traditionszeitung so viele neue Leser wie noch nie beschert.

In den ersten 91 Tagen des Jahres konnte die NYT enorme 587.000 neue Digitalabonnenten hinzugewinnen – ein stolzer Rekord. Insgesamt bringt es die New York Times damit bereits auf mehr als 5 Millionen Digital Only-Abonnenten bzw. 5,84 Millionen Abonnenten inklusive der Printausgabe.

Die mit Abonnements erzielten Erlöse legten im ersten  Quartal in der Gesamtheit (Print und Online) um mehr als 5 Prozent auf nunmehr bereits 285,43 Millionen Dollar zu. Digital wuchsen die Abo-Erlöse bereits um 18 Prozent auf 130 Millionen Dollar und machen damit 46 Prozent der gesamten Abonnentenumsätze aus.

Anzeigengeschäft unter Druck

“Anders als viele Verlage wird unser Geschäftsmodell stark von Abonnements denn von Werbung getrieben“, hatte Konzernchef Thompson bereits im Vorfeld versucht, den Einfluss von Anzeigenrückgängen kleinzureden.

In Dollar und Cent sieht das freilich etwas anders aus. Obwohl die mit Werbung erzielten Umsätze inzwischen fast nur noch ein Drittel der gesamten Konzernerlöse ausmachen, fiel der Rückgang der Anzeigenerlöse (Minus 19 Millionen Dollar) auf nur noch 106 Millionen Dollar (minus 15 Prozent) größer aus als der Zuwachs der Abonnentenumsätze (Plus 14,6 Millionen Dollar).

Gerettet wurde der kleine Zuwachs der gesamten Konzernumsätze am Ende durch die sogenannten „Other Revenues“ (Plus 20 Prozent), zu denen das wachsende Content-Marketing-Geschäft der Division  T Brand oder etwa neue Medienproduktionen wie Netflix-Serie „The Weekly“ zählen.

„Das Anzeigengeschäft ist rapide eingebrochen“

Und das Missverhältnis zwischen Leserumsätzen und Anzeigenerlösen dürfte größer werden. Seit dem Ende des ersten Quartals ist das Anzeigengeschäft durch die Verwerfungen der Corona-Krise nämlich spürbar erodiert, wie Mark Thompson einräumte.

„Gegen Ende des ersten Quartals ist das Anzeigengeschäft rapide eingebrochen. Wir rechnen damit, dass das Anzeigengeschäft im zweiten Quartal um 50 bis 55 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt“, erklärte der Vorstandschef der New York Times Company.

NYT-Aktie 2020 trotz Corona im Plus

Anleger hatten mit der Erosion offenkundig bereits gerechnet und schickten die Aktie der New York Times im frühen Handel an der Wall Street um nicht einmal ein Prozent nach unten.

Aktuell notiert die Aktie des von CEO Mark Thompson geführten amerikanischen Medienhauses bei rund 33 Dollar und hat damit seit Jahresbeginn ein Plus von 4 Prozent verbucht. Seit den Jahreshochs, die erst im Februar aufgestellt wurden, haben die Anteilsscheine lediglich 17 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

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